Blick Log Shortcuts v. 10.9.11

by Dirk Elsner on 10. September 2011

Hier wieder die Zusammenfassung aus meinem G+-Stream

Wann kommt der echter Haircut für Griechenland?

So, die griechische Wirtschaft schrumpft also noch stärker als erwartet.

Ich glaube weiterhin Griechenland will es auf einen echten Haircut herauslaufen lassen. In den USA wird darüber bereits wild spekuliert:

Here’s Why Everyone’s Thinking That Greece Might Default This Weekend

Und seit heute Nachmittag auch in Deutschland: Schäuble wappnet sich für Griechenland-Pleite

Ob es glaubwürdig ist, dass in Deutschland sogar bereits ein Bailout deutscher Banken in Vorbereitung ist, wie der Business Insider schreibt, weiß ich nicht. Ausschließen kann man das nicht.

Die weniger schrillen Wirtschaftsmedien (WSJ, NYT, FT) machen mit dem Bailout jedenfalls nicht auf.

Schuldenkrise: Griechische Wirtschaft schrumpft stärker als erwartet

Ein Investor ist jedenfalls bullish für den Euro, aber erst wenn Griechenland ausfällt: Jim Rogers: Buy All The Euros You Can If Greece Defaults

Goldman Sachs unter Beschuss seiner Anleger

Und Goldman Sachs steht nun verstärkt unter Beschuss seiner Anleger. Der Anwalt John Harnes verlangt im Namen mehrerer Investoren die Rückzahlung eines Teils der hohen Gehälter. Im Handelsblatt (print) ist dazu zu lesen:
"Nicht nur Blankfein, sondern auch die anderen gut 30 000 Angestellten hätten extrem hohe Gehälter bezogen. „Goldman Sachs wird zum Vorteil seiner Angestellten geführt und nicht im Sinne der Anteilseigner“, sagte Harnes dem Gericht, das über die mögliche Rückzahlung der Gehälter entscheidet."
Goldman Sachs’s Pay Plan Hurts Shareholders, Lawyer Contends – Businessweek: Goldman Sachs Group Inc.’s compensation plan, which almost doubled top executive Lloyd Blankfein’s pay last year, unfairly rewards the investment bank’s employees at shareholders’ expense, a lawyer fo…

Und auch im Inland: Sorry, Herr Dibelius, das nehme ich Goldman Sachs nicht ab: Goldman Sachs bestreitet Aufruf zu Euro-Spekulation: Der Deutschland-Chef der Großbank Goldman Sachs beteuert, dem Euro die Treue zu halten – und nicht gegen ihn gewettet zu haben.

Keine Sonnenfinsternis von Utz Claassen

Im Frühjahr 2010 kritisierte ich Utz Claassen in "Die Sonnenfinsternis des Utz Claassen bei Solar Millennium" für seinen eiligen Ausstieg aus dem Unternehmen. Der Beitrag war zwar kein Angriff gegen Claassen, dennoch war ich damals irritiert, wie man nach so wenigen Tagen im Amt und dem Kassieren eine hohen Antrittsprämien so schnell wieder das Weite suchen kann. Mittlerweile hat der Solar-Millennium-Aufsichtsratschef Helmut Pflaumer Größe gezeigt und sich bei Claassen entschuldigt, der unter Vorspiegelung falscher Businesspläne zu dem Unternehmen gelockt war. http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/koepfe/claassen-bekommt-seine-entschuldigung/4592880.html

Claassen teilt im Interview mit dem Handelsblatt einige Details von damals mit
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/koepfe/mir-geht-es-um-wahrheit-und-rechtmaessigkeit/4592680.html

War die Finanzkrise eigentlich wirklich Marktversagen?

