Banken eine Jahr nach Lehman (1): Zum Ende der Finanzkrise

by Dirk Elsner on 16. September 2009

Wir haben den Jahrestag der Lehman-Pleite endlich hinter uns. Auffällig ist, dass nach der kollektiven Nahtoderfahrung der Finanzwelt vor einem Jahr sich viele Banken nun wieder stärker in die Öffentlichkeit trauen. Nie zuvor in den letzten 12 Monaten waren so viele Interviews mit Spitzenbankern zu lesen wie in den vergangenen Tagen. Dies spricht für ein wieder erwachtes Selbstbewusstsein der mit Billionen Staatsgeldern gestützten Branche. Damit wird aber auch unterstrichen, dass Schweigen in schlechten Zeiten Gold ist. Wie drückte dies der Ex-Lehman-Banker Lawrence McDonald jüngst in einem Interview aus: “Haltet Euren Kopf nach unten, sonst ist er bald ab, war die Devise.”

Zeit, einen Blick auf ausgewählte Aussagen zu werfen. Der Blick Log trägt in einer Miniserie die wichtigsten Äußerungen einiger Bankchefs zusammen. Ausgewertet sind dazu Äußerungen in Interviews und Berichte. Die Quellen sind am Ende genannt. Heute geht es los mit Aussagen zum Ende der Finanzkrise:

Stephen Green (HSBC): Wir könnten das Tief tatsächlich durchschritten haben. Um ehrlich zu sein, kann das keiner ganz genau sagen.

Andreas Schmitz, Präsident des Bankenverbandes BdB:  Was das Finanzsystem angeht, haben wir das Schwerste hinter uns. Entscheidend wird sein, wie sich die Realwirtschaft künftig entwickelt. Ich gehe von einem niedrigeren Potenzialwachstum aus, denn westliche Kunden für die Exportwirtschaft werden weniger nachfragen und die asiatischen Kunden können das nicht kompensieren.

Nicht zuletzt gab der Deutsche-Bank-Chef einen Ausblick auf die generelle Lage: Das Gröbste der Finanzkrise sei für die Branche überstanden. „Ich sehe für die Finanzmärkte ein Licht am Ende des Tunnels“, sagte Ackermann. Er erinnerte jedoch auch selbst daran, dass er das Gleiche bereits bei der „Handelsblatt“-Tagung vor einem Jahr gesagt hatte und eine Woche später die US-Investmentbank Lehman Brothers zusammenbrach. Gewisse Dinge könne man nicht voraussehen, sagte er.

Der Eindruck, dass die „Party wieder in vollem Gange ist“, sei falsch und irreführend, sagte der Ackermann auf einer Konferenz am Donnerstag. Es herrsche nicht wieder „business as usual“.

Walid Chammah, Co-Präsident von Morgan Stanley: Wir bekommen täglich mit, dass die Finanzkrise noch nicht vorbei ist. Sie zeigt sich nur in etwas abgemilderter Form, mehr nicht. Trotz aller Unsicherheiten wage ich die Vorhersage, dass die Krise Ende dieses Jahres ausläuft, spätestens im nächsten Jahr. Spätestens ab 2011 sollte wieder völlige Normalität eingekehrt sein.

Die Erholung an den Märkten ging schnell, und das gilt sowohl für Aktien als auch für Anleihen, nach meiner Ansicht zu schnell. Mich würde deshalb eine Korrektur nicht weiter überraschen. Im nächsten Jahr sollte dann aber auch an den Märkten wieder Normalität einkehren.

Dietrich Voigtländer, Vorstandsvorsitzende der WestLB: Wir haben eine wesentliche Strecke hinter uns gebracht, so viel ist sicher. Aber das wird jetzt überlagert von den Entwicklungen im real-wirtschaftlichen Umfeld. Allein auf Deutschland konzentrierte Banken werden die Schwierigkeiten, in denen viele Unternehmen stecken, in den nächsten zwei bis drei Quartalen noch deutlich spüren. Ich gehe davon aus, dass die Bank-Bilanzen in den Jahren 2009 und 2010 durch eine höhere Risikovorsorge geprägt sein werden.

Quellen

Die Zeit: Stephen Green – Chairman HSBC: „Garantie-Boni sind verwerflich“

FTD: Richard Fuld – Ex-Lehman-Chef: „Sie haben keine Pistole dabei – das ist gut“

HB: Lloyd Blankfein – CEO Goldman Sachs: Goldman-Chef Blankfein atmet auf

FTD: HSH Nonnenmacher – Chef der HSH Nordbank: „Es ist herausfordernd und spannend, die Zukunftsfähigkeit der Bank zu … „

FAZ: Ackermann warnt vor hohen Kreditzinsen

HB: Deutsche Banken laufen Sturm

HB: Banker fordert Pleitegehen nach festen Regeln

HB: Andreas Schmitz, Präsident des Bankenverbandes BdB, „Herausforderung für den Markt“

HB: Ackermann sieht Europas Banken zurückfallen

HB: Walid Chammah, Co-Präsident von Morgan Stanley: „Erholung ging zu schnell“

HB: Commerzbank-Chef Blessing, Deutsche Bank-Chef Ackermann, Goldman Sachs Deutschland-Chef Dibelius

HB: Dietrich Voigtländer, Vorstandsvorsitzende der WestLB, WestLB: „Konsolidierung ist klare Präferenz“

Comments on this entry are closed.

Previous post:

Next post: