“Zombie-Lending” beschränkt Wettbewerb und drückt Produktivität

by Dirk Elsner on 29. Juli 2009

Wieder  eine interessante Studie, die Olaf Storbeck vom Handelsblatt im wahrsten Sinne des Wortes hat auferstehen lassen: Zombie Lending and Depressed Restructuring in Japan, eine Studie, die mich nicht nur an Filmklassiker von George A. Romero, sondern auch an die aktuelle Diskussion um die Finanzierungsklemme erinnert (hätte nie gedacht, Romero mit der Finanzierungsklemme in einem Satz nennen zu können).

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Quelle: iluvrhinestones/Flickr unter Creative Commons-Lizenz Attribution ShareAlike 2.0*

Die Studie stellt eine Untersuchung eines amerikanischen Forscherteams darüber vor, wie Milde gegenüber Bankschuldnern dazu führt, dass eigentlich dem “Untergang geweihte” Unternehmen trotzdem Kredite erhalten und somit weiterleben können und so den Markt erheblich verzerren.

“Welche Folgen die untoten Firmen für den Rest der Wirtschaft hatten, analysierten die Wissenschaftler zunächst abstrakt in einem theoretischen Modell. Dort, so stellen sie fest, verzerren Zombies in einer Wirtschaftskrise den Wettbewerb zwischen Unternehmen. Das verlängert die Krise. Weil unproduktive Firmen nicht aus dem Markt ausscheiden und diese gleichzeitig andere Unternehmen vom Markteintritt abschrecken, ist das Produktivitätswachstum in der Modellwirtschaft geringer.

Die Forscher untersuchten dies empirisch am japanischen Markt für Unternehmenskredite.

Genau dieses Muster beobachten die Wissenschaftler auch im Japan der 90er-Jahre: In den Branchen, in denen besonders viele untote Firmen herumirren, entstehen und verschwinden deutlich weniger Jobs als in weniger stark betroffenen Sektoren. Auch das Produktivitätswachstum in Zombie-verseuchten Branchen ist deutlich schlechter. Gesunde Unternehmen, die mit Untoten konkurrieren müssen, investieren erheblich weniger – je nach Branche fielen die Investitionen der Unternehmen laut Studie um 20 bis 40 Prozent geringer aus.”

Aus der Studie lassen sich viele Schlussfolgerungen ziehen. Unter anderem die, dass es volkswirtschaftlich sinnvoller ist, angeschlagenen Unternehmen nicht mehr mit Notkrediten zu helfen, weil sich dadurch mittel- bis langfristig negative Wohlfahrtseffekt ergeben und so eine Wirtschaftskrise zwar gemildert aber zeitlich verlängert wird. Eine Konsequenz daraus wäre auch, solchen Unternehmen keine Staatshilfe in Form von Bürgschaften zu gewähren und die Kreditmärkte in der Hoffnung einer Selbstregulierung sich selbst zu überlassen.

Wenn ich das richtig verstehe, dann steckt dahinter ein neoklassisches Marktmodell, dass u.a. hinreichend perfekte Märkte, eine transparente Informationsversorgung und rationale Marktakteure unterstellt. Ob die Modellergebnisse die gleichen wären, wenn die Forscher diese oder andere Abweichungen berücksichtigt hätten, lässt sich ohne weitere Modellanalyse nicht sagen. Unklar bleibt außerdem, ob die Produktivitätseinbußen und Investitionsrückgänge sich nicht auch anders erklären lassen. Andererseits vermitteln die Schlagzeilen um Opel herum Eindruck, als werde hier tatsächlich ein Zombie mit Hilfe staatlicher Blutzufuhr geschaffen.

Nach diesem Modell wäre es vermutlich ebenfalls richtig, Banken selbst die staatlichen Unterstützung zu verweigern. Eine Forderung, die auch von Christoph Schmidt, neues Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, gestellt wird. In einem Interview sagte Schmidt: “Banken, die weder überlebensfähig noch systemrelevant sind, muss der Staat Pleite gehen lassen“. Freilich bleibt offen, was unter systemrelevant verstanden wird. Jedenfalls wird dieses Modell in den USA schon intensive geübt. Dort wurden am vergangenen Freitag die Bankpleiten #59 bis #64 gezählt. Sie dazu auch Stiglitz: The Spring of the Zombies.

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