Ein Querblick in deutsche Wirtschaftsblogs

by Dirk Elsner on 2. Juni 2011

Gestern haben Bastian Brinkmann in der Süddeutschen Zeitung und Olaf Storbeck im Handelsblog einige Wirtschaftsblogs vorgestellt, was die Bloggemeinde natürlich gefreut hat. Erwähnenswert sind natürlich viele weitere Blogs. Ich habe mal die Mittagszeit des Himmelfahrttages genutzt und ein wenig in weiteren Blogs gestöbert.

Immer wieder lesenswert sind etwa die Texte von Markus Gärtner, dem in Vancouver lebenden Journalisten, der in Gaertner’s Blog nicht nur professionelle Texte liefert, sondern diese mit anschaulichen Grafiken unterlegt. Heute schreibt Markus über die Preisrückschläge an den Immobilien-Märkten großer amerikanischer Städte unter dem Titel “Für diesen Double Dip braucht man ein Fernrohr”. Markus hat stets auch Asien im Auge und beobachtet etwa die “Chinesische Immobilien-Achterbahn” und erklärt uns, dass wegen der höheren Reservevorschriften für die Staatsbanken und der Beschränkung von Hauskäufen massiv Kapital aus dem Reich der Mitte ins Ausland abfließt. Es sucht sich Immobilien in Hong Kong, Sydney, London und Vancouver.

Lohnenswert ist ein Blick in den Wirtschaftswurm von Arne Köster, der gestern etwa gefragt hat ob der Spritpreis reguliert werden muss? Und auch andere aktuelle Fragen beschäftigen den Volkswirt. So hält er einen Schuldenschnitt für Griechenland für notwendig, aber nicht ausreichend.

Unbedingt zur Topgarde der Ökonomieblogs gehört Querschuesse. Steffen Bogs begeistert regelmäßig mit klugen Analysen volkswirtschaftlicher Daten. Vorgestern erfuhr man so, dass in den USA die Zahl der Food Stamps Bezieher im März bereits den 29. Monat in Folge gestiegen ist. Ein Aufschwung sieht anders aus.

Der Berliner Pixelökonom, Johannes Eber, sucht ökonomische Antworten auf kleine und große Lebensfragen. So stellt er etwa fest, dass das Internet nicht einsam macht oder macht sich Gedanken zum Euro und seiner Zukunft als Gemeinschaftswährung.

Herausragende Einsichten bietet außerdem Acemaxx-Analytics an. Der leider auch anonym postende und im Bankwesen arbeitende Autor gräbt immer wieder gute englischsprachige Texte aus und fasst sie ausgezeichnet zusammen. In Der geldpolitische Fehler von 1937 schaut er auf eine Forschungsarbeit („Commodity Prices and the Mistake of 1937“) über die “monetären und fiskalischen Fehler von 1937”. In “Niall Ferguson, Fiscal Austerity und die Schweiz” fasst er einen Streit zwischen zwei populären Ökonomen zusammen.

Überhaupt nicht verloren macht ein Besuch der “Verlorenen Generation”. Der als Ketzerisch schreibende Autor, der anonym postet (oder?) und aus dem Finanzwesen kommt, glänzt nicht nur mit seiner regelmäßigen Übersicht über die Kreditausfallrisiken der Länder. Aktuell befasst er sich kritisch mit der EURO-Politik in “Wie die EU die Saat für die nächste Finanzkrise legen will”.

Jetzt noch ein Blick auf einige Spezialblogs, die sich mit Themen befassen, die auch hier häufiger Gegenstand sind. Dazu gehören Themen aus dem New Banking. Hier lese ich neben dem in der Süddeutschen bereits vorgestellten Social Banking vor allem Finance 2.0 von Boris Janek. Boris konzentriert sich auf die neuen Banking- und Finanzthemen, wie in dem Beitrag “Googeln = Bezahlen”.

Gern schaue ich auch in den Bank–Blog vom ehemaligen Banker Hansjörg Leichsenring. Auch er kritisiert die Finanzbranche und mahnt der fehlende Innovationsfreude an. Ich vermisse aber hier die blogtypische Verlinkung auf Quellen und die übliche Blogroll.

Zum Abschluss die Empfehlung für den sehr anspruchsvollen Blog von Peter Ador, der sich mit Komplexitätsmanagement in Unternehmen und Projekten deutlich anspruchsvoller auseinander setzt, als ich dies je könnte. So erfährt man hier, dass Komplexität nichts mit Unordnung und Turbulenz zu tun hat und dass Peter nicht nicht an tiefschwarze Schwäne glaubt.

Damit soll es für heute reichen. Ich bekommen jetzt zwar jetzt Ärger mit den vielen weiteren guten und hier nicht erwähnten Bloggern sowie natürlich den Aktien- und Börsenbloggern (aber Danken an die preisgekrönten Börsenblogger für die regelmäßige Schau in die Blogs), aber ich will jetzt am heutigen Himmelfahrtstag die Sonne genießen. Mehr Blogs gibt es in meiner thematisch sortierten “Mindmap deutschsprachiger Wirtschaftsblogs”.

lostgen Juni 3, 2011 um 23:16

Danke für die Empfehlungen.

Ich blogge nur so halb anonym. Einige kennen meine Identität, aber ich stelle sie nicht direkt online. Das kam so aus meiner Vergangenheit heraus, dass ich als damaliger Banker sonst mit Nachteilen durch meinen Arbeitgeber rechnen musste. Mein jetziger Arbeitgeber, die Stromhandelstochter eines Energieversorgers, wäre da sicher lockerer, aber wer weiß wie mein Nächster darüber denkt.

Lothar Lochmaier Juni 3, 2011 um 09:28

Hallo Herr Elsner,

sehr informative Ergänzung, es scheint so, dass der Eiserne Vorhang allmählich fällt. Der Dialog kommt in Gang, und das wird auch weitere “Triebtäter” dazu motivieren, ihre kreative und individuelle Sichtweise jenseits des Herdentriebs in Wirtschaft und Finanzen einem dafür längst aufgeschlossenen Publikum zu präsentieren, die eine oder andere Feed Back Schleife eingeschlossen. Allerdings provoziert nicht jedes komplexe Thema dazu, gleich 100 Leserkommentare in die Tasten zu hacken…

In diesem Sinne beste Grüsse

dels Juni 3, 2011 um 12:05

In der Tat und das ist ausgesprochen erfreulich.

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