Wie die Banken sich schlecht rechnen

by Dirk Elsner on 17. Januar 2009

Deutsche Bank

Deutsche Bank (Foto Flickr, Lizenz hier)

Am Donnerstag hatte ich einen längeren Beitrag darüber verfasst, warum die angekündigten Horrorabschlüsse der Banken uns nicht schrecken sollten. Hier dazu eine Zusammenfassung.

Am Mittwoch hat die Deutsche Bank einen Verlust angekündigt, der die Märkte geschockt hat: 4,8 Mrd. €, eine unvorstellbare Zahl für das größte deutsche Kreditinstitut.  Als Begründung für den hohen Fehlbetrag wurden hohe Belastungen im Eigenhandel, Abschreibungen sowie Verluste beim Abbau von risikoreichen Positionen genannt.

Diese blutroten Zahlen sind aber angesichts der Anwendung der International Financial Reporting Standards (IFRS) keine Überraschung. Sie zwingen die Banken zu hohen Abschreibungen, wenn für die Berechnung des Fair Values ein Marktwert vorliegt. Banken haben zwar für die Bilanzierung unter bestimmten Voraussetzungen ein Bewertungswahlrecht, dieses nutzen sie aber offensichtlich nicht. Dabei wäre dies durchaus sinnvoll gewesen. Denn die für die Bewertung vorliegenden oder berechneten Marktwerte für nichtstaatliche Zinspapiere aller Art sind vor allem deswegen so niedrig, weil im letzten Quartal wegen der „Angst“ und Verunsicherung mit zum Teil historisch höchsten Risikoprämien kalkuliert werden musste.

Genau diese Risikoprämien führen allein schon rein mathematisch zu einer erheblichen Abwertung. Der Blick Log hat sich die Mühe in einem Blogbeitrag gemacht, die Wirkung der Risikoprämie anhand eines Beispiels zu berechnen. Das Ergebnis ist erstaunlich. Ein Anstieg der Risikoprämie von 2,5% führt bei einem Papier mit 25 Jahren Laufzeit zu einer Abwertung von etwa 9% und damit zu einer entsprechend hohen Abschreibung.

Kommt man zu dem Schluss, dass die Risikoprämien im 4. Quartal zu hoch sind, wofür sehr viel spricht, dann fallen auch die Abschreibungen zu hoch aus. Dennoch sind sie rechtlich nicht zu vermeiden, wenn die Voraussetzungen für die Bewertungserleichterung nicht geschaffen werden. Mit der Entspannung der Risikoprämien, wie sie übrigens schon jetzt im Vergleich zum letzten Quartal zu beobachten ist, können dann aber die Abschreibungen im nächsten Quartal wieder zurück genommen werden. Die Preisverläufe dieser Risikoprämien sind übrigens am Markt zu beobachten und werden z.B. im iTraxx-Index abgebildet. Schaut man sich die Grafiken an, die ich aus urheberrechtlichen Gründen hier nicht abbilden kann, dann sieht man den deutlichen Rückgang der Prämien seit Jahresbeginn.

Nun lässt sich auf Basis der veröffentlichten Daten dieser “Risikoprämieneffekt” für die Deutsche Bank nicht berechnen. Es ist also keine Aussage darüber möglich, wie hoch die Abschreibungen ausgefallen wären, wenn die Bank mit niedrigeren Prämien kalkuliert hätte. Die Bank gibt aber in ihrer Pressemitteilung an, dass sie zusätzliche Gewinne vor Steuern von mehr als 5,5 Mrd. Euro realisiert hätte, wenn sie die eigenen Verbindlichkeiten (Passivseite der Bilanz) ebenfalls nach der Fair-Value-Methode bewertet hätte. Es ist klar, dass sie die eigenen Verbindlichkeiten nicht abwertet, weil sie damit ja dem Markt eine schlechte Bonität signalisiert hätte. Sie hätte aber mehr Bewertungswahlrechte für die Aktivseite nutzen können. So entsteht eine gefährliche Asymmetrie in der Bilanz, die den Markt mehr verunsichert als nötig.

Eine Überlegung, warum die Banken Bewertungswahlrechte nicht nutzen, mag sein, dass sie mit der Bilanz des Jahres 2008 alles an “Gift” abzuschreiben wollen, was möglich ist, um dann “entgiftet” in das neue Jahr zu starten. In der Außenkommunikation sind Verluste im Jahr 2008 ohnehin leicht zu verkaufen: “Schuld ist die Finanzkrise”.  Dafür werden die Institute vermutlich ein hervorragendes erstes Quartal 2009 hinlegen, vorausgesetzt die Risikoprämien erreichen nicht wieder die Höchststände des letzten Jahres.

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