Blick Log Shortcuts v. 14.9.11

by Dirk Elsner on 14. September 2011

Hier wieder ein Auszug aus dem Google Plus-Stream von heute, der vorwiegend nicht öffentlich geposteten Beiträge:

Finanzmärkte im Echttraum aus BRIC

Wenn ich so die Meldungen heute lesen, dann liest sich die Lösung der Schuldenkrise wie folgt:
1. Griechenland erklärt die Zahlungsunfähigkeit und vereinbart in den nächsten Wochen einen "echten" Schuldenschnitt mit den Gläubigern.
2. Von der EU gibt es einen Massekredit für Griechenland
3. China und die anderen BRIC-Staaten kaufen Anleihen der anderen gefährdeten Staaten und vermeiden Ansteckungseffekte

Heute lebten die Finanzmärkte jedenfalls einen Echttraum.

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HB: Börse Frankfurt: Dax macht mehr als 170 Punkte wett
Die Hoffnung auf eine Lösung der Schuldenkrise hat den Dax am Mittwoch kräftig beflügelt. Das Börsenbarometer beendete den Handelstag mehr als drei Prozent fester. Einige Händler warnen aber vor überz… „Demnach scheinen die BRIC-Staaten nicht ganz abgeneigt zu sein, ihre Gelder in europäische Assets zu stecken“,

Ist das die Dialektik der Geschichte? Der kapitalistische Westen hofft nun auf das kommunistische China für den Kauf von EURO-Staaten-Anleihen und China möchte dafür den Status als Marktwirtschaft anerkannt haben.

Die FTD erklärt, warum China den Euro-Ländern helfen will
http://www.ftd.de/politik/international/:schuldenkrise-warum-china-den-euro-laendern-helfen-will/60104039.html

Ich verstehe noch gar nicht, wie das in der Praxis funktionieren soll, denn die BRIC-Staaten investieren ja nicht nur neues Kapital, sondern ziehen vermutlich auch irgendwo Kapital ab.

Thomas Strobel in FAZ.Blogs: Wer hält den Kapitalismus noch am Leben? Der Staat und die Chinesen! Für die Fans der Marktwirtschaft muss es ein Schlag ins Gesicht sein: Was die kapitalistische Welt in ihrem Innersten zusammenhält, hat mit Adam Smith, Arbeitsteilung und effizienten Märkten nur noch am Rande zu tun; vielmehr sind es zwei Akteure, denen der Kapitalismus (noch) seinen Fortbestand verdankt: der Staat und die Chinesen…

Na Hauptsache das liest keiner, sonst gibt es noch Ärger mit der Kanzlerin oder der deutschen Presse.
http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anleihen/nur-noch-raus-aus-griechen-anleihen/4608102.html

Passend die FTD: Am Aktienmarkt brodelt die Gerüchteküche
http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/marktberichte/:schuldenkrise-am-aktienmarkt-brodelt-die-geruechtekuechte/60104040.html
Eurobonds, Griechen-Rettung und Spekulationen um einen Einstieg von Warren Buffett bei der Deutschen Bank: An den Aktienmärkten treiben wilde Gerüchte die Kurse. Die wichtigsten europäischen Indizes notieren im Plus.

FTD: Italien und die Euro-Krise – Hysterie statt Spekulation regiert die Börsen: Gerüchte über ein angebliches chinesisches Interesse an italienischen Anleihen treiben die Wall Street hoch, Politiker spekulieren wild über eine Griechen-Pleite und Banken nehmen selbst zu Latrinenpa…

Rettungsschirm reicht für Griechenland nur bei historischem Haushaltsüberschuss

Das, was heute die Süddeutsche über eine bisher leider unveröffentlichte Studie schreibt, ist für mich ein ganz zentrales Argument für einen "geordneten" Schuldenschnitt für Griechenland:

"Nach einer wissenschaftlichen Analyse des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel zufolge reicht der erweiterte Rettungsschirm nicht aus, um eine drohende Staatspleite zu verhindern.
Dem Papier zufolge, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt, müsste das Land in den nächsten Jahren Überschüsse auf "historisch und im Ländervergleich bislang unerreichtem Niveau" erwirtschaften. Die Haushaltsprobleme ohne "nennenswerte Umschuldung" in den Griff zu bekommen, sei kaum möglich, heißt es weiter."

Dies bestätigt meine Auffassung, dass Griechenland selbst unter den Vorzugs-Bedingungen des EFSF in absehbarer Zeit nicht die Schulden tilgen kann bzw. den Kapitaldienst nur unter extrem positiven Annahmen vollständig zahlen kann. In der Konsequenz bedeutet dies, dass irgendwann der Rettungsschirm auf Teile der Forderungen verzichten wird. Damit stellt ich wieder die Frage, warum soll man dann nicht jetzt auf einen Teil der Forderungen verzichten?

SZ: Schuldenkrise in Europa – Top-Ökonomen befürchten baldige Griechenland-Pleite: Warnung aus der Wissenschaft: Nach SZ-Informationen halten führende deutsche Ökonomen einen Staatsbankrott Griechenlands für immer wahrscheinlicher. Der Rettungsschirm reiche einfach nicht aus. Die Wi..

Und weitere Beiträge heute zu Griechenland

SZ: Griechenland vor der Insolvenz Wenn Athen wirklich pleitegeht: Die Gefahr ist so groß wie noch nie: Athen bangt um die nächsten Hilfsmilliarden, eine Pleite Griechenlands wird immer wahrscheinlicher. Doch welche Folgen hätte es, wenn das Land zahlungsunfähig ist? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Greece Should ‚Default Big,‘ Says Argentine Central Banker | Credit Writedowns

Is Greece the catalyst for another panic? | Credit Writedowns

The short answer is not necessarily. The long answer is that policy makers have a lot of ways to continue the ball rolling.

Irgendwie wird in den USA von der derzeitigen Situation in Europa ein merkwürdiges Bild vermittelt. Entweder verdrängen wir das oder dort gibt eine verzerrte Wahrnehmung.
Beispiel 1: Business Insider
TODAY’S EUROPEAN CHAOS: Bank Downgrades, Talk Of Eurobonds, Market Turbulence
http://www.businessinsider.com/moodys-downgrades-french-banks-barroso-eurobonds-2011-9
Beispiel 2: Zero Hedge
Jefferies Describes The Endgame: Europe Is Finished
"The most scathing report describing in exquisite detail the coming financial apocalypse in Europe comes not from some fringe blogger or soundbite striving politician, but from perpetual bulge bracket wannabe, Jefferies and specifically its chief market strategist David Zervos."
http://www.zerohedge.com/news/jefferies-describes-endgame-europe-finished

Bloomberg: Euro Bonds Are Wrong Fix in Half-Way Union: Riccardo Barbieri: A number of European politicians and economists are hailing the euro-bond proposal as the only viable solution to the region’s sovereign-debt dilemma.

Falsche Refinanzierung destabilisiert europäische Banken

FTD: Refinanzierung – US-Geldmarktfonds trocknen europäische Banken aus: Die Refinanzierung der Geldhäuser steht angesichts der Schuldenkrise auf wackligen Beinen. Die Institute wollen aber von Problemen nichts wissen. US-Geldmarktfonds ziehen sich dennoch aus dem Geschäft…

Hängen Flaggen eigentlich auch an Vollpfosten oder wer vertritt uns eigentlich bei der EU?
Gibt es doch nicht, hatte das für einen Scherz auf Pocher-Niveau gehalten. Scheint ja tatsächlich ein Vorschlag von Oettinger gewesen zu sein.

HB: EU-Kommissar Oettinger: Fähnlein im Wind : "Ein „Bild“-Interview zur Euro-Krise bringt EU-Kommissar Günther Oettinger in immer größere Schwierigkeiten. „Es gibt ja auch den Vorschlag, die Flaggen von Schuldensündern vor den EU-Gebäuden auf Halbmast zu setzen. Das wäre zwar nur ein Symbol, hätte aber einen hohen Abschreckungseffekt“, sagte Oettinger der „Bild“-Zeitung mit Blick auf die Euro-Schuldenkrise. Als „Flaggen-Pranger“ wird die Idee seitdem im Parlament verrissen – als höchst unsolidarisch und uneuropäisch."

Spiegel Online als Primärquelle für Ökonomen?

Kantoos ist absolut korret mit seiner Feststellung zu Spiegel Online

"However, it often borders on alarmist and in my view is closer to a tabloid than a serious source of information and analysis. It often skillfully collects bits of information and citations of politicians that fit the dramatic plot they would like to present, and make it appear as a sensible description of what is really going on. And they are very good at this, they are the drama queen of German journalism."

Olaf Storbeck hat diesen Beitrag ursprünglich gepostet:

This piece by Kantoos is a must read for any foreigner interested in Germany.
In my opinion, Kantoos gets it 100% right.
some excerpts:
"There seems to be a trend in the international blogosphere lately: citing „Der Spiegel“ as a trustworthy source of what „Germans“ think about the Euro, about what we should do in Europe or what is planned etc. This is wrong.
„Der Spiegel“ (…) often borders on alarmist and in my view is closer to a tabloid than a serious source of information and analysis."

Stop citing „Der Spiegel“!

There seems to be a trend in the international blogosphere lately: citing "Der Spiegel" as a trustworthy source of what "Germans" think about the Euro, about what we should do in Europe or what is ……

Zum Lehman-Showdown

Aha, doch ein Rückblick. Dachte schon die Medien hätten verdrängt, dass heute vor drei Jahren der Kampf um Lehman aufgegeben wurde und die Bank einen Tag später Insolvenz anmeldete. Immerhin denkt Spon daran.

Und Stefan Kaiser kommt nicht mit den üblichen Platitüden, sondern schaut etwas tiefer. Darin ein bemerkenswerter Absatz, der uns alle betrifft, weil wir die Märkte sind:
"Märkte haben keine Moral. Woher auch? Sie bestehen aus einer Masse von Individuen, die alle nach dem für sie größten Gewinn streben. Deshalb darf auch niemand von ihnen erwarten, dass sie moralisch handeln und zum Beispiel freiwillig Griechenland vor der Pleite retten. Es ist vielmehr an der Politik, den Rahmen für die Marktteilnehmer so zu setzen, dass in der Summe kein Schaden für die Allgemeinheit entsteht."

Spon: Lehren aus der Lehman-Pleite: Wie die Finanzwelt die Politik erpresst: Die Politik wähnte sich mächtig, als sie vor drei Jahren die US-Investmentbank Lehman Brothers pleitegehen ließ. Ein fataler Irrtum. Die Finanzkrise hat gezeigt, wie sehr das Wohl der Staaten an ihren…

Viele haben wohl vergessen, auf Herrn Horn zu hören
FTD: Finanzkrise – Wer Lehman vergisst, riskiert alles: Der Untergang der US-Bank Lehman Brothers hat die Mängel der globalen Finanzmärkte schmerzhaft entlarvt. Doch Politik und Wirtschaft verdrängen die Lehren daraus.

Duckdalbenindikator steigt dramatisch und diagnostiziert Rezession

Den Prognosen der Wirtschaftsinstitute (siehe unten) glaube ich schon lange nicht mehr (oder wie war das noch mit dem XXL-Aufschwung?).
Aber ein Kollege schaut täglich nach den Frachtschiffen, die an Duckdalben in der Nähe der Elbbrücken "geparkt" sind. Und hier ist die Zahl von 0 von vor wenigen Wochen auf nun 5 gestiegen. Wenn das kein schlechtes Zeichen ist.

HB: Düstere RWI-Prognose: Deutschland steuert der Rezession entgegen: Euro-Schuldenkrise und Turbulenzen an den Finanzmärkten zeigen Wirkung: Das RWI schraubt seine Konjunkturprognose für 2012 auf nur noch ein Prozent herunter. Deutschlands wirtschaftlicher Erfolg hängt…

Umsetzung von Basel III nur für "international tätige Banken"?

Mario Nefischer schreibt:
"Diese Aussage ist höchst beachtenswert. "Gestern wurde der Generalsekretär des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht, Stefan Walter, mit folgenden Worten hinsichtlich der Umsetzung von Basel III zitiert (Link):
"Die Kapitalregeln waren immer nur für international tätige Banken gedacht. Wenn ein Land sie auf alle Banken anwenden will, so kann es das tun. Jedes Land kann für sich entscheiden."

Banknews.at: Basel III – Für Regionalbanken abgehakt?

http://www.banknews.at/7/post/2011/09/basel-iii-fr-regionalbanken-abgehakt.html

Für Einschränkungen in der Anwendung von Basel III plädieren nun öffentlich lauter auch die Sparkassen in Deutschland, drohen dabei aber ausgesprochen unsachlich mit einer Kreditklemme
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/regionalbanken-fuerchten-kreditklemme/4608396.html

In den USA geht der Abstieg der Mittelschicht weiter.

Weitere 2,6 Millionen US-Amerikaner rutschten unter die Armutsgrenze. Die New York Times spricht vom verlorenen Jahrzehnt. Das mittlere Einkommen fiel auf den Stand von 1997
NYT: Percentage of Americans Living in Poverty Rises to Highest Level Since 1993: Census numbers show new signs of distress among the middle class, as median incomes fell last year to levels last seen in 1997.

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