Finanzchefs hadern bei Krediten weiter mit den Banken, oft zu Recht

by Dirk Elsner on 4. November 2011

Vertreter von Banken wundern sich darüber, dass die Einstellungen vieler mittelständischer Unternehmen gegenüber Banken weiterhin negativ sind. Eigentlich müsse die Stimmung sich doch wieder aufhellen, hört man häufiger im Firmenkreditgeschäft, weil sich die Finanzierungsbedingungen wieder gebessert hätten.

In der Praxis kann freilich von Entspannung in der Breite weiterhin keine Rede sein. Und tatsächlich hängen die Antworten wesentlich davon ab, wer befragt wird. Die Analysen der Bundesbank und der KfW fragen „nur“ die Banken ab und zeichnen damit ein deutlich weicheres Bild. Umfragen, die direkt bei den Unternehmen ansetzen, vermitteln eine eher trübere Stimmung,  bei den Unternehmen (wie eine Studie von Ernst & Young aus dem vergangenen Jahr).

Geschäftsführer und Inhaber mittelständischer Unternehmen verschiedener Größenklassen bestätigen immer wieder, dass sie für eine flächendeckende Entwarnung bei der Kreditvergabe keine Grundlage hätten.

Dabei dürften weniger die Konditionen eine Rolle spielen. In der Praxis ist immer wieder das festzustellen, was auch Studien bestätigen: Die Banken haben seit Beginn der Finanzkrise deutlich die Daumenschrauben bei der Besicherung von Krediten angezogen. Die Bereitschaft unbesicherte Kredite zu vergeben hat in der Kreditvergabepraxis deutlich abgenommen.

Die Unzufriedenheit speist sich daneben daraus, dass etwa positive und steigende Erträge kein Garant für eine schnellere Kreditbewilligung sind. Viele mittelständische Unternehmen wundern sich daher über zusätzliche Restriktionen, die ihnen die Banken trotz blendender Daten auferlegen.

In Kreditprozessen, die ich für Mittelständler vorbereite und begleite, erlebe ich es weiterhin häufig, dass Institute nach einer vorläufigen Kreditzusage im Verlauf der vertraglichen Gestaltung z. T. erhebliche Sicherheiten nachfordern oder die Kreditbedingungen (neudeutsch Financial Covenants) verschärfen.

Dies ist besonders dann ärgerlich, wenn die Vorgespräche mit dem Kreditspezialisten positiv verlaufen sind und erst kurz vor Auszahlung Sicherheiten nachgefordert und/oder die Covenants verschärft werden. Dadurch wird im besten Fall der Auszahlungsprozess verzögert, im schlimmsten Fall scheitert der Kredit. Oft beginnt dann vor kurz der ursprünglich anvisierten Auszahlung des Kredits noch eine hektische Suche nach freien Sicherheiten oder solventen Bürgen.

Gern entschuldigen sich Bankbetreuer mit Hinweisen auf das interne Kreditrisikomanagement, das zusätzliche Anforderungen stelle. Dies ist zwar fachlich korrekt, jedoch wenig hilfreich, wenn aus den ersten Gesprächen mit den Kundenbetreuern Erwartungen auf eine erfolgreiche Kreditvergabe geweckt wurden und diese Erwartungen anschließend wieder zurück genommen werden müssen. Enttäuschte Erwartungen sind der klassische Stoff für unzufriedene Kunden.

Banken sind daher hier dringend aufgefordert, bereits in der Frühphase der Kreditgespräche klar zusätzliche Anforderungen zu nennen und diese nicht erst tröpchenweise zu fordern. Bankenaufsichtsrechtliche Regelungen fordern die organisatorische Trennung von Kreditvergabe und Kreditprüfung. Das darf für die Finanzhäuser keine Entschuldigung sein, ihre Kreditprozesse zu Lasten ihrer Kunden zu gestalten.

Für kreditsuchende Unternehmen lassen sich daraus mindestens drei Schlussfolgerungen ableiten:

  1. Aufbau eines entsprechenden Drucks auf ihre Banken, die Kreditbedingungen frühzeitig und klar zu nennen,
  2. immer einen Plan B haben, wenn die anvisierte Kreditzusage verschärft wird oder gar scheitert und
  3. Aufbau und Optimierung eines Sicherheitenmanagement

Dieser Beitrag ist eine akutalisierte Fassung eines Texten, den ich ursprünglich für die Webseite der CFOWorld geschrieben habe. Dort ist auch gerade ein Beitrag erschienen, wie Unternehmen Bankkrediten umgehen.

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