Vom Kampf gegen Sternchenangebote und Fußnotencharts

by Dirk Elsner on 5. Juli 2009

Herrlicher Text von Manfred Köhler in dieser Woche in der FAZ. Er spricht mit seinem Plädoyer gegen das Kleingedruckte sicher nicht nur mir aus dem Konsumentenherzen.

“Wir sind es leid. Wir wollen nicht mehr mit zusammengekniffenen Augen über Miniaturlettern brüten, die in hellem Grau auf mattem Weiß gedruckt sind. Wir wollen nicht mehr Angebote von Unternehmen wieder und wieder mit dem Taschenrechner nachrechnen müssen, weil sich erst mit einem Dreisatz erschließt, wie teuer uns das angebliche Schnäppchen wirklich zu stehen kommt. Wir wollen uns in Fachgeschäften nicht mehr wie ein Schuljunge fühlen, weil uns Halbwüchsige mit Dreitagebart Handy-Verträge in einem Schweinsgalopp erklären, das uns wie ein einziges Genuschel vorkommt. Kurzum: Wir wollen auch in der Rezession weiter vaterländisch tapfer kräftig konsumieren. Aber wir wollen nicht mehr für dumm verkauft werden.”

Ein weiteres Zitat aus dem Text mit vielen weiteren Beispielen

“Warum waren im jüngsten Prospekt von Vodaphone für „Mobiles Surfen“ die Fußnoten zusammen 26 Zeilen lang, quer über die Seite geschrieben, so wie wenn diese Zeitung nur aus einer einzigen Spalte bestünde und nicht aus sechs, zudem in schlecht lesbarer weißer Schrift auf rotem Grund und ohne jeden Absatz, als seien drei Jahrhunderte Kommunikationsdesign perdu? Und warum finden sich dort Sätze wie „Sofern und solange beide Verträge – Vodaphone DSL-Paket (Ziff. 5 und 14) und Vodaphone SuperFlat Internet (Ziff. 2) oder Vodaphone SuperFlat (Ziff. 3) – bestehen, gilt für Sie der Vodaphone-Vorteil“?

Köhler fordert eine Ende dieses Fußnotenwahns und schließt: “Wir wollen gerne und viel kaufen. Aber wir sind es leid, ohne Not behandelt zu werden wie dumme Jungs.”

Der Kampf um das Kleingedruckte wird aber nicht nur gegen Telefongesellschaften, Internetprovider und Banken geführt. Auch die Social Communities im Web stellen die Mündigkeit ihrer Nutzer auf eine harte Probe. Dazu die TAZ: ”Im Februar gab’s Stunk in der Nutzerschaft des populären Social Networking-Anbieters Facebook: Dessen Nutzungsbedingungen waren so verändert worden, dass es der Website künftig scheinbar erlaubt war, selbst dann noch über vom Nutzer eingestellte Inhalte zu verfügen, wenn dieser sich längst abgemeldet hatte.” 

Eine ganz neue Methode zur “Vermeidung” von Fußnoten führt derweil O2 ein. Auf dieser Handy-Übersichtsseite kann man sicherheitshalber nicht einmal mehr die Tarife und Konditionen ansehen, sondern soll gleich die Hotline anrufen[1].

Gibt es eigentlich irgendwo im Web eine Seite mit Fußnotencharts, also eine Auflistung der Produkt- oder Dienstleistungsangebote mit den meisten Fußnoten. Ich nominiere hier O2 für das O2 Inklusivpaket, das auf 18 Fußnoten kommt.  Uups, nein, das ist falsch. Ich habe übersehen, dass die Tarifübersicht einen Link enthält zu “Unterlagen zu Ihrem Tarif”. Dort kann man sich weitere sieben Seiten Kleingedrucktes mit 30 Fußnoten ansehen. In der Summe kommt man auf 13 DIN A4-Seiten Tarifinformationen mit  48 Fußnoten. Ob da Redundanzen enthalten sind, konnte ich nicht prüfen. Ich habe den Bestellvorgang abgebrochen.  Unberücksichtigt mussten dabei die AGB von O2 bleiben[2].

 


[1] Kosten für einen Anruf: 0,14 €/Minute aus dem Netz der T-Com, für Anrufe aus Mobilfunknetzen können abweichende Preise gelten.

[2] Welche gelten, kann man sich „bequem“ aus der Seite „Übersicht der Allgemeinen Geschäftsbedingungen von O2“ herausarbeiten. Dem Kunden stehen schlappe 12 AGBs zu Auswahl.

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