Wieso enttäuschende Q2-Zahlen der Deutschen Bank?

by Dirk Elsner on 29. Juli 2009

Zum Glück ist es nicht mein Job, das Quartalsergebnis der Deutschen Bank zu analysieren und zu kommentieren. Allerdings überraschen mich Kommentierungen der Wirtschaftspresse, wie sie z.B. hier zusammengefasst sind. Da festigt sich stets der Eindruck, niemand habe sich die Mühe gemacht, mal in den eigentlichen Zwischenbericht zu schauen (hier als pdf zum Download). Daher hier nur ein Beispiel, auf was man bei genauer Lektüre des Berichts stoßen kann.

Der Bericht enthält z.B. einen Sachverhalt, den die öffentliche Berichterstattung immer wieder gern übersieht (übrigens auch im 1.Quartal). Im Vergleich zu den vorhergehenden drei Quartalen hat die Deutsche Bank nämlich im gerade abgelaufenen Quartal darauf verzichtet, noch einmal bilanzielle Bewertungserleichterung in Anspruch zu nehmen. Konkret schreibt das Institut (S. 14 f):

Änderungen zu IAS 39 und IFRS 7, „Reclassification of Financial Assets“
In Übereinstimmung mit den Änderungen zu IAS 39 und IFRS 7 wurden bestimmte finanzielle Vermögenswerte aus den Bilanzkategorien „zum Fair Value bewertet“ und „zur Veräußerung verfügbar“ in die Bilanzposition „Forderungen aus dem Kreditgeschäft“ umgegliedert. Wir haben im zweiten Halbjahr 2008 Vermögenswerte umgegliedert und im ersten Quartal 2009 weitere Umklassifizierungen vorgenommen. Im zweiten Quartal 2009 wurden keine Umklassifizierungen durchgeführt. Bei den umgegliederten Vermögenswerten waren wir der Ansicht, dass der Fair Value zum Umgliederungsstichtag den inneren Wert der Position aufgrund der mangelnden Liquidität in den Finanzmärkten nicht wiedergab und dass dieser innere Wert bei einer längeren Haltedauer realisiert werden kann. Da sich die Zweckbestimmung der Vermögenswerte geändert hatte und die Vermögenswerte längerfristig gehalten und refinanziert werden konnten, waren wir der Meinung, dass die geänderte Bilanzierung den Geschäftszweck der Vermögenswerte adäquater widerspiegelt.

Die nachfolgende Tabelle zeigt zum einen den von uns ermittelten Halbjahreseffekt für den Unternehmensbereich CB&S auf die Gewinn-und-Verlust-Rechnung und zum anderen die Nicht in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung berücksichtigten Gewinne/Verluste, verglichen mit der ursprünglichen Bilanzierung. Die hieraus resultierenden Auswirkungen auf Marktrisikopositionen sind im Abschnitt „Wesentliche Risikopositionen an den Kreditmärkten“ dargestellt.

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Allein diese Reklassifizierungen hatten den Verlust im zweiten Halbjahr also um 573 Mio. vermindert und das Ergebnis des 1. Quartals um 300 Mio. vor Steuern erhöht. Vermutlich finden sich noch weitere einen Ergebnis-Vergleich erschwerenfr Passagen in dem Bericht. Warum daher Investoren von der Deutschen Bank enttäuscht sind, wie die FTD schreibt, ist mir unklar.

Die Bewertungsspielereien erschweren aktuell die Zahlenvergleiche ganz erheblich. Das gilt erst Recht für bankübergreifende Vergleiche. Hier erwarte ich einfach von der Wirtschaftspresse und Analysten, sich mal in einen solchen Bericht “hineinzuquälen”.

Weitere Berichte und Kommentare zum Halbjahresergebnis der Deutschen Bank

Börsenzeitung: Es müssen nicht immer 25 sein

HB: Die Milliarden-Boni sind schon eingepreist

Welt: Crash bei der Deutsche-Bank-Aktie

HB: Unterschätzte Verluste

SZ:  Milliardengewinn, Burgfrieden und ein bisschen Geschichte

BNB: Deutsche Bank mit guten Zahlen • Börsennotizbuch

BB: Die Deutsche Bank, die Krise und die Kreditklemme

II: US Häusermarkt und die Deutsche Bank

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