EURO-Gossip zur Schuldenkrise: Der Trash der Politiker und Notenbanken verschleiert die Bankenstabilisierung

by Dirk Elsner on 10. Dezember 2010

Meine Herren, geht mir der schrille Gossip um den EURO und die EURO-Schuldenkrise auf die Nerven. Alle paar Monate wiederholt sich nun das trashige Schauspiel, das uns hier Finanzmärkte und Politik bieten. Die Wirtschaftsmedien inszenieren dazu eine tiefe Spaltung der europäischen Politik. Niemanden scheint dabei aufzufallen, dass die gleichen Personen, die uns vor Monaten noch den 750 Mrd. Euro Rettungsfonds als das Non-Plus-Ultra verkauften, diesen nun wieder kritisieren und einen Nachschlag fordern.

Nahezu unerträglich ist mittlerweile, wie sehr die interessengeschwängerte Aufregungsrhetorik (insbesondere aus dem Finanzsektor selbst „Viel schlimmer als die Lehman-Pleite“ oder „Ein Staatsbankrott ist nicht auszuschließen“) die Rettung des EURO und der Schuldenländer in den Mittelpunkt stellt. Auch durch die Kakophonie der Wiederholungen werden die Aussagen nicht glaubhafter. Kaum jemand spricht noch darüber, dass es hier vor allem um die Rettung von Banken geht, die im Falle einer Umstrukturierung ihrer ohne Besicherung vergebener Kredite erhebliche Probleme hätten.

Bei Zahlungsunfähigkeit, Umschuldung bzw. einem “Haircut” der Schulden Irlands etwa drohen Banken hohe Verluste. Besonders engagiert haben sich in Irland ausgerechnet Banken, die in Großbritannien und Deutschland verstaatlicht werden mussten, um sie vor der Pleite zu retten. Das sind die Royal Bank of Scotland und die Hypo Real Estate. Wenn also auf eine Vergrößerung des EU-Rettungsschirms gedrängt wird, dann retten diese Staaten damit indirekt immer auch ihre eigenen Banken.

Die Politiker und Zentralbankern merken nicht, dass sie von den Kapitalmärkten derzeit ausgetanzt werden. Ihnen fehlt der Mut, die Banken über einen Schuldenerlass zur Kasse zu bitten. Ich bleibe dabei Haircut statt Bailout.

Abschließend wieder einmal sehr lesenswert der Ökonom Georg Erber, der in der Readers Edition u.a. schreibt:

“Die Märkte verstehen durchaus die Logik des Rettungsschirms. Wenn entsprechend der Dominohypothese immer mehr Länder der Eurozone vom EFSF gerettet werden sollen, dann wächst die Last der Bürgschaften der Geberländer, die von den Märkten als noch ausreichend stabil angesehen werden. Wenn Deutschland und die übrigen Länder der Eurozone nicht nur für Griechenland oder Irland bürgen sollen, sondern auch für Portugal, Spanien, Italien oder sogar Belgien, etc. dann führt sich dieser Mechanismus ad absurdum. Am Ende bürgen alle Pleitestatten via EFSF für sich selbst bzw. gemeinsam. Mithin führt der Mechanismus einer Risikoübernahme wie in einem System kommunizierender Röhren nicht nur zur Zinssenkung der potentiellen Pleitestaaten, sondern gleichzeitig auch zu einem Zinsanstieg der Gläubigerstaaten. Schließlich führt die Risikoübernahme durch diese bei ihnen zu einem entsprechenden Risikoanstieg.

Das mag sich zunächst nicht drastisch bemerkbar machen, wenn die Pleitestaaten klein und die Gläubigerländer groß sind. Je mehr aber in die Schuldenfalle geraten und je größer diese Staaten sind, desto spürbarer wird der Zinseffekt auch für die Gläubigerstaaten ausfallen. Ihre Zinssubvention via EFSF hat zwei Komponenten. Einmal die Zinsverbilligung durch Refinanzierung des EFSF, z.B. im Falle Irland statt 8% Kapitalmarktzinsen nur 5,8%, d.h. eine Zinsersparnis von 2,2%. Gleichzeitig steigen aber die eigenen Zinsen am Kapitalmarkt für deutsche Staatsanleihen aufgrund der gestiegenen Bürgschaftsrisiken für andere an, z.B. von 2% auf 2,3% für zehnjährige Bundesanleihen. Diese müssen dann im Bundeshaushalt unmittelbar aufgebracht werden. Letztendlich wäre am Ende zu erwarten, dass es eine Konvergenz geben muss, d.h. je geringer die Zahl der Gläubigerstaaten gewichtet mit ihrer Wirtschaftskraft im Verhältnis zur Zahl der Schuldnerstaaten ebenso gewichtet mit ihrer Wirtschaftskraft ausfällt, desto mehr gleichen sich die Kapitalmarktzinsen und die Zinsen der Gläubiger- und Schuldnerstaaten an. Mithin kann dieser Mechanismus gar nicht, wie einige Ökonomen à la Burda meinen, endlos ausgedehnt werden. Auch eine Verdopplung kann sich schnell als irreal erweisen, da die Verdopplung des Bürgschaftsrisikos auf die Geberländer deren Zinsen ja ebenfalls deutlich nach oben treiben wird.

