Vom Untergang der Schiffsbeteiligungen, Provisionsschneidereien und Leos

by Dirk Elsner on 17. Dezember 2009

Fast ein Rührstück hat das Handelsblatt aus der Geschichte eines Rentnerehepaares gemacht, das einen Teil seiner Ersparnisse auf Empfehlung der Postbank in Schiffsfonds gesteckt hatte und nun den Untergang dieser Investitionen miterleben muss. Das Blatt zeigt damit die Kehrseite der massiv gesunken Frachtraten. Diese Kehrseite zeigt wieder einmal, dass als noch so sicher verkaufte Kapitalanlagen (was Schiffsbeteiligungen freilich nie waren) nur in die Hände gehören, die das Risiko einschätzen können.

Das Strickmuster dieses Erzählstücks erinnert an die Geschichten über die Rentner, denen Banken Lehman-Zertifikate verkauft haben. Ich will hier jetzt nicht in das ewig gleiche Horn von der bösen Bank und den treuglaubenden Gutmenschen verfallen. Die Autorin Gertrud Hussia schreibt anklagend in Richtung Bank und fragt nicht nach der Eigenverantwortung der Anleger selbst.

Dabei deckt der Bericht viele Defizite auf, aus denen Anleger auch für andere Investitionen lernen könnten. Im Februar hatte ich schon einmal am Beispiel Madoff über die Provisionsschneiderei der Vermögensverwaltungen und Versicherungen geschrieben. Dieser Fall hatte nämlich transparent gemacht, über wie viele Stufen angelegte Gelder fließen, bis sie dorthin gelangen, wo sie Ertrag bringen sollen. Und ähnlich erschreckend ist dies bei den Schiffsbeteiligungen. Für den hier besprochenen Fall liest sich das so:

“Die Bank und ihre Berater haben in der Regel gut an den Fonds verdient. Die Wachsmanns etwa bezahlten laut Prospekt für den Kreuzfahrtfonds 25000 Euro. Davon im Schnitt acht Prozent Vertriebskosten, fünf Prozent Nebenkosten. Plus Geld für Gründung und Konzeption des Fonds. Fast 4 500 Euro – schätzungsweise 3 250 Euro direkt an die Postbank und ihren Verkäufer. Für den zweiten Fonds, „MT Cape Beale“, fielen 24,4 Prozent Nebenkosten an, an den Verkäufer gingen laut Prospekt fünf Prozent extra. Macht mehr als 4400 Euro, davon 4120 Euro für die Postbank und ihren Vertreter.

Das sind fast 9 000 Euro für zwei Verkaufsgespräche. Solche Gebühren sind bei Schiffsfonds üblich. Über solche Provisionen habe man seinerzeit noch nicht aufklären müssen, sagt ein Sprecher der Postbank. Der BGH aber hat 2006 geurteilt: Berater müssen ihre Vergütungen offenlegen. Aktenzeichen: XIZR56/05. Haben also die Wachsmanns, haben die Anleger, denen es ähnlich erging, eine Chance, ihr Geld zu retten?”

Bei jeder Anlage sollte sich der Investor fragen, was mit seinem Geld konkret geschieht, wo welcher Betrag hinfließt, was an Provisionen bei wem hängen bleibt und wie die Rückzahlung erwirtschaftet wird. Bei solchen Investitionen sollte man stets auf Planungsrechnungen schauen und sich fragen, wie plausibel denn die Annahmen sind. Dabei geht es gar nicht darum, die sicherste Anlage zu finden, sondern zunächst einmal ein Gefühl für das Risiko zu bekommen. Aber ich will jetzt hier keinen Anlageentscheidungskriterienkatalog aufbauen, denn der würde noch ein paar Seiten füllen.

Zurück zu den Kunden, die nun auf großen Verlusten sitzen bleiben. Das hier beschriebene Rentnerpaar wird wohl leider nur die Vorhut einer viel größeren Schar von “Geschädigten” sein. Ab 2005 waren Abschreibungsmöglichkeiten solcher Anlagen für Besserverdiener beschränkt. Die Finanzbranche sah sich nach neuen Abnehmern um und entdeckte den Normalanleger oder “Leos”, wie manche Berater abfällig die Zielgruppe nennen. „Leos“ steht für leicht erreichbare Opfer; gutgläubige, in Finanzdingen wenig bewanderte und häufig ältere Menschen. 275 000 Deutsche sollen Geld in Schiffsfonds angelegt haben. Ein Drittel bis die Hälfte, schätzen Branchenkenner, weiß nicht, welche Risiken sie eingegangen sind.

Über die weiteren Probleme der Schiffsfonds erfährt man hier mehr unter dem Titel: Anleger erleiden Schiffbruch.

Und selbstverständlich gilt die kritische Betrachtung von Anlagen nicht nur für Lehman Zertifikate, Schiffsbeteiligungen, Aktien, Dubai-Investment, sondern für jede Form der Anlage, auch für Immobilien, wie ein Finanzblog schreibt, der sich dabei auf den von mir sehr geschätzten Robert Shiller beruft.

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