Lektüre für einen Herbstsonntag im Sommer: Von Zschäpitz bis Brooks

by Dirk Elsner on 24. Juni 2012

Tja, es ist der erste Sonntag in diesem Sommer und er fühlt sich wie ein schlechter Herbsttag an. Gut, dass es da erstklassige Texte off- und online gibt, um sich aufzuheitern.

Zur Euro- und Schuldenkrise (aktuell tendiere ich übrigens mehr zur Eurokrise) gab es gleich mehrfach gutes Material. Von Holger Zschäpitz stammt “EU-Staaten müssen zurück auf Los gehen” mit einer bemerkenswerten Grafik, die die verschiedenen Aktivitäten und Pläne in ein Diagramm aus Autonomie und Verantwortung einträgt. Der Text hat es natürlich sofort auf meine Sammelliste zur Eurokrise geschafft.

Dort habe ich auch gleich den Beitrag von Renee Menendez platziert “Die Buddelkästen wirtschaftspolitischer Kommentatoren”. Menendez schreibt in seinem noch jungen aber unbedingt empfehlenswerten Blog über die Widersprüche und Fehlinterpretationen in der öffentliche Berichterstattung zur Schuldenkrise.

Und auch der Wirtschaftsphilosoph sucht wieder einmal das intellektuelle Duell und versucht die Target2-Debatte zu beenden. Mag sein, dass das für ihn gilt. Für die breite Öffentlichkeit hat diese Debatte nicht einmal angefangen. Angesichts der aufgehäuften Risiken wird diese Debatte aber mit Sicherheit folgen, wenn sie etwas einfacher dargestellt werden kann.

Auch richtig weit oben spielt der leider ohne Verfasser geschriebene Beitrag für das NZZ-Dossier “Börsen und Märkte auf der Achterbahn”. In dem Stück “Der Euro als Spiel ohne nachhaltige Lösung” geht es um das Verhalten der zentralen Entscheidungträger in der Eurokrise, wenn sie sich an der Spieltheorie von John Nash orientieren.

Norbert Kuhls hat im Feuilleton von FAZ-Online über den Hochfrequenzhandel an den Börsen und wie Maschinen zu handeln beginnen geschrieben Eine beherzte Diskussion dazu via Twitter hat Tera Euro zusammen gestellt.

Aus der Printwelt muss ich mich beschränken auf Handelsblatt und FAS. Das Handelsblatt hat mit seinem Schwerpunkt Compliance (leider noch nicht online) einmal vielen Unternehmern und Managern aus dem Herzen gesprochen und die deutsche Regelungswut endlich einmal aufs Korn genommen. Das was offen ungern jemand sagt, haben die Autoren Dieter Foeckenbrock und Sönke Iwersen ausgezeichnet heraus gearbeitet. In Deutschland herrscht der Compliance Wahn, der Juristen erfreut aber viele Aktivitäten in Unternehmen lähmt.

Aus der FAS habe ich mir in dem Beitrag von Patrick Welter zum Tode von Anna Schwartz den Satz angekreuzt, den sie im Herbst 2008 gesagt hat: “Das Grundproblem sei, dass niemand wisse, welche Bank noch solvent sei und welche nicht. Mit den willkürlichen Entscheidungen Bear Stearns zu retten und Lehman Brothers untergehen zu lassen, verstärke die FED die Unsicherheit nur. Finanzinstitute, die falsche Entscheidungen getroffen hätten, müssten untergehen und dürften nicht rekapitalisiert werden.”

Und über die heutige FAS habe ich auch meine Sommerlektüre entdeckt. Obwohl ich hier bedauerlicherweise 40 ungelesene must-read Bücher stehen habe, wird es “Das soziale Tier” von David Brooks in meinen Koffer bzw. in der Kindle- oder Google-Play-Version auf meinen Tablet schaffen. In der heutigen FAS gibt es dazu ein fesselndes Interview. Darin u.a. eine Aussage von Brooks, die ich auch hier schon oft beschworen habe: “Eine Wendung, die mir bei der Arbeit am Buch immer wieder durch den Kopf ging, was “epistemologische Bescheidenheit”. Damit meine ich, dass die Welt so komplex ist, dass wir vieles einfach gar nicht wissen können. Das heißt auch, dass wir zum Beispiel nicht wirklich wissen, welche Faktoren genau zur Armut führen oder was man tun muss, um Armut zu beseitigen.”

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