Wie Bilanzierungsregeln trotz positivere Aussichten die Gewinne der Banken reduzieren

by Dirk Elsner on 20. Juli 2009

In Fachkreisen wird in dieser Woche vergleichsweise öffentlichkeitswirksam über Anpassungen diskutiert, die der europäische Bilanzregelausschusses das International Accounting Standards Board (IASB) vorgeschlagen hat (siehe dazu Neue Bilanzregeln: Aufschrei der Banken droht). Die Bilanzregeln gelten ja wegen ihrer prozyklischen Systematik als ein Trendverstärker der Finanzkrise für die Abschreibungen auf Kapitalanlagen. Dass dies aber nur eingeschränkt gilt, wird dabei gern übersehen.

Bei fallenden Vermögenspreisen müssen die Banken nicht nur Abschreibungen auf ihre Handels- und ggf. Anlagebestände vornehmen, sondern sie können auch ihre eigenen Verbindlichkeiten “abschreiben”. Dazu das Handelsblatt gestern:

“Kaum einen Aspekt im Zusammenhang mit der Bewertung von Bilanzpositionen zum Zeitwert (Fair Value) diskutieren Experten so kontrovers wie die Behandlung der Verbindlichkeiten. Denn die internationalen Bilanzierungsstandards verpflichten die Banken, jede Veränderung der eigenen Kreditwürdigkeit erfolgswirksam zu erfassen. Das heißt: Eine Verschlechterung der Bonität führt zur Buchung von Erträgen. Umgekehrt muss eine Bank Verluste buchen, wenn sich ihre Kreditwürdigkeit verbessert. Hintergrund der scheinbar paradoxen Regel: Fällt der Marktwert der Verbindlichkeiten einer Bank unter den Wert, mit dem die Schulden in der Bilanz erfasst sind, könnte die Bank die Verbindlichkeiten theoretisch günstiger am Markt zurückkaufen, und diesen Bewertungsgewinn dürfen die Institute in ihren Büchern erfassen. Diese Gewinne halfen während der Finanzkrise, die Verluste aus toxischen Wertpapieren wenigstens teilweise auszugleichen.”

Persönlich bin ich der Auffassung, dass keine Verpflichtung aber ein Recht zur Abwertung eigener Verbindlichkeiten besteht. Jedenfalls berücksichtigen Banken für die Bewertung ihrer Verbindlichkeiten die am Markt gezahlten Risikoprämien für die Versicherung ihrer Schulden. Wie eine erhöhte Risikoprämie konkret wirkt, ist in dem Artikel “Toxische Assets: Risikoprämie vs. Ausfallquote” dargestellt. Jedenfalls gilt die Faustregel: Je höher die Risikoprämie, desto niedriger sind die Verbindlichkeiten zu Marktwerten anzusetzen. Mit der vorläufigen Erholung und Stabilisierung der Finanzmärkte sind entsprechend die Risikoprämien zurückgegangen, ergo steigen die Verbindlichkeiten im Wert. Buchungstechnisch führt diese Zuschreibung zu einem Aufwand.

Da ohne genaue Lektüre von Abschlussunterlagen gar nicht klar ist, wie hoch die Ergebnisbeiträge dieser Bewertung sind, ist es auch schwer anhand von drei oder vier Kennziffern den wirklichen Erfolg einer Bank einzuschätzen bzw. ihn mit anderen Instituten zu vergleichen. In der öffentlichen Darstellung der Zahlen von Goldman Sachs spielten diese Aspekte jedenfalls keine Rolle.

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