Manche wundern sich vielleicht darüber, dass Ländern wie China, Indien, Brasilien und andere leichter durch die Krise zu kommen scheinen. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat dazu einen Erklärungsansatz in ihrem aktuellen Jahresbericht.
“In den Industrieländern entwickelte sich im vierten Quartal 2008 eine äußerst dynamische Wechselwirkung zwischen dem Finanzsektor und der Realwirtschaft. Ein drastischer Vertrauensverlust verstärkte den Abbau der Ungleichgewichte, die sich seit Anfang dieses Jahrzehnts in den Vermögenspositionen der privaten Haushalte, der Unternehmen und des Finanzsektors der Industrieländer aufgebaut hatten. Dies führte zu einem massiven Rückgang sowohl der Wirtschaftstätigkeit als auch der Inflation. Allerdings hat der Abbau des Fremdfinanzierungsgrads gerade erst begonnen, und die Verschuldung sowohl des Finanzsektors als auch der anderen Sektoren der Volkswirtschaften, die einen Kreditboom erlebten, liegt weiterhin deutlich über dem noch vor wenigen Jahren verzeichneten Niveau. Dies legt den Schluss nahe, dass sich der Abschwung und die anschließende wirtschaftliche Erholung länger hinziehen dürften.
Anders gelagert sind die Verhältnisse in den aufstrebenden Volkswirtschaften, da diese sich anfänglich gegenüber der Finanzkrise als sehr widerstandsfähig erwiesen. Grundsätzlich machte die hohe wirtschaftliche und finanzielle Integration, von der lange Zeit starke Wachstumsimpulse ausgingen, die aufstrebenden Volkswirtschaften anfällig gegenüber einer plötzlichen Umkehr der Kapitalströme und einem Rückgang der Nachfrage nach ihren Exporten. Doch Länder mit einer anhaltend umsichtigen Wirtschaftspolitik und niedriger öffentlicher Verschuldung – beispielsweise in Asien und in Teilen Lateinamerikas – können immer noch flexibel auf die Krise reagieren. Andere Länder hingegen sind aufgrund hoher Leistungsbilanzdefizite bzw. des Trends zur Fremdwährungskreditvergabe im Bankensektor und der daraus resultierenden Schwierigkeiten bei der Außenfinanzierung auf internationalen Beistand angewiesen.”
Der Bericht erhält weiterführende Darstellungen zu den
- Auswirkungen der Krise auf die Industrieländer Abstract | Full Text
- Auswirkungen der Krise auf die aufstrebenden Volkswirtschaften Abstract | Full Text
Folgende Beiträge könnten Sie auch interessieren:
- Studie der Deutschen Bank zur Verschuldungsstruktur der Bundesländer: Kapitalmarktverschuldung gewinnt an Bedeutung
- Warum Alex in der FTD die Finanzmärkte besser erklärt als der Stresstest
- Ökonom Georg Erber: Eurokrise: Welche Eurokrise?
- Ökonom Georg Erber über die ökonomische Konsequenzen eines Staats-Bailouts
- Guy Kirsch: Die Euro-Krise ist (nicht nur) eine Währungskrise (+Presseblick Irland)
Comments on this entry are closed.