Testergebnisse für die Erweiterung der Toolbox zur Bekämpfung der Finanz- und Schuldenkrise (Teil 1)

by Dirk Elsner on 27. Dezember 2011

Das gerade ablaufende Jahr war wieder einmal ein Desaster für die internationale Finanz,- Notenbank- und Wirtschaftspolitik. Die eingesetzten Tools der Eurozone, der EZB, der US-FED und der nationalen Parlamente erwiesen sich als stumpf und nutzlos. Den einzigen durchschneidenden Erfolg in diesem Jahr konnte die Schweizer Zentralbank vorzeigen. Sie legte glaubhaft einen Mindest-Wechselkurs zwischen Franken und Euro fest. Seit September toleriert sie keinen Euro-Wechselkurs unter 1,20 Franken mehr und konnte diese Grenze bisher erfolgreich mit ihren Werkzeugen verteidigen.

Zeit also, sich zum Ende des Jahres einmal mit der Toolbox der Schweiz zu befassen. Gemeinsam mit einigen Twitterkollegen gelang es, das Geheimnis zu lüften und hier die Testergebnisse eines Werkzeugkasten zu präsentieren, mit dem im nächsten Jahr bei etwas gutem Willen auch die Eurozone, die USA und die internationalen Banken ihre Probleme in den Griff bekommen könnten.

Wir haben nämlich bei Amazon die Rezensionen des Wenger Schweizer Offiziersmesser Giant Messer gelesen. Diese offenbarten aber, dass längst nicht alle Funktionen und Einsatzgebiete getestet wurden. Zuletzt bemängelte Günther Hetzer den Ubahntunnelbohrer und das Spiegelteleskop, die entscheidenden Funktionen zur Lösung der Finanz- und Schuldenkrise entgingen ihm aber. So haben wir (@blicklog) die letzten Tage genutzt und uns via Twitter mit @alex13wetter, @egghat und DetlefGuertler ausgetauscht, um zu schauen, wie das “Wenger” die internationalen Finanzprobleme lösen kann.

Zunächst einmal nahmen wir uns die geldpolitische Bazooka, die Schuldenhebelung und den Liquigenerator vor und beobachteten den EZB-Rat bei einer geldpolitischen Operation (siehe Foto). Die Bazooka bereitete uns Bauchschmerzen, weil sie die hinter dem Schützen stehende Beobachter beschmutzte und das Handling nachbesserungsbedürftig ist. Der pseudopneumatische Schuldenhebel konnte uns eher begeistern. Er ist leichtgängig zu bedienen und produziert keine unkalkulierten Rückstöße. Noch bequemer war freilich der Liquigenerator. Er spendiert Unternehmen über einen selbst erklärenden Drehregler Liquidität in verschiedenen Risikoklassen und kann so eine Kreditklemme lindern. Für Nebenwirkungen dieser Tools, etwa in Form galoppierender Inflation, schließt das Kleingedruckte allerdings die Gewährleistung aus.

 

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Hier der EZB-Rat bei einer geldpolitischen Operation

 

Überrascht waren wir vom eleganten Design des “Rating-Pimpers”. Er verspricht Staaten und Unternehmen von den dominierenden US-Rating-Agenturen zu befreien. Dabei bemühten die Ingenieure traditionelle Werte, wie sozial ausgewogen gestaltete Sparpolitik, konsumneutrale Einnahmeoptimierung und Produktivitätssteigerung. Die liebevollen arrangierten Bedienelemente unterstreichen, warum die Schweizer es erfunden haben und ihr AAA bisher halten. Dagegen sorgen die USA mit ihrem drolligem Leatherman Tooleher für ein Schmunzeln bei uns Testern.

Überzeugt hat uns der Wortschwallinhalierer (siehe Bild unten). Verblüffende einfach entzaubert er schablonenhafte Reaktionen von “Experten” durch das Setzen virtueller Sprechblasen. Die gezielte Anwendung in Talkshows und auf Meinungsseiten der Wirtschaftspresse könnte so überhitzte Pseudodebatten erheblich abkühlen. Die Qualität des Wortschwallinhalierers lässt außerdem leicht verschmerzen, dass ein “Phrasendreschmodul” fehlt. Der Einbau solcher Instrumente wurde in der Schweiz ja bekanntlich nach einer Volksabstimmung untersagt.

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Unser Tester (links) lässt mit dem Wortschwallinhallierer den “Experten” (rechts) verstummen.

 

egghat fragte zu Recht, ob das Wenger auch ein Hirn eingebaut hat. Wir konnten das leicht zeigen an der Simulation einer EU-Ratssitzung. Der politische “Entscheidungsverstärker” verblüffte in der Einfachheit der Anwendung und der Klarheit der Ergebnisse, insbesondere wenn man den Krisenbooster hinzu schaltet. In einer dynamischen Monte-Carlo-Simulation der kombinierten Banken- und Schuldenkrise gelang unseren Sim-Politikern bereits nach zwei Treffen ein entscheidungsreifer Vertrag und zwar mit Unterstützung Großbritanniens.

Wo so viel Licht ist, ist auch Schatten. So reagierte der “Prognosealarm” mit Überhitzung angesichts der vielen und willkürlichen volks- und betriebswirtschaftlicher Prognosen. Wir haben Zweifel, dass Wenger dies im Rahmen der angekündigten Rückrufaktion noch zeitnah für 2012 beheben kann.

Glücklicherweise hat Wenger im aktuellen Modell auf das Pinsel-Modul verzichtet. Das Übertünchen der Probleme nach der Finanzkrise 2008 hat bekanntlich nicht geholfen. Ein Sprecher von Wenger erläuterte dazu, man wolle ein nachhaltiges Instrument liefern und nicht nur an Symptomen herumdoktern.

Im morgigen zweiten Teil dieser Testreihe schauen wir auf den CDS-Spreader, den Haircutter und einige Schattenseiten des Multiwerkzeugs. Außerdem bieten wir unseren Lesern ein Unboxing-Video.

Alle Fotos via Amazon.de

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