Das Forex Trading wird zunehmend von Computern beeinflusst

by Gastbeitrag on 21. September 2010

Gastbeitrag von Michael Schwalm-Leinert

Seit Jahren erfreut sich der Devisenmarkt eines ungebremsten weltweiten Wachstums. Während der Finanzkrise gewann das Forex Trading sogar noch mehr an Bedeutung, wie die aktuellen Zahlen es eindeutig belegen: Verglichen mit dem Jahr 2007 ist das Handelsvolumen am Devisenmarkt um satte 20%, zwischen 2004 und 2010 sogar um 100% angestiegen. Damit hat der Handel mit Devisen den weltweiten Handel mit realen Waren und Dienstleistungen um das 70-fache übertroffen: Mit den 4 Billionen Dollar Umsatz täglich, wovon 1,47 Billionen Dollar allein in Londons „City“ – dem weltweit führenden Marktplatz für Devisen – den Besitzer wechseln. Zurückzuführen ist das auf mehreren verschiedenen Faktoren. Dazu zählen zum Beispiel die Einführung des Handels mit Währungen der Schwellenländer und vor allem das computergesteuerte Forex Trading, das in bestimmten Kreisen auf Ablehnung stößt.

Auf dem Devisenmarkt wird extrem viel Geld extrem schnell rund um die Uhr weltweit bewegt. Zu bewältigen ist das nur dank schnellen Computern und leistungsstarken Computerprogrammen. Gesprochen wird hier vom Algo-Trading (bzw. algorithmischen Handel). Dagegen ist an sich nichts einzuwenden, heute sind zahlreiche weitere Lebensbereiche ebenfalls computergesteuert. Der immer stärker werdende Einfluss des Algo-Tradings auf das Forex Trading sorgt dennoch für immer tieferen Stirnfalten bei den Aufsehern und wachsenden Ängsten der Marktteilnehmer. Und zwar durch die Algo-Trader (Algo-Händler), die mittlerweile als eine eigene Anlegerklasse betrachtet werden. Gemeint sind dabei jene Forex Trader, die ausschließlich durch Computerprogramme handeln. Handelsentscheidungen und Ordererteilungen überlassen sie völlig dem Computerprogramm bzw. dem Algorithmus, sie setzen lediglich die Eingabe-Parameter ein, einzig und allein, um möglichst schnell möglichst hohe Gewinne zu erzielen.

Für eine heftige Verwirrung rund um den Globus sorgten vor wenigen Monaten hauptsächlich die als High-Frequency-Trader (bzw. Hochgeschwindigkeitshändler) bezeichneten Algo-Händler. Und zwar, weil sie dank ihren Hochleistungscomputern und Computerprogrammen die weltweiten Finanzmärkte überforderten, zumal sie ihre Kauf- und Verkaufsorder mit einer Taktung von Mikrosekunden platzierten. Algo-Trading nutzen, um schneller und komfortabler handeln zu können, ist legal, es nutzen, um möglichst schnell möglichst viele Order zu generieren, ohne das normale Ziel zu haben, Gewinne zu generieren, ist dagegen nicht OK. Oft geben High-Frequency-Trader eine Riesenzahl Kauf- bzw. Verkaufsorder blitzschnell ab, die sie genauso blitzschnell stornieren. Mit dieser großen Zahl Order bezwecken sie meist, nur andere Trader auszuhorchen und deren Handelsvorhaben für die eigenen Handelsentscheidungen zu nutzen.

Algo-Trader bzw. High-Frequency-Trader (High-Tech-Händler) sind sowohl am Aktienmarkt als auch am Devisenmarkt aktiv, wobei sie beim Forex Trading viel stärkere Turbulenzen verursachen können. Denn an Anbetracht der exorbitanten Mengen Geld, die in Teilen einer Sekunde gekauft und vor allem verkauft werden können, kann genau so schnell eine Währung zum fatalen Absturz gebracht werden und damit die gesamte Wirtschaft eines ganzes Landes oder eines Währungsraumes wie z. B. des Euro-Raums. Beunruhigend ist es, dass der Hochgeschwindigkeitshandel im weltweiten Devisenhandel immer mehr an Einfluss und Macht gewinnt, dadurch bedingt, dass dessen Marktanteil rapide steigt: Im Jahr 2009 lag er bereits bei rund 25%, in Fachkreisen ist zu spüren, dass es so bleibt. Der zunehmende Einfluss des Algo-Tradings auf das Forex Trading ist eine echte Bedrohung, zumal Computer und Computerprogramme mehr Entscheidungsmacht als Menschen haben.

* Michael Schwalm-Leinert (msl@forextimes.de) ist Mitbetreiber des Forexinformationsportals www.forextimes.de und als selbstständiger Trader seit 2007 im Devisenhandel tätig.</em>

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