HALO-Effekte beim FC Bayern

by Dirk Elsner on 28. August 2009

Das Buch von Phil Rosenzweig “Der Halo-Effekt: Wie Manager sich täuschen lassen” ist zwar ein Buch über Verhalten, Wahrnehmung und Kommunikation in der Wirtschaft. Dir dort beschriebenen Erkenntnisse lassen sich aber leicht übertragen auf andere Felder, wobei das hier wörtlich gemeint ist, nämlich auf Fußballfelder.

Zunächst zum Halo-Effekt, bei dem, so die These, es sich um einen Wahrnehmungsfehler handelt. Dieser Wahrnehmungsfehler rührt daher, dass man vom Gesamteindruck bzw. von beobachtbaren Eigenschaften z.B. eines Unternehmens oder einer Person auf nicht beobachtbare Eigenschaften schließt, ohne freilich den wirklichen kausalen Zusammenhang zu kennen. So vermuten wir etwa, dass ein Unternehmen mit guten Geschäftsergebnissen ein geschicktes Marketing und Management hat und umgekehrt.

Der Halo-Effekt führt dazu, dass wir nun auf bestimmte positive/negative Eigenschaften von Personen schließen aufgrund von Beobachtungen (eigene oder durch Fachleute). So konstruieren Fachleute etwa gern einen Zusammenhang zwischen gutem Management und gutem Ergebnis eines Unternehmens, ohne freilich genau zu wissen, wie das gute Ergebnis begründet werden kann. Das gute Management wiederum verbinden wir mit bestimmten Verhaltensweisen, wie etwa wertschätzender Umgang mit Mitarbeiter, harter Führungsstil etc. und schließen dann darauf, dass diese Eigenschaften für das positive Unternehmensergebnis verantwortlich sind.

Das Interessante daran ist, dass wir die Erklärung bzw. Zurechnung von Eigenschaften erst als Erklärung heranziehen, wenn wir bestimmte Ergebnisse beobachtet haben. Besonders eindrucksvoll hat Phil Rosenzweig diesen Effekt in seinem Buch anhand von drei Unternehmen (Lego, Cisco und ABB) herausgearbeitet, die zunächst unglaublich erfolgreich waren und anschließend abgestürzt sind. Rosenzweig hat sich die Mühe gemacht, die Berichterstattung über diese Unternehmen nachzuzeichnen. Dabei stellt er fest, dass in Phasen, in denen es den Unternehmen besonders gut ging, es viele Erklärungen von Fachleuten, Journalisten und Managementberatern gab, die alle genau “wussten”, warum es den Unternehmen gut ging. Es lag am geschickten charismatischen Management, an den motivierten Mitarbeiter, genialer Akquisitionspolitik und vielen mehr. Als sich die Unternehmensergebnisse deutlich verschlechterten, wussten die gleichen Personen ebenfalls wieder exakt woran es gelegen. Diesmal war das Management egozentrisch, die Mitarbeiter gierig und die Akquisitionspolitik zu wenig auf die Kernkompetenzen ausgerichtet. Das Interessante dabei: Management und Mitarbeiter waren identisch und die beurteilten Akquisitionen waren ebenfalls die Gleichen.

In beiden Ausprägungen unterlagen die Beobachter, so die These von Rosenzweig, Täuschungen. In Wirklichkeit ist für Außenstehende nämlich kaum erklärbar, wo das Unternehmen etwas richtig gemacht hat bzw. wo später die Fehler begangen wurden. Jedenfalls greifen oberflächliche Ursachenerklärungen, die vom Ergebnis her kommend auf fehlerhafte Eigenschaften schließen viel zu kurz.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für einen Halo-Effekt lieferte der Rummel um Jürgen Klinsmann beim FC Bayern. Aufgrund seines “Erfolgs” bei der WM 2006 schlossen die Verantwortlichen des FC Bayern München darauf, dass er der richtige Trainer sei. Viele Beobachter folgten dieser Interpretation vor Beginn der Saison 2008/09 und lobten alle Maßnahmen, die Klinsmann zur “Erneuerung” der Bayern ergriff (neue Trainingsmethoden, neues Trainingszentrum und sogar Buddahfiguren). Fast alle seine Aktivitäten wurden durchweg positiv interpretiert und als zeitgemäß bezeichnet.

Nach dem ausgebliebenen Erfolg war die “Legende” Klinsmann schnell demontiert, seine Maßnahmen ins Lächerliche gezogen und es galt fortan der “Stil der Alten” als angesagt. Beobachter und Medien suchten nach Erklärungen und servierten sie dem Publikum. In keinem Bericht war etwas darüber zu lesen, dass Fußball ein Spiel ist, bei dem der Spielausgang in einem hohen Maße auch vom Zufall abhängt oder sich Gegner ebenfalls weiterentwickeln.

Tatsächlich gibt es nämlich keinen eindeutigen kausalen Zusammenhang gibt zwischen Trainer, Trainingsmethoden und Spielerfolg. Vielmehr gibt es eine Fülle von Faktoren, die auf eine Mannschaftsleistung wirken und eine gehörige Portion Zufall. Was letztlich Erfolg und Misserfolg genau ausmachen, wird nach wissenschaftlichen Maßstäben stets ungeklärt bleiben müssen. Erklärungsversuche, die die jeweilige Lage analysieren und mit Halo-Effekt-Ursachen begründen, bezeichnet Rosenzweig übrigens als Anekdoten.

Wir können diese Anekdoten in diesen Tagen erneut beobachten an Louis van Gaal, dem neuen Trainer des FC Bayern. Bis zum Saisonauftakt galt er als unbestrittene Kompetenz, als Autorität, als der “Zuchtmeister” der die Bayern wieder an die Spitze führen würde. “Mit viel Kredit war der holländische Übungsleiter nach München gekommen, immer wieder verwiesen die Verantwortlichen auf dessen Erfolge (Champions-League-Sieger, Uefa-Cup-Sieger, spanischer Meister), sie deuteten seine Eigenheiten als konsequentes Verhalten und betonten während der Vorbereitung stets, der neue Trainer würde endlich eine klare Linie in den Verein bringen,” war etwa in der Süddeutschen zu lesen.

Nach der Auswärtsniederlage beim Aufsteiger Mainz beobachtet man, wie sich die Stimmung dreht. Plötzlich fehlt die klare Linie (Süddeutsche). Es wird nun nicht mehr Lange dauern, bis die Trainingsmethoden, die Taktik oder der Umgang von van Gaal als Gründe für den “Fehlstart” herhalten müssen.

Wenn der FC Bayern morgen Wolfsburg vom Platz fegt, wird dies schnell wieder vergessen sein. Dafür wird man aber genau wissen, was Armin Veh bei Vfl Wolfsburg alles falsch macht im Vergleich zu seinem Vorgänger.

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