Anekdoten um Escada

by Dirk Elsner on 24. August 2009

Ich bin gar nicht sicher, ob das Buch in Deutschland so bekannt ist: Der Halo-Effekt von Phil Rosenzweig. Es handelt darüber, wie wir Informationen interpretieren und uns täuschen lassen von vordergründigen Erklärungen, die wir für plausibel halten, die aber in der Regel einer näheren Überprüfung nicht stand halten. Es wäre auch nicht verwunderlich, wenn das Buch nicht so bekannt ist, denn Rosenzweig zielt fundiert mit guten Argumenten (Induktionsfehler) und amüsanten Beispielen gegen Management-Gurus, Experten, Manager und Journalisten.

Ich will das Buch hier aber nicht vertiefen, weil ich es noch nicht durchgelesen habe und eigentlich nur schreiben will, dass mich einige Passagen eines Artikels über die Investorensuche bei Escada an Beispiele in dem Buch über Cisco und ABB erinnern.  Und zwar geht es um die “Expertenmeinungen”, die nachher immer schon gewusst haben, wie man es vorher hätte besser machen können und die auch in der Gegenwart stets die richtigen Tipps für die Zukunft parat haben.

Hier jetzt also die weisen Hinweise der “Experten” zu Escada:

 

“Vor dem Hintergrund der Krise im Luxussegment wäre die Marke aus meiner Sicht in einem Konzern besser aufgestellt“, sagte ein Unternehmensberater. Der Grund: „Innerhalb eines Portfolios an Marken können die Auswirkungen des Abschwungs durch unterschiedlichste Produkt- und Preissegmente besser ausgeglichen werden.“

Wow, da staunt man nur angesichts der Brillanz der Feststellung. So bekommt man also ein Unternehmen durch die Krise, einfach integrieren in einen Konzern und quasi per Portfolio Selection das spezifische Risiko wegdiversifiziert.

Und auch ein weiteres Zitat treibt dem Leser das Staunen aus dem Hirnlappen:

“Der bayerische Berater hält es für möglich, Escada auf eigenen Beinen fortzuführen. „Wenn Sie über die Insolvenz wieder Ordnung in das Unternehmen bekommen, hat die Marke ein unglaubliches Potenzial“, ist Schmid-Preissler überzeugt. Vivaldi-Fachmann Pfeiffer hält diesen Weg indes für riskant: Die Gefahr sei groß, dass ein Investor die Marke und ihre Vermögenswerte kurzfristig abschöpfe, langfristig aber keine solide Perspektive entstehe.”

Auch angesichts dieser Expertenäußerungen dürfte ja vollkommen klar sein, wie Escada gerettet werden kann. Ob darüber allerdings Management und Mitarbeiter von Escada schmunzeln, dürfte zweifelhaft sein.

Wer in dem Buch von Phil Rosenzweig blättern will, der kann das bei Google-Books sogar in der deutschen Fassung hier tun. Eine Rezension hier von der FAZ.

Nixda August 24, 2009 um 20:29 Uhr

Von Leermeinungen verbreiten (mit Doppel-E) leben Heerscharen von Menschen in Deutschland in verschiedensten Berufsgruppen, und meistens nicht schlecht.

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