VW-Aufsichtsrat: Weitere Kratzer im Lack der Porsche-Übernahme

by Dirk Elsner on 23. November 2009

Nowhere to go...

VW hat offenbar weiter schwer zu schleppen am Kauf von Porsche. Im letzten Monat stellten einige Investoren die Transaktion auf die Hebebühne: Sie forderten vor allem mehr Transparenz zum undurchsichtigen Vertragsgeflecht, dass weiterhin den Eindruck hinterlässt, vor allem den Bedürfnissen der Eigentümerfamilien von Porsche zu dienen auf Kosten von Volkswagen und dessen Minderheitsaktionären.

VW versucht stets die Bedenken mit Floskeln vom Tisch zu wischen. So hätten Wirtschaftsprüfer hätten bestätigt, dass der Preis fair sei. Außerdem folge die Schaffung des integrierten Konzerns einer sinnvollen industriellen Logik. Kein ernsthafter Anleger oder Investor kann solche hohlen Phrasen in Barwerte umrechnen. Ein Wirtschaftsprüfer kann so ziemliches alles bestätigen, was sich im Rahmen von Gesetz und Ordnung bewegt. Was ein fairer Preis sein soll, bleibt in der Tiefgarage verschlossen. Und mit dem Begriff “industrielle Logik” habe ich seit Monaten Probleme. Diese auch von Politikern im Zusammenhang mit dem gescheiterten Opel-Verkauf an Magna verwendete Phrase soll wichtig klingen ist inhaltslos.

Nun haben sich VW und die Porsche-Eigentümer weitere Kratzer für die fragwürdige Transaktion abgeholt. Nach heftigem Streit unter den VW-Aufsehern (Handelsblatt) haben unabhängige Aufsichtsratsmitglieder den Durchführungsverträgen der Grundlagenvereinbarung mit Porsche und ihren Eigentümern die Zustimmung verweigert. Die Durchführungsverträge regeln verbindlich organisatorische, finanzielle und rechtliche Details der Zusammenführung. Sie haben damit die Zustimmung des Gremiums zwar nicht verhindern können, bestätigen jedoch die berechtigten Zweifel, die VW bisher nicht ausräumen konnte. Die Verweigerung ist um so bedeutender, weil der Aufsichtsrat besser informiert wird als die Aktionäre und Einblick in die Verträge erhalten haben dürfte.

Foto: flickr/Xerones

Das Handelsblatt weiß über die Sitzung:

“Bei der Abstimmung über die Verschmelzung mit Porsche war der Aufsichtsrat von Volkswagen alles andere als einer Meinung. Zwei VW-Kontrolleure haben gegen das neue Schwergewicht der Automobilbranche gestimmt. Wie das Handelsblatt aus Familienkreisen erfahren hat, haben sich die Skeptiker trotz umfangreicher Rechtsgutachten und fortlaufender Vertragsveränderungen am Ende nicht überzeugen lassen. … Schon die Tatsache, dass die Abstimmung bis kurz nach Mitternacht ging, deutete auf die erregten Diskussionen hin. Einstimmigkeit war aber dennoch nicht zu erreichen. Zwei Aufseher stimmten gegen den Deal: Der Präsident der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Roland Oetker, und RWE-Chef Jürgen Großmann. Am Anfang der Sitzung hatten sogar vier Vertreter des Aufsichtsrates ihre unterschiedliche Meinung geäußert. Allem Anschein nach gab es Streitigkeiten wegen der Risiken, die mit dem Deal einhergehen.”

Warum das Handelsblatt die verweigerte Zustimmung als Eklat bezeichnet, bleibt wohl als Geheimnis in Düsseldorf. Es ist ja gerade die Pflicht des Aufsichtsrates solche Entscheidungen zu kontrollieren und nicht einfach abzunicken.

Bei Porsche selbst, so vermittelt dies jedenfalls die FTD, habe derweil eine Schockstarre eingesetzt: “Wichtige Entscheidungen werden verzögert, Führungskräfte bangen um ihre Jobs. Und in Wolfsburg sinnt so mancher auf Rache für erlittene Demütigungen.” Das sind alles Zutaten “gelungener” Fusionen. Es klingt erstaunlich unprofessionell, wie VW die Übernahme zu managen scheint. Die FTD schreibt:

“Ohne Zustimmung der neuen Herren aus Wolfsburg fällt kein wichtiger Beschluss mehr, doch konkrete Ansagen gibt es auch keine – noch hält Europas größter Autobauer formal ja nicht einmal Anteile an Porsche, noch sitzt außer Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch kein Vertreter des VW-Konzerns in irgendeinem Gremium. „Hier weiß keiner, was VW mit uns vorhat. Alle warten erst einmal ab“, heißt es in Zuffenhausen. … Zumal die Sieger aus Wolfsburg bereits kräftig sticheln. „Porsche hat seit Jahren nicht genug an den Modellen gemacht. Sie liegen bei neuen Technologien drei bis fünf Jahre zurück“, ätzt ein VW-Topmanager.”

Gerade in der Anfangszeit eines Zusammenschlusses bzw. Übernahme könnte das Change Management so nicht schlechter laufen. Ob die vorgenannten Aussagen der tatsächlichen Lage und Stimmung entsprechen, ist freilich nicht klar. Ich mag nicht glauben, dass VW seinen Porsche nun erst einmal draußen im Novemberregen rosten lässt und sich nicht um eine vernünftige Integration kümmert. In diesem Zusammenhang lesenswert der Text von Konstantin Kirsch “Das Fusionsfondue”, in dem er die Probleme von Fusionen mit einem Käsefondue vergleicht.

Siehe auch: Die schwere Geburt eines Autogiganten

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