Warum erhielt der Freistaat Bayern während der Finanzkrise bis zu 2,4 Mrd. US$ „geheimer“ Liquiditätshilfe von der US-Zentralbank?

by Dirk Elsner on 26. August 2011

Das ist eine erstklassige journalistische Arbeit, die die US-Finanznachrichtenagentur Bloomberg da geleistet und die in Deutschland kaum Beachtung gefunden hat. Die US Zentralbank hatte während der Finanzkrise von 2008 bis 2010 Notkredite im Umfang von 1,2 Billionen (US Trillion) US-Dollar vergeben. Diese Information ist nicht neu. Aber Bloomberg hat nun das öffentlich verfügbare Rohmaterial von 29.000 Seiten ursprünglich „geheimer“ Dokumente mit 21.000 Krediten in eine Datenbank portiert, mit der die Daten nach verschiedenen Kriterien auch grafisch aufbereitet werden können.

Unter The Fed’s Secret Liquidity Lifelines erhält man eine Fülle von gut aufbereiteten Daten, die zum Beispiel zeigen, wie auch deutsche Institute von der US Fed Liquiditätshilfen und zwar über einen langen Zeitraum erhielten:

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Methodologische Erläuterungen von Bloomberg hier.

Fed’s $1.2 Trillion Loan Lifelines Dwarfed TARP: Glossary

Wenn ich richtig gesucht habe, dann hat in Deutschland von den großen Wirtschaftsmedien nur die Financial Times über die Hebung dieses Datenschatzes berichtet (siehe Fed stützte Banken mit 1.200 Mrd. Dollar). Die aus diesen Daten ersichtlichen Summen sind außerdem deutlich höher, als die Kreditbeträge, über die bereits im April berichtet wurde. Damals hieß es in der FTD: “Zwei Sparten der Deutschen Bank besorgten sich über das Instrument etwa zwischen dem 9. und 17. August 2007 jeweils 1 Mrd. Dollar.” Nach den neuen Daten hat die Deutsche Bank bis zu 66 Mrd. US$ erhalten, im Durchschnitt 12,5 Mrd. US$ über einen Zeitraum von 439 Tagen.

Mit zwei Ausnahmen haben ausschließlich Banken die Liquiditätshilfen erhalten. Eine Ausnahme stellt BMW dar. Nach den Fußnoten bei Bloomberg stecken dahinter die BMW Bank of N Amer aber auch die Bayerischen Motorenwerke AG (ohne den Zusatz Bank). Noch interessanter finde ich allerdings, dass auch der Freistaat Bayern Kredite erhalten haben soll: In der Spitze bis zu 2,4 Mrd. US$ über 183 Tage und im Durschnitt 400 Mio. US$. Ich habe keine Idee, warum sich Bayern Geld von der FED geliehen haben könnte. Steckten dahinter zusätzliche Hilfen für die Bayerische Landesbank? Das ist reine Spekulation, denn die BayernLB hat selbst bis zu 10 Mrd. US$ über einen Zeitraum von 701 Tagen, im Schnitt 3,2 Mrd. US$ erhalten. Also, wenn jemand einen Hinweis darüber hat, warum und wofür Bayern das Geld damals erhalten hat. Mich würde es interessieren.

Die Daten unterstreichen übrigens, dass selbst Institute wie Goldman Sachs, Morgan Stanley über diesen Weg massive staatliche Unterstützung erhalten haben. Ich spreche hier deswegen von staatliche Unterstützung, weil es sich hier nach Angaben um Bloomberg um Notkredite (emergency loans) gehandelt hat und nicht um die normal übliche Geldmarktleihgeschäfte. In jedem Fall wird damit der Mythos gerade von Goldman Sachs und der Deutschen Bank gestört, die damals ja gern betonten, sie seien ohne staatliche Stützung durch die Krise gesegelt.

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