Von Dieter Korczak in: Aus Politik und Zeitgeschichte 26/2009
Über Gerechtigkeit beim Umgang mit privaten Schulden (und deren Verursachern) wird kaum nachgedacht. Die Krise des Finanzsystems und die damit einhergehende Wirtschaftskrise überdecken die Problematik der seit langem bekannten Überschuldung deutscher Privathaushalte völlig. Dabei weisen Finanzkrise und private Überschuldung erstaunliche Parallelen auf.
Verschuldet sich nicht fast jeder Mensch irgendwann mit kleineren oder größeren Geldsummen? Lassen sich viele Dinge des Lebens, angefangen bei der Wohnungseinrichtung über das Auto bis hin zum eigenen Haus, nicht nur auf dem Wege der Kreditaufnahme und damit der Verschuldung erwerben? Und gehört es nicht elementar zu einer erwachsenen Persönlichkeit, zu einem rationalen Konsumenten, darauf zu achten, dass eine Verschuldung nicht in eine Überschuldung umschlägt? Überschuldung bedeutet die Unfähigkeit, laufende und zukünftige Verpflichtungen selbst bei der Reduzierung aller Kosten auf lebensnotwendige Ausgaben aus dem Einkommen und Vermögen bedienen zu können. Daraus folgend könnte die Annahme berechtigt sein, dass Überschuldung von Haushalten durch schlechtes Wirtschaften verursacht wird, dessen Konsequenzen Haushalte zu Recht zu tragen haben.
Doch nicht nur Einzelpersonen und Privathaushalte können in die Überschuldung geraten, sondern auch Banken und andere Unternehmen. Konnten diese ebenso wie die Einzelpersonen nicht wirtschaften? Und wenn dies so ist, müssen sie in vergleichbarer Weise mit Konsequenzen und Sanktionen rechnen? Die Antwort auf diese Frage soll durch den Vergleich der Ursachen von und den Umgang mit individueller Überschuldung und der aktuellen Situation von Banken gesucht werden.
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