Kann die Finanzbranche das versenkte Vertrauen eigentlich noch zurück gewinnen?

by Dirk Elsner on 14. August 2012

Ich glaube, die Leute von der FAZ sind ganz schön angefressen vom Verhalten der Bankbranche. Viele Artikel (von der FAZ  und anderen Medien hier in der Übersicht) hat das Blatt in den letzten Wochen publiziert zum Verhalten bzw. Nichtverhalten. Marcus Theurer, Wirtschaftskorrespondent in London, hat in seinem Beitrag “Die Stadt der bösen Banker” dabei noch einmal einen besonderen Punkt heraus gearbeitet, nämlich was die Branche bereits vor vier Jahren Besserung gelobt hat.

“Vier Jahre ist es her, dass nach der Pleite von Lehman Brothers die Banken und mit ihnen die Weltwirtschaft in den Abgrund blickten. Hinterher gelobten Banker, Aufsichtsbehörden und Politiker, sie hätten die Lektionen der Weltfinanzkrise gelernt. Nie mehr sollten Gewinne von den Banken eingestrichen und ihre Verluste sozialisiert werden. Viel ist vom Kulturwandel in den Bankentürmen die Rede, vom Ende der Kasino-Mentalität, von Nachhaltigkeit, statt schnellem Geld. Aber was sich seit dem vergangenen Sommer an der Themse abgespielt hat, lässt die Beteuerungen als bloße Lippenbekenntnisse erscheinen.”

Nun wird erneut vom verlorenen Vertrauen gesprochen, das zurück gewonnen werden müsse. Nur, wer mag das nun noch glauben? Seit 2008 gab es unzählige Ansätze und noch mehr Vorschläge und Empfehlungen an die Banken, die richtigen Schlüsse aus der Finanzkrise zu ziehen. Dazu gab und gibt es direkte und indirekte staatliche Unterstützungen ohne Grenzen. Und dennoch bestätigt sich der Eindruck, es ändert sich nichts. Nur sehr gemächlich führen gesetzliche Auflagen zu einem langsamen Wandel.

Kann die Finanzbranche eigentlich das bei nahezu allen Kundenschichten verspielte Vertrauen zurück gewinnen? Aus meiner Sicht könnte sie das mit verschiedensten Maßnahmen, die vor allem bei der Geschäftsstrategie ansetzen müssen. Sie macht es aber nicht und schädigt sich massiv selbst, wie die Beispiele Commerzbank und Deutsche Bank zeigen. Ich habe keine Antwort auf die Frage, warum die Manager der Häuser das zulassen und die Aktionäre dies ständig weiter hinnehmen und sich mit zweifelhaften Erklärungen abspeisen lassen. Ich könnten allenfalls über die Antworten spekulieren, spare mir das aber für diesen Beitrag.

Ich glaube nur, viele