Attac schafft mit der Financial Crimes Deutschland einen echten Hingucker

by Dirk Elsner on 30. September 2010

Schade, in der Hamburger Innenstadt konnte ich gestern keine Ausgabe der Financial Crimes ergattern. Dabei hätte ich gern ein Exemplar in den Händen gehalten. Aber bereits das, was Attac online abgeliefert hat, machte optisch einen hoch professionellen Eindruck. Ich musste schon zweimal unter http://www.financial-crimes.net hinschauen, um zu erkennen, nicht die Webseite der Financial Times aufgerufen zu haben. Bis in die Tiefen des Impressums und die "Werbeanzeigen" hat sich die "Vereinigung für eine Besteuerung von Finanztransaktionen zum Nutzen der Bürger" um das "Plagiat" der FTD bemüht. Sogar aus dem Comic Alex wurde täuschend echt Axel.

image

Und auch inhaltlich bietet das Blatt sachkundige Abwechslung zur oft behäbigen Wirtschafts- und Finanzberichterstattung der Financial Times oder des Handelsblatts (beide Zeitungen ignorierten übrigens die Aktion bis gestern Abend auf ihren Webseiten). So findet man etwa unter der reißerischen Überschrift "Gemeingefahr Großbanken"  eine kritische Zusammenfassung der "Nicht-Aktivitäten" der G20 und der Ignorierung des Too-Big-to fail-Problems.

Natürlich würde eine Bank den Markt für verbriefte Forderungen und Kreditversicherungen offiziell nicht so interpretieren, wie Florian Moritz dies in "Große Wetten und größere Idioten" macht. Gleichwohl teilen viele Mitarbeiter in Instituten die "Greater Fool Theory". 

Einen sehr realistischen Einblick in die Arbeit und Einflussnahmen von Lobbyisten vermittelt das Interview mit dem Europaabgeordneten Sven Giegold und Ulrich Müller von LobbyControl. Derartige Hintergründe wünscht man sich häufiger in der etablierten Presse.

Klar könnte man jetzt über viele inhaltliche Positionen streiten. Aber man muss nicht alle Attac-Positionen teilen, um das Plagiat als einen echten Hingucker zu empfinden.

Ein Kritikpunkt freilich bleibt: Es fehlt jede Möglichkeit der Kommunikation mit den Lesern. Ich habe weder ein Kommentarfeld, noch eine Leserbrief- oder Feedbackseite entdeckt.

Wer, wie ich die Financial Crimes gestern verpasst hat, der hat heute die Möglichkeit zusammen mit der TAZ noch ein Exemplar zu ergattern.

Previous post:

Next post: