Ist die Frage “Wem gehört der Aufschwung” relevant?

by Dirk Elsner on 1. September 2010

Als ich nach meinem Urlaub durch die Überschriften der Handelsblatt Printausgabe blätterte blieb ich bei einer Ausgabe hängen, in der auf der Titelseite gefragt wurde: Wem gehört der Aufschwung? Darin vermuten die Autoren, Kanzlerin Merkel wolle jetzt an einer medialen Strategie tüfteln, um den wirtschaftlichen Aufschwung für sich zu reklamieren.

Das ist schon bemerkenswert, denn trotz der Risiken des vor allem durch Exporte getriebenen Konjunkturfeuers (hoffentlich kein Strohfeuer)  ist es jetzt nicht wichtig zu schauen, wie nachhaltig die neue und zum Teil auf statistischen Effekten beruhende Freude ist, sondern wem der Lob dafür gebührt. Ist das typisch deutsch? Uninteressant sind ebenfalls die Fragen nach den Folgen und den mangelnden Konsequenzen aus den Krisenerfahrungen

Jedenfalls habe ich nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007 – 2009 bisher niemanden ausmachen können, der sich so schnell als verantwortlich gesehen hat für die Verursachung. Aber offenbar entspricht es der medialen Erfolgsasymmetrie. Für Erfolge sind bestimmte Personen verantwortlich, für Misserfolge das System.

Ohnehin kommt mir die deutsche Aufschwungparty etwas verfrüht vor, weil sie sich nur auf den Rebound des 2008/09 stark gefallenen Sozialprodukts bezieht. Wer es etwas differenzierter mag, der liest mal bei den Querschüssen nach. Dort macht sich Steffen Bogs regelmäßig die Mühe differenzierter auf veröffentlichte Daten zu schauen und sich nicht den Blick durch einzelne Wachstumsdaten vernebeln zu lassen. Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe sinkt im Juni um -2,7%“.

Der Blick Log hält die Frage wem der Aufschwung gehört für irrelevant. Allenfalls kann man fragen, wer profitiert vom Aufschwung. Die aktuelle Regierung bisher offenbar noch nicht.

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