War was in der Weltwirtschaft?

by Dirk Elsner on 5. Dezember 2011

imageIn den letzten Tagen habe ich mich kaum um das Geschehen in den Wirtschafts- und Finanzwelt kümmern können. Hinter mir stapeln sich weiter die Umzugskartons, Regale warten darauf montiert und wieder befüllt zu werden und die LAN-Verbindung funktioniert auch noch nicht so, wie sie soll. So ein Umzug hält ganz schön auf Trapp, erst Recht, wenn man sich aus beruflichen Gründen nur eine unterbrochene Auszeit dafür nehmen kann. Aber nein, ich will keine Bedauerungspunkte sammeln, denn immerhin ist meine Hand nicht mehr bandagiert und ich kann wieder (fast) normal schreiben.

Am Sonntag Abend habe ich mich dann gefragt, ob ich jetzt alle Wirtschaftsschlagzeilen der letzten Tage noch einmal nachlesen soll, denn ich habe tatsächlich kaum etwas mitbekommen, außer gelegentlich mal ein paar Tweets zu sichten. Aber ich bin zu dem Ergebnis gekommen, ich muss nicht in Hektik verfallen und jetzt alle verpassten Aktivitäten, Äußerungen und Meinungen nachlesen. Ich glaube, es ist sogar richtig gut, sich mal ein paar Tage vom Nachrichtenrauschen zu distanzieren. Schon vor ein paar Wochen habe ich hier von meiner Schuldenkrisenmüdigkeit geschrieben. Geändert hat sich daran nichts.

Und es scheint so, als sei ich nicht allein mit dieser Müdigkeit. Glaubt man einem Bericht der Onlineausgabe der FTD, dann ignorieren die Menschen in Deutschland die düsteren Schlagzeilen. Die Schuldenkrise ist wie die Finanz- und Wirtschaftskrise nicht wirklich beim Volk angekommen. Die Autoren des Beitrags mit dem blödsinnigen und unzutreffenden Titel “Deutsche ersticken Angst in Kaufwut” schreiben:

“Viele haben mehr Geld in der Tasche, weil Löhne und Gehälter dieses Jahr erstmals stark gestiegen sind. Firmen klagen, dass Fachkräfte fehlen, die Regierung will Extraeinnahmen verteilen. Dazu kommt ein paradoxer Effekt: Manche Folgen der Krise kommen deutschen Konsumenten sogar zugute. Die Zinsen sinken, damit wird Geldausgeben lohnender als sparen. Wegen des Drucks in vielen Ländern steigen zudem die Preise langsamer. Ergebnis: Man kann sich mehr leisten.”

Blödsinnig finde ich den Titel von der erstickten Angst, weil diese “German Angst” zu einem beliebten wie klassischen Medienklischee gehört. Dieses Klischee existiert aber vor allem in den Redaktionsstuben. So etwa auch bei Spiegel Online. Dort wunderte man sich vor ein paar Tagen über die “rätselhaft coolen Deutschen” und führte ausgerechnet die Ereignisse an, die sich durch eine beispiellose Medienhysterie auszeichneten:

 

“Dabei ist doch gerade die German Angst, von der besonders die Angelsachsen und Amerikaner gerne sprechen, so legendär wie sprichwörtlich. Haben die Deutschen nicht immer verzagt bis hysterisch reagiert, sobald irgendwo vermeintliches Unheil drohte? Hierzulande ist die Sorge vor dem Klimawandel besonders ausgeprägt, uns versetzen Krankheiten wie Ehec oder Schweinegrippe in helle Aufregung, wir steigen sofort aus der Atomenergie aus, weil im fernen Japan ein Tsunami für den Super-GAU sorgt. Müssten also nicht gerade die Deutschen in diesen Tagen in Panik geraten, weil der Euro bald Geschichte sein könnte?”

Angesteckt von der Nachrichtenpanik haben sich allenfalls ein paar Politiker, die jeweils versuchten auf der Angstwelle zu reiten. Stimmen hat ihnen die Stimmungsmache nicht beschert.

Jetzt bin ich etwas vom Thema abgedriftet. Dabei habe ich mich nur gefragt, ob ich wirklich etwas verpasst habe bzw. noch verpassen werde. Klar, in dieser Woche liegt wieder einmal der wichtigste “EU-Krisengipfel” aller Zeiten an. Auch diese Gipfeldramaturgie nutzt sich ab, denn Ähnliches haben wir schon so oft in den letzten 2 Jahren gelesen. Ich kann also weiter auspacken und Regale anbauen.

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