Wenn Deutschland statt wie derzeit 2,44% dann deutlich über 4% zahlen muss, dann wird das sich schmerzlich im Staatshaushalt mit seinen derzeit 1,7 Billionen Euro bemerkbar machen. Der Retter würgt sich so selbst die Luft ab. Da aber alle nicht alle sich gegenseitig retten können, muss der Rettungsschirm auf ein Höchstvolumen begrenzt bleiben. Die 750 Mrd. Euro, die hierfür im Mai 2010 vorgesehen wurden, scheinen aus meiner Sicht durchaus realistisch als angemessene Oberschranke gewählt worden zu sein. Danach dürften die steigenden Zinskosten der Geberländer die sinkenden Zinskosten der Nehmerländer übersteigen. Damit wäre das Instrument des Rettungsschirms jetzt oder spätestens nach dem Fall Portugal am Ende. Eine Aufstockung dürfte sich als völlig kontraproduktiv erweisen. Also mein Rat: Finger weg davon.”

Presseberichte der letzten Tage zur EURO-Hysterie

FAZ: Euro-Kommentar Ruhe bitte! Über das Geschwätz der Euro-Gerüchteköche freuen sich nur diejenigen, die mit Nervosität Geld verdienen. Für alle anderen wäre es besser und billiger, wenn die selbsternannten Euroretter einmal ihre Eitelkeit hintanstellten – und schwiegen.

Wiwo: Euro-Schuldenkrise Warum ein Schuldenerlass nötig ist. Ohne Forderungsverzicht von Banken und privaten Gläubigern ist die Euro-Krise nicht zu lösen. Doch Regierungen und Notenbankern fehlt der Mut, die Banken zur Kasse zu bitten. Stattdessen greifen sie den Steuerzahlern immer tiefer in die Taschen – und verwandeln die Euro-Zone in eine Transferunion.

HB: Ruf nach Euro-Bonds: Der Druck auf Deutschland wächst: In der EU wird der Ruf nach Euro-Bonds immer lauter. Um die Schuldenkrise zu bewältigen, verlangt nach Luxemburg und Italien nun auch Portugal europäische Staatsanleihen aufzulegen. Die Bundesregierung ist gegen diese Forderung und bastelt an einer Verteidigungslinie. Doch mehrere EU-Regierungschefs setzen Kanzlerin Merkel unter Druck.

FAZ: Euro-Krise: Streit um größeren Rettungschirm: Eurogruppen-Chef Juncker fordert kurz vor dem Treffen der Euro-Finanzminister eine gemeinsame Euro-Staatsanleihe. Er will „die Unumkehrbarkeit des Euro manifestieren.“ Doch Deutschland wehrt sich – Kanzlerin Merkel lehnt die Pläne strikt ab.

Guardian: Merkel leaves questions hanging over Germany’s attitude to euro crisis: Jean-Claude Trichet, ECB president, said not to underestimate the eurozone’s determination to stop the rot. But will Berlin help bail out Spain if need be?
FTD: Schuldenkrise – EZB macht ihre Kasse für Euro-Krisenstaaten auf (6.12.10): Die Zentralbank hat ihre Aufkäufe von Anleihen klammer Euro-Länder vergangene Woche ausgeweitet. Der Betrag fällt kleiner aus als am Markt erwartet. Das Ende der Fahnenstange dürfte damit nicht erreicht sein. Die Politik streitet über die Einführung von Eurobonds.
Welt: Finanzministertreffen Bund verteidigt harte Haltung in der Eurokrise (6.12.10): Deutschland bleibt in der EU-Schuldenkrise hart: Die Regierung lehnt eine Aufstockung des Euro-Schirms und europäische Anleihen strikt ab.
WF: Ist der Euro am Ende? – Banken und Staaten als Totengräber v. Norbert Berthold (6.12.10):
FAZ: Zur Zukunft des Euro – Auf schlüpfrigem Pfad (5.12.10): Europa bezahlt Milliarden für den Rettungsschirm – und die Solidarität hat ihren Preis: Der Kern der europäischen Idee wurde zerstört. Jetzt haben Politiker das Sagen, nicht mehr Institutionen. Was ist, wenn der Euro scheitert?

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