Niquet statt Roubini: DAS Buch zur Krise: Wie ich die Finanzkrise erfolgreich verdrängte

by Dirk Elsner on 10. Juni 2010

In einem Beitrag am Dienstag hat ich darüber geschrieben, warum mir das Geschreibe über Roubini und Co. und die penetrante Vermarktung der Bücher der Unterganggurus auf den Zeiger geht. In den Rezensionen über Wirtschaftsbücher vermisse ich dagegen  z.B. ein Werk, das ich seit dem vorvergangenen Wochenende in den Händen halte.

Das Buch stammt vom Börsenkolumnisten Bernd Niquet: Sein Werk “Wie ich die Finanzkrise erfolgreich verdrängte: Eine Collage (Link auf Amazon) ist für mich mittlerweile DAS Begleitbuch zur Finanzkrise 2007 – 2009 geworden. Als Begleitbuch bezeichne ich es, weil Niquet gar nicht erst der Versuchung erlegen ist, seinen Lesern die Hintergründe der Finanzkrise zu erklären. Er nimmt uns vielmehr mit auf eine sehr persönliche Reise durch die wildeste Zeit für Anleger und Wirtschaftsschlagzeilen seit den 30er Jahren des letzten Jahrtausends.

Fast Blogbeiträgen gleichend schreibt er, wie er die Finanzkrise persönlich aus Sicht eines Anlegers erlebt hat. Das macht er sehr unterhaltsam und gespickt mit Notizen aus dem persönlichen Alltag. Niquet will mit dem Buch nicht aufklären, sondern erzählt, wie er mit die verschiedensten Nachrichten, die wir alle kennen, emotional verarbeitet hat und in Entscheidungen umsetzt. Er schreibt über die bitteren Korrekturen, die wir erlebt haben, den düsteren Nachrichten und der ersten Hoffnung im Frühjahr 2009.

Und natürlich freue ich mich, dass er ausgerechnet bei der Hoffnung auf Lichtblicke, den Blick Log zitiert. Ich hatte bereits zum Jahresbeginn 2009 detailliert die Rechtfertigung für den extremen Abwertungsdruck auf toxische Wertpapiere und auf Bankenaktien bezweifelt (siehe z.B. hier). Im Gegensatz zu mir hat Niquet diese Überlegungen und die von Benedikt Fehr in der FAZ genutzt und und rechtzeitig auf die Erholung der Banken gesetzt.

Viele große Nachrichten der heißen Finanzkrisenzeit begegnen dem Leser wieder: Bear Stearns, Lehman, Rettungspakete, Spekulationen auf VW und Porsche, große Kursverluste, Hoffnungsschimmer, AIG. Sehr wohltuend dabei, dass uns Niquet nicht die Welt erklären will, sondern die Leser teilhaben lässt an seinen persönlichen Sichtweisen und Emotionen. Menschen, die selbst an den Märkten investiert waren, werden hier sicher viele Gedanken finden, die ihnen bekannt vorkommen.

Hier abschließend Auszüge aus zwei Leserkommentaren bei Amazon:

Daniel Holzbach:

“Es ist durchaus lehrreich, ihm hierbei zuzuschauen, wie er über die mangelnde Qualität des Wirtschaftsjournalismus berichtet, der sein Fähnchen stets nach dem Wind richtet. Es ist aber nicht minder interessant, zu beobachten, wie der Autor die meisten seiner Entscheidungen nicht aus der Datenlage, sondern aus seinen Grundüberzeugungen und seinen Emotionen ableitet, wie er also genau das macht, was man eigentlich nicht machen soll.”

Helmut Schell:

“Niquet ist originell, ist nur seinen Gedanken und seinen Gefühlen verpflichtet und ist damit in der Minorität. So soll es sein, denn für die Herde gibt es an der Börse nichts zu gewinnen, es sind die eigenwilligen Querdenker, die zu beneidenswerten Ergebnissen kommen.”

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