Finnegans Wake an den Finanzmärkten

by Dirk Elsner on 9. August 2011

Wow, war das gestern ein Tag an den Finanzmärkten. Leider konnte ich die Entwicklungen nur mit einem Auge am Rande und gelegentlichen Tweets verfolgen. Dabei wäre das ein Tag für zig Geschichten gewesen und sicher noch mehr, auf die man hätte verlinken können.

Viel Zeit hatte ich gestern Abend nicht mehr für diesen Beitrag zum Sommercrash der Börsen. Das war schon ein bitterer Tag, der mir ein Stück Optimismus geraubt hat. Ich habe den Abend mit Freunden in einem irischen Pub in Hamburg verbracht, was im Angesicht der Schlagzeilen (siehe unten) sicher die bessere Wahl war, denn

  1. haben die Iren schon Erfahrung im Umgang mit Krisen und
  2. war der Name des Pubs „Finnegans Wake“ ja Programm, denn der gleichnamige als unübersetzbar geltende Roman von James Joyce ist beinahe so schwer verständlich, wie das Verhalten der Marktteilnehmer auf den Finanzmärkten.

Und wenn man sich die Beschreibung auf Wikipedia dazu anschaut (nein, ich habe das Buch nicht gelesen), dann wird man noch viel mehr Parallelen zu den Finanzmärkten entdecken:

“Tim Finnegans Aufstieg (auf die Leiter) und Fall sowie seine Wiederauferstehung sind gleichzeitig eine Metapher für Aufstieg und Fall der Menschheit. Finnegans Wake handelt so von den Höhen und Tiefen des menschlichen Lebens, dargestellt am Dubliner Kneipenwirt Humphrey Chimpden Earwicker (HCE), seiner Frau Anna Livia Plurabelle (ALP), seinen Söhnen Shem und Shaun und seiner Tochter Isabel/Isolde.”

Vielleicht hätte Joyce heute über den Aufstieg und den Fall der Finanzmärkte geschrieben. In jedem Fall erleben wir derzeit historische Stunden an den Märkten, die täglich ein neues spannendes Kapital schreiben. Und obwohl wir zu ahnen glauben, wie es weitergeht, überraschen uns die Kapitel mit immer wieder neuen Wendungen.

Mir bleibt nun nur noch diesen Tag anhand des Charts und leider zu wenig ausgewählter Berichte aus Blogs und Medien zu dokumentieren.

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Das war der 8.8.2011

 

FAZ: StaatsanleihenInterventionen führen zu starken Kursgewinnen: Die Kurse italienischer und spanischer Staatsanleihen steigen am Montag deutlich und die Renditen fallen, nachdem die Europäische Zentralbank nach ihrer Ankündigung in der Nacht vom Sonntag auf Montag als Käuferin im Markt aktiv ist

FTD: Schuldenkrise in Euroland und den USA: Euro-Doppelbeschluss birgt Diskussionsstoff für Monate: Der Streit, ob das Volumen des Euro-Rettungsschirms ausreicht oder nicht, könnte so lange weitergehen, bis dem EFSF tatsächlich das Geld ausgeht. Denn er fußt auf einem typisch europäischen Beschluss – unklar formuliert und in viele Richtungen interpretierbar.

HB: Börse Frankfurt – Anleger fliehen aus deutschen Aktien: Ausverkauf am deutschen Aktienmarkt: Der Dax hat einen Schwarzen Montag erlebt und ist um rund fünf Prozent auf den tiefsten Stand seit über einem Jahr abgestürzt. Und ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht.

Accemax-Analytics: Blutbad an den Aktienmäkten: Was steckt dahinter?

Nigecus: Sommercrash

Wirtschaftswurm: Die EZB lernt nicht aus ihren Fehlern

SZ: Angst nach US-Herabstufung — Schuldenkrise bedroht Kurse und Konjunktur: Wie gefährlich sind die Herabstufung der US-Staatsanleihen und die Schuldenkrise? Nun werden Warnungen vor Folgen für das Wirtschaftswachstum auch in Deutschland laut – Politiker und Notenbanker verhandeln, um einen Kurssturz an den Weltbörsen an diesem Montag zu vermeiden.

FTD: Drama an den Weltmärkten: Trotz Einigung im US-Schuldenstreit hat die Ratingagentur S&P die Vereinigten Staaten herabgestuft. Investoren flüchten schon seit Tagen aus Aktien in Gold und Bundesanleihen. Eine Analyse.

FAZ: Europäische ZentralbankIm Dienst der Politik: Es sah so aus, als wolle die Europäische Zentralbank (EZB) eigene Fehler reparieren. Sie stoppte das Ankaufprogramm für Staatsanleihen. Präsident Trichet ist dennoch eingeknickt und hat die Unabhängigkeit der EZB aufgegeben. Und nun?

HB: SchuldenkriseGriechische Börsenaufsicht stoppt Spekulanten: Mit Leerverkäufen wetten Investoren auf fallende Kurse und profitieren so vom Abwärtstrend einer Aktie. Jetzt hat die griechische Börsenaufsicht diese Spekulationsart verboten. Zumindest vorübergehend.

FAZ: StrategieDroht ein prozyklischer Abschwung? Aktien von Schwellenländer- oder Rohstoffunternehmen und direkte Rohstoffinvestments galten noch vor kurzem als Hit. Inzwischen sitzen entsprechend positionierte Anleger auf Verluste, denn der künstliche Wirtschaftsboom verliert an Fahrt.

HB: US-Börsen – Die Wall Street stürzt ins Bodenlose: Erst zeigten sich die Anleger ziemlich besonnen, doch dann kam auch an der Wall Street Panik auf. Der Verlust der Bestnote für die US-Bonität ließ den Dow dramatisch absacken. Auch ein Markteingriff der EZB verpuffte.

HB: Moody’s Nächster Rating-Riese droht den USA: S&P hatte den USA die Bonitäts-Bestnote entzogen und damit die Turbulenzen an den Finanzmärkten weltweit verstärkt. Jetzt könnte alles noch viel schlimmer kommen. Auch Moody’s denkt über eine Herabstufung nach.

FAZ: David Beers von Standard & Poor’sDer Herabstufer: Bisher war David Beers in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Dabei ist der Ökonom seit langem an jenen Entscheidungen beteiligt, die die Finanzwelt in Atem halten. Bei der Ratingagentur Standard & Poor’s verantwortet er die Bewertung der Vereinigten Staaten.

Ich weiß, dass es noch viel, viel mehr Beiträge gäbe, die zu dokumentieren es sich lohnen würde. Aber der späte Abend war zu kurz. Hinweise auf besondere Beiträge zu diesem besonderen Börsentag nehme ich natürlich gern über das Kommentarfeld.

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