Risikomanagement in der Steuerverwaltung?

by Constantyn on 17. Oktober 2011

Das statistische Bundesamt ist in unserer Demokratie eigentlich eine Institution, die für Sachlichkeit in der allgegenwärtigen politischen Diskussion um unterschiedlichste Themen stehen soll.  Tut sie auch.  Leider gehen manche ihrer Daten in der Hitze der Debatte unter.  Vor dem Hintergrund der Diskussion um die Banken, die laut den neuesten, statistisch nicht ganz so belegbaren Erkenntnissen die Hauptschuld auch an der jetzigen Schuldenkrise haben, sind auch die letzten Fakten etwas an den Rand des Blickfeldes gerückt. Vielleicht sollten wir uns diesen trotzdem etwas zuwenden. Laut der neuesten Einkommenssteuerstatistik wird ein Viertel des gesamten Einkommenssteueraufkommens von nur einem einzigen Prozent der Bevölkerung getragen.  Modellrechnungen von PWC im Auftrage des Handelsblattes zeigen, dass die Verdichtung an der Spitze noch gravierender ist:  knapp 10% des Steueraufkommens werden von weniger als 20.000 Menschen aufgebracht.  Auf der unteren Hälfte der Statistik tragen die Hälfte aller Steuerpflichtigen nur mit knapp 4% zur Einkommenssteuer bei.

Ich will nicht auf die These hinaus, dass diese Zahlen eine allzugroße Belastung der sogenannten „Besserverdiener“ (ein  Unwort mit bewußter Allusion zum  „Besserwisser“ )  belegen.  Es würde nur die Antithese provozieren, dass in Deutschland die Einkommenschere besonders weit auseinander klafft.  Das mag natürlich sein, obwohl die Studie der PWC zum Schluß kommt, dass deutsche Topverdiener im Vergleich zu Frankreich oder zu der Schweiz eine deutlich höhere Steuerlast tragen.

Nein, was mich beunruhigt, hat was mit einem gesamtstaatlichen Risikomanagement zu tun. In jedem Unternehmen wäre man nervös, wenn ein Viertel des Umsatzes nur von einem Prozent der Kunden getragen würde. Banken wurden und werden nicht nur öffentlich, sondern auch aufsichtsrechtlich an den Pranger gestellt, wenn sie hohe Teile ihrer Einkommen aus einigen wenigen riskanten Assets beziehen.  Es ist offensichtlich, dass eine so hohe Abhängigkeit von wenigen Kunden gefährlich sein kann, und wenn diese wenigen Kunden wegfallen, bricht ein nicht geringer Teil der Staatseinnahmen weg.  Ist das bei einem Staat denn so viel anders als in einem Unternehmen?

Auch beim Staat, so scheint mir, sollte beim Risikomanagement nachgebessert werden.  Wenn die Hälfte unserer Steuerpflichtigen nicht einmal zu 5% zur Einkommenssteuer beitragen kann, haben wir ein großes strukturelles Problem. Ein Problem, das nicht alleine dadurch wettgemacht werden kann, indem diese Last noch stärker auf das obere 1% aufgeschlagen wird. Denn solche Ungleichgewichte bergen die große Gefahr einer Abwanderung.  Kein Exodus, aber eine schleichende Abwanderung von Talent und Unternehmertum.  Und Finanzkraft.  Bei Unternehmen und Banken ist die Steuerung der Ressourcen und Finanzierungsquellen oberste Priorität im Risikomanagement.  Und auch ein Staat sollte ein großes Interesse daran haben, seine Steuereinnahmen auf eine breite und gesunde Wirtschaftsbasis stellen zu können.  Die hier dargestellten Zahlen drängen gerade zu den Eindruck eines staatlichen Steuer-Leverage auf.  Mit der Folge eines überproportionalen Einkommensrückganges im Falle einer Krise.  Ob der Erwerb von Steuer-CDs dagegen ein guter Hedge ist?

 

 

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