Google Street Views Nebenwirkungen: Einbrüche … im Internet-Traffic und bei Arbeitszeit –

by Dirk Elsner on 25. November 2010


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Oh, wie fein, Google Street View ist endlich online (incl. Bielefeld). In keinem Land wurde so heftig gegen die Massenbilderhaltung des Konzerns aus Mountain View gewettert, wie in Deutschland. Und seit die Fotos freigeschaltet sind, machen sich die Deutschen offenbar auf, Ihr eigenes Haus und das der Nachbarn zu erkunden.

Daher spürte man die Einbrüche bereits am Donnerstag. Als ich mir abends die Zugriffsstatistik auf meinen Blog ansah, waren die Daten verhältnismäßig schlecht. Ich vermute einmal, dieses Phänomen werden viele Webseitenbetreiber gespürt haben, wenn sie nicht gerade Google in ihrer Domain hatten.
Daneben dürfte so manche Arbeitsstunde dafür verwendet worden sein, den Vorgarten des Chefs zu checken und ob der eigene Wagen gewaschen war, als das Google-Car vorbeikam.

Tatsächlich lieben wir Deutschen Google Street View. Glaubt man Google, dann hat Street View am Donnerstag die höchsten jemals gemessenen Zugriffsraten bei einem Launch verzeichnet. “In keinem der 26 anderen Länder, in denen der Dienst verfügbar ist, habe es am ersten Tag einen derartigen Zulauf gegeben!, schreibt Produkt-Manager Andreas Tück im Google Blog.

Vom Sommerlochthema der deutschen Phobie vor Transparenz war jedenfalls wenig zu lesen und zu hören. Ganze 3% deutscher Häuser sollen verpixelt sein. Im Sommer vermittelten Gazetten und Politiker den Eindruck, die ganze Republik wolle sich hinter Pixelgardinen verstecken. Anscheinend sind wir aber viel gelassener geworden, als sich dies viele wünschen.

Putzig und vielleicht und typisch deutsch ist der Streit um die Verpixelung von Häusern. Einige Straßen (siehe Beispiel oben) muten ja etwas merkwürdig an. Sagt das etwas über die Nachbarschaft aus? Einige Hamburg streiten sich sogar, weil sie ihr Haus wieder entpixeln wollen. Das wird wohl nicht funktionieren, weil ein Haus komplett unkenntlich gemacht wird, wenn nur ein Mieter einen entsprechenden Antrag eingereicht hat. Vermieter und Verkäufer werden dies zu spüren bekommen, denn die Verpixelung wird potentielle Interessenten abschrecken.

Über die schon eingesetzte wirtschaftliche Verwertung des Dienstes berichtet das Handelsblatt: “Immobilienscout24 etwa hat zeitgleich mit Google seine neue Webapplikation freigeschaltet. Ein potenzieller Mieter oder Käufer kann künftig durch Straßenviertel wandern. Ist in einem der Häuser ein Objekt frei, zeigt ein Icon dies an. Weitere Informationen gibt es auf Knopfdruck.” Auch Reise- und Hotelbuchungsdienste schielen auf die Transparenzvorteile des Dienstes.

Übrigens hat Google sogar Respekt vor der Privatsphäre, denn die Streetview-Cars haben frei befahrbare Privatstraßen nicht nicht aufgenommen. Hier ein Beispiel aus Bielefeld.

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