Ich überlege noch, ob ich nun endlich "Im freien Fall" von Joseph Stiglitz lesen soll. Allein der Untertitel wirft Fragen bei mir auf: “Vom Versagen der Märkte zur Neuordnung der Weltwirtschaft”

Warum sprechen wir eigentlich vom Marktversagen, wenn die Vermögenspreise fallen. War der Zusammenbruch von Lehman Marktversagen oder hat nicht der Markt damit das unverantwortliche Verhalten Lehman bestraft? Sprach eigentlich jemand von Marktversagen, als die Aktien- und Rohstoffpreise bis Juli so stark angestiegen waren? Ich kann mich daran nicht erinnern.
Ich weiß nicht, ob Stiglitz die Fragen beantwortet. Aber für einen Wissenschaftler ist der Titel ganz schön voreingenommen. Außerdem ist das Buch eine Bleiwüste.

Unterhaltsames Gedankenexperiment im Handelsblatt zu 9/11

Eine Reise durch eine Welt ohne Terror: Was wäre, wenn … – International – Politik – Handelsblatt

Warum immer die gleichen Bratzen in Talkshows auftauchen

Wie putzig, angeblich soll es für deutsche Talkshows nicht so viele Gäste geben, die sich als talkfähig erwiesen haben, also auf die erwünschte Weise zuverlässig vorführen lassen. Konsequenz, es treten immer die gleichen Bratzen dort auf und langweilen die Zuschauer. Dabei gäbe es zu allen Themen genügend Alternativen, die TV-Sender müssen sich einfach nur mal trauen.

Warum immer die Gästeliste zu langweilig ist, erklärt die Zeit mit der Kurzweil der Gäste

"Talkgäste, kurzum, sind Leute, die einen – wieder vorsichtig gesagt – Spleen haben, zum einen, und die zum anderen diesen Spleen jederzeit zuverlässig reproduzieren können. Es entstünde ein großes Problem für die verschwiegene, aber zwingende Dramaturgie der Sendungen, wenn ein Gast nicht lieferte, was er liefern soll: Baring nicht rot anlaufen, Stoiber nicht stottern würde." ARD-Talkshows: Der Markt ist hart: Ob nun Jauch, Plasberg, Maischberger, Beckmann oder Will, sie alle haben dasselbe Problem: Ihre Talkshows in der ARD rangeln um immer dieselben Gäste. Von Jens Jessen

Ex-Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds kritisiert die Banken

Markus Gärtner schreibt in seinem Blog über ein Arbeitspapier, dass der ehemalige Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds Michael Mussa auf der Webseite des privaten Research-Instituts präsentiert und er vor wenigen Tagen bei einer internationalen Konferenz vortrug.

Michael Mussa knöpft sich die Banker vor:

Er war Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds. Jetzt ist er Senior Fellow am privaten Peterson Institute for International Economics in Washington. Michael Mussa präsentiert auf der Webseite ..

Das Arbeitspapier gibt es hier
http://www.iie.com/publications/papers/mussa20110909.pdf

Starker Nachfolger gesucht

Die FAZ sucht die geldpolitischen Falken in der EZB und macht sich Sorgen bei der Besetzung:
"Welchen Nachfolger wählt Kanzlerin Angela Merkel (CDU) aus? Wird sie wie bei allen bisherigen "Rettungsversuchen" zum Schluss doch wieder dem Süden folgen? Oder sorgt sie neben dem stabilitätsorientierten Bundesbankpräsidenten Jens Weidmann für einen zweiten geldpolitischen Falken im Rat der Zentralbank? Sollte… EZB-Chefvolkswirt Stark tritt zurück: Die traurige Entwicklung der Geldpolitik – Europas Schuldenkrise – Wirtschaft – FAZ.NET

Cangrande September 11, 2011 um 18:13 Uhr

Ich selbst habe von Stiglitz das Buch „Die Schatten der Globalisierung“ („Globalization and its Discontents“) gelesen (und rezensiert: http://www.beltwild.de/drusenreich_drei.htm#Iceberg_lecture), das hat mir gereicht.

Für mich ist der Mann jemand, der sämtliche ökonomischen Probleme mit Geld (weltweit: mit irgendwelchen Super-Sonderziehungrechten) lösen will. Geld wächst ja auf Bäumen … .

Comments on this entry are closed.

Previous post:

Next post: