Wirtschaftsjournalismus kann so spannend sein: Spielraum für Vorstände

by Dirk Elsner on 22. April 2010

Nein, der Blick Log erhält keinen Cent Provision oder sonst etwas, wenn hier das Handelsblatt so oft erwähnt und verlinkt wird. Das Blatt und die Webseite gehören nun mal seit Jahren zu meiner täglichen Pflichtlektüre, die häufig sogar viel Spaß macht. Trotz der Kritik der Otto Brenner Stiftung am Wirtschaftsjournalismus (siehe dazu Schweigen der Medien oder warum ausgerechnet der iPad die Medienkrise verstärkt) nehme ich als Medienkonsument das Blatt davon weitestgehend aus (es nerven nur die immer gleichen „Experten“, denn gerade in Wirtschaftsfragen gibt es kein Pressemedium, das tiefer geht (Ausnahmen sind natürlich hochwertige Blogs und Fachzeitschriften).

Zu einem Glanzstück gehört der Beitrag “Spielraum für Vorstände”, der leider nur in der Premium Version aufrufbar und daher paid content ist. Dieser Artikel leitet die neue Serie “Dax-Konzerne ungeschminkt” ein und fasst aus meiner Sicht gut verständlich die Probleme der aktuellen Bilanzierungspraxis zusammen. Deren Ausgangspunkt ist bekanntlich der Enron-Skandal, in deren Folge die Bilanzierungspraxis eigentlich deutlich hätte verbessert werden sollen. Das Gegenteil ist aber eingetreten, so die Autoren:

“Die Welt hat jetzt vergleichbare Bilanzierungsstandards. Leider sind sie sehr kompliziert. Für findige Buchhalter hat das den Vorteil, dass sie zwischen all den Unübersichtlichkeiten viel verstecken können. Für Beobachter hat das den Nachteil, dass ein Unternehmen weniger transparent wird. Investoren sollen ein möglichst realistisches Bild erhalten. Bei der durchschnittlichen Dax-Bilanz blicken allenfalls noch Experten durch, Anleger aber immer weniger.”

Im weiteren Verlauf des Artikels stellen die Autoren dar, warum Bilanzen weit davon entfernt sind, objektive Auskunft über ein Unternehmen zu geben und zählen beispielhaft einige Spielräume auf.

Für mich ist dieser Artikel ein gutes Beispiel, in wie man in die Tiefe gehen und damit etwa der Kritik etwa von donalphons in „Das schnelle Ende der langsamen Wirtschaftspresse“ etwas entgegensetzen kann. Freilich müssen Teile seiner Kritik für andere Beiträge erhalten bleiben.

Apropos Rechnungslegung. Wer einmal in die Komplexität der Diskussion um die Änderungen der IAS (International Accounting Standards) hineinschauen will, dem empfehle ich einen Blick auf IAS Plus. Selbst erfahrene Wirtschaftsprüfer dürften mittlerweile Probleme bekommen, hier den Überblick und deren Konsequenzen für die Rechnungslegung zu behalten.

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