Abmahnwelle gegen Finanzblogger erfolglos ausgelaufen

by mnockerl on 13. Februar 2011

Im September vergangenen Jahres hatte der Blick Log über die Abmahnwelle gegen den Betreiber des Finanzblog Investors Inside geschrieben. Im Kern ging es dabei um Abmahnungen gegen den Betreiber Lars Röhrig, der in einigen Beiträgen auf Investors Inside und Börsen Communitys wie Sharewise und Wallstreet-Online Behauptungen über die SHB AG bzw. FIMH AG aufgestellt haben soll, die die Gesellschaften bzw. deren Geschäfte in ein schlechtes Licht gerückt hätten. Röhrig bestreitet dies und bezieht sich bei seinen Beiträgen auf öffentlich zugängliche Informationen. Er hatte damals den Eindruck, dass die Bloggerszene mundtot gemacht werden soll, weil er kritisch über Produkte und Geschäftspraktiken berichtet habe.

Ich habe Lars Röhrig gefragt, was denn aus den Abmahnungen und Klagen geworden ist. Im letzten Jahr, so seine Antwort, habe er insgesamt acht Abmahnungen von der SHB der IVAG Herrn Florian Schuh und Herrn Joachim Hiller bekommen, die er alle für sich entscheiden konnte, bzw. die bereits im Vorfeld wegen mangelnder Aussicht auf Erfolg eingestellt wurden. Ausstehend sei nun noch eine einstweilige Verfügung der FIHM AG gegen ihn, in der man ihm unterstelle, dass er die Gesellschaft öffentlich als Kapitalanlageverbrecher bezeichnet hätte. Röhrig bestreitet dies energisch. Spätestens im März soll darüber vor Gericht verhandelt werden.

Seine Kontrahenten hätten außerdem immer wieder die Gerichtstermine unter dem Vorwand verschoben, sich außergerichtlich einigen zu wollen. Zu solchen Einigungen sei es aber bisher nicht gekommen. Von Röhrig werde verlangt, bestimmte Artikel vom Netz zu nehmen bzw. über bestimmte Themen nicht mehr zu schreiben. Nach Eindruck von Röhrig wollte man ihn und andere Blogger erst einmal ruhig stellen und einschüchtern. Nachweise dafür gibt es freilich nicht.

Röhrig hat dennoch echt Nerven bewiesen und neue Artikel nachgeschoben. So berichtete er im November über Probleme der FIHM AG/SHB AG mit einem Immobilienfonds in Göttingen und bezieht sich dabei u.a. auf einen Bericht im Göttinger Tageblatt.

Glücklicherweise hat Lars Röhrig bisher gut die juristischen Einschüchterungsversuche abwehren können. Dennoch, nicht jeder Blogger hat die Zeit und Lust, dies durchzustehen. Es sieht aber derzeit so aus, als haben sich die Gesellschaften und deren Anwälte mit ihrer Strategie verrechnet. Das ist gut so, denn gerade über den Grauen Kapitalmarkt werden oft hochriskante Produkte angeboten, mit denen man viel Geld verlieren kann. Und offenbar ist nicht nur die Anlage in solche Produkte hochriskant, sondern auch darüber zu schreiben.

Dennoch, längst nicht alle Produkte dieses einer geringeren Finanzaufsicht unterliegenden Marktes sind schlecht. Aber Privatanleger sind gut beraten, wenn sie neben den Informationen der Vertriebsleute sich auch unabhängig informieren können. Und daher sollte man die Arbeit von Bloggern, wie Lars Röhrig, positiv herausstellen, vor allem weil er für seine Berichte weder ein Honorar noch sonst etwas erhält, außer den Klicks von interessierten Besuchern.

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