Der Chef als Ekel – ist das ein Naturgesetz?

by Dirk Elsner on 20. November 2009

Das Verhalten der Vorgesetzten ist für die Leistungsprozesse in Unternehmen von großer Bedeutung und der richtige Weg der Mitarbeiterführung ein beliebtes Thema der Managementliteratur. Immer wieder werden neue Führungsstile erfunden, die in immer wieder neuen Führungsratgebern mit großen Erfolgsversprechungen verkauft werden. Einmal wird der Führungskraft empfohlen, durch Enthusiasmus die Leute mitzureißen, ein anderes Mal gilt es, den Siegeswillen zu stärken, dann wird kompromisslose Durchsetzungskraft eingefordert usw. (siehe dazu Führungsverhalten). Persönlich halte ich nichts von all diesen Ratgeberbüchern. Eine Führungskraft, die sich nicht mit der eigenen Führungsphilosophie auseinandersetzt und nur versucht etwas aus einem Ratgeberbuch zu kopieren, ist keine wirkliche Führungskraft. Die Chance, dass er oder sie scheitert ist groß.

Gerade wenn es um die Schwächen von Führungskräften geht, haben Nathanael Fast und Serena Chen die Ergebnisse einer interessanten Studie in einem Beitrag für Psychological Science veröffentlicht. Ihre zentrale Frage lautete, warum verletzen Personen, die Macht haben, andere Menschen. Eine Erklärung dafür:

"Vorgesetzte, die selbst das Gefühl haben, einer Aufgabe nicht gewachsen zu sein, gehen mit höherer Wahrscheinlichkeit auf ihre Untergebenen los", fassen Nathanael Fast von der University of Southern California und Serena Chen von der University of California, Berkeley, ihre Ergebnisse zusammen. … Die Forscher stellten fest: Inkompetenz alleine führt nicht zu aggressivem Verhalten. Versuchsteilnehmer, die nicht in einer Entscheidersituation waren und an Selbstzweifeln litten, entpuppten sich in den Experimenten nicht als Ekel. Erst wenn jemand eine Machtposition innehat und ihn gleichzeitig die Sorge plagt, dass er seiner Aufgabe nicht gewachsen ist, wird er unausstehlich.”

Die Studie fasst Olaf Storbeck in einem Artikel des Handelsblatts zusammen unter dem Titel: “Was hinter dem Phänomen ekliger Chefs steckt und beschreibt darin auch, wie die Autoren vorgegangen sind. Die Ursache dieses Phänomens fasst Storbeck wie folgt zusammen:

“Die Forscher vermuten, dass Menschen, die Führungsaufgaben übernehmen, unbewusst höhere Ansprüche an ihre eigene Kompetenz stellen. Wer das Gefühl habe, seinem Selbstbild nicht gerecht zu werden, empfinde dies als Bedrohung seiner eigenen Position und verteidige sich mit aggressivem Auftreten.”

Für alle Chefs ist die Studie eine gute Nachricht. Es ist kein Naturgesetz, dass sie zum Ekel mutieren.

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