Euro- und Ökonomen-Krise: Jetzt bitte einen Double-Dip

by Dirk Elsner on 26. Mai 2010

Fast ein Déjà-vu der Griechenlandkrise empfand ich gestern bei der Lektüre der Wirtschaftsschlagzeilen zur Euro- und nun Spanien-Krise. Besonders „hilfreich“ die Reaktion des IWF,  der an Spanien zweifelt, und sich so offenbar neue Kundschaft für seine Kreditprogramme sichern will. Die Kursbewegungen an den Währungs- und Kapitalmärkten spielen global jedenfalls die neue Verunsicherung.

Bisher schienen die Verwerfungen im Euroraum, die überstürzenden Aktionen zur „Rettung des Euro sowie der katastrophalen Kommunikationspolitik (insbesondere der Schlagabtausch zwischen Berlin und Brüssel) nur Wirkungen auf die Finanzmärkte zu haben. Das soll sich aber nun endlich ändern, denn die Realwirtschaft hat wohl zu viel Fahrt aufgenommen und sich zu unbeeindruckt gezeigt.

Jetzt werden wieder die Gefahren eines Double-Dip beschworen. Dreht also die Konjunktur in dieser zarten Aufschwungphase zum zweiten Mal innerhalb von 24 Monaten ins Minus?

Diesen Double-Dip wollen nun immer mehr Ökonomen sehen, zumindest die „Experten“ der Wirtschaft, die in den Medien für Schlagzeilen sorgen (etwa hier in der FTD). Da ich ökonomische Vorhersagen eher als Anekdoten betrachte und richtig vorhergesagte Entwicklungen eher für Zufall halte, will ich nicht bewerten (und kann es auch gar nicht), ob tatsächlich eine solche Gefahr besteht. Denkbar sind alle möglichen Entwicklungen.

Das DD-Wort ist ja keineswegs neu und war bereits vor einem Jahr en vogue. Es fällt jedoch einmal mehr auf, dass einige Ökonomen stets auf düster machen, ganz egal welche Maßnahmen ergriffen werden und welche Entwicklungen an den Märkten zu beobachten sind. Die Presseschau des Handelsblatts zitiert dazu passend einen Kommentar der Börsen-Zeitung:

„Die Angst vor dem Double-Dip, also einer zweiten Krisenwelle, ist zurück“, titelt die Börsen-Zeitung. Gleichzeitig kritisiert das Blatt die Ökonomen für ihren „Hang zur Dramatisierung“. Nun heiße es plötzlich, der synchrone Schuldenabbau werde das Wachstum einbrechen lassen. „Aber waren es nicht dieselben Ökonomen, die zuletzt zur Bewältigung der Schuldenkrise und zur Stützung des Euro noch weitere Sparanstrengungen gefordert und für den Fall des (erwarteten) Scheiterns der Konsolidierung das Monster der Inflation an die Wand gemalt hatten“, fragt das Blatt. Die veränderte Argumentation der Ökonomen und ihr „bisweilen selbstreferenzielles Verhalten“ könne die Realwirtschaft tatsächlich aus den Angeln heben. „Der Aufschwung wackelt. Er wird regelrecht kaputt prognostiziert, nur weil die Herde der Ökonomen plötzlich eine neue Richtung eingeschlagen hat“,kritisiert die Zeitung.

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