Fach- und Führungskräfte großer Firmen sehen keine Kreditklemme

by Dirk Elsner on 10. Dezember 2009

Nach dem Kanzlerinnengipfel in der letzten Woche wird es bereits wieder ruhiger zum Thema Kreditklemme. Das kann auch daran liegen, dass für größere Unternehmen Einschränkungen bei der Kreditvergabe nicht auf der Tagesordnung stehen. Dies geh aus dem Finanzmarkt-Trendmonitor hervor, für den die Agenturen News Aktuell, Cat Consultants und Faktenkontor zusammen mit dem „Handelsblatt“ 131 Fach- und Führungskräfte großer deutscher Firmen befragt haben. Trotz der schlechten Aussichten klagen nur wenige Firmen über eine Kreditklemme (siehe Tagesspiegel). Dazu war am Montag in der Printausgabe des Handelsblatts zu lesen:

Wer nicht investiert, braucht keine Kredite Ungeachtet der zeitlich weitreichenden Krisenauswirkungen klagen die meisten Unternehmen aber nicht über eine Kreditklemme. Nur jede zehnte Firma erkennt starke Refinanzierungsprobleme. Die Hälfte (51 Prozent) sieht für sich gar keine Probleme, wenn es um Kredite geht, weitere zwölf Prozent allenfalls sehr geringe Schwierigkeiten.

Auffällig ist, dass sich die Unternehmen darüber sogar ein Stück weit optimistischer äußern als bei einer gleichen Befragung im März. Der Anteil derjenigen Firmen, die keine Kreditprobleme haben, ist um vier Prozentpunkte gestiegen. "Kaum jemand investiert. Deshalb brauchen wir auch kein Geld von den Banken", sagt ein Finanzchef eines großen Maschinenbauers. Um eine Kreditklemme abzuwenden, wollen Großbanken und Sparkassen mittelständischen Firmen mehr Eigenkapital verschaffen, um deren Kreditchancen zu verbessern. Ein entsprechender Vorschlag von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann beim jüngsten Kreditgipfel der Bundesregierung erntete bei Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften breite Zustimmung. Im Gespräch ist eine Fondssumme von zunächst 100 Mio. Euro.

Für Dogmatiker hat das Handelsblatt noch einmal zusammengestellt, was eine Kreditklemme im engeren Sinne eigentlich ist:

Das würde bedeuten, dass selbst gesunde Unternehmen flächendeckend keine Darlehen mehr bewilligt bekommen. … Die Fähigkeit der Banken, Kredite zu vergeben, hängt zum einen von ihrem verfügbaren Eigenkapital ab sowie von der verfügbaren Liquidität. Besonders das Eigenkapital gilt derzeit als limitierender Faktor. Banken müssen Kredite, die sie vergeben, immer auch mit Eigenkapital unterlegen und zwar mit umso mehr Eigenkapital je riskanter der Kredit ist. Die Eigenkapitalbasis vieler Banken dürfte sich 2010 aber zunächst einmal weiter verschlechtern: Den Banken drohen weitere Abschreibungen auf Wertpapiere und Kredite im Volumen von 60 bis 90 Mrd. Euro, schätzt die Bundesbank. Hinzu kommt, dass die Regierungen die Eigenkapitalvorschriften der Banken verschärfen wollen. Auch das zwingt die Banken, entweder mehr Eigenkapital einzusammeln oder weniger Kredite zu vergeben.

Für die Unternehmen ist kritisch, dass die Kreditvergabebereitschaft der Banken von der Bonität eines Unternehmens beeinflusst wird. Die Geschäftsabschlüsse des Jahres 2009, die in den Kreditgesprächen im Frühjahr eine Rolle spielen werden, dürften angesichts der Wirtschaftslage ausgesprochen schlecht ausfallen.

Wer es wissenschaftlicher mag, der liest bei Bernanke und Lown nach (hier über Google Books):  Angesichts der der z.B. aus einer Finanzkrise resultierenden hohen Liquiditätspräferenz der Banken und der sich daraus möglicherweise ergebenden Refinanzierungsprobleme besteht die Gefahr, dass die Banken ihr Angebot an Krediten an die realwirtschaftlichen Sektoren einschränken. Eine derartige über die konjunkturbedingte Abschwächung der Kreditnachfrage oder die Verschlechterung der Kreditwürdigkeit hinausgehende Kürzung des Kreditangebots seitens der Banken aufgrund von Refinanzierungsbeschränkungen wird Bernanke und Lown (1991) folgend als „Kreditklemme“ oder „credit crunch“ bezeichnet (zitiert nach Walter Waschiczek, Gibt es Hinweise auf eine Kreditklemme in Österreich? in: Geldpolitik & Wirtschaft).

Zur Überblickseite des Blick Log zu Kredit- und Finanzierungsklemme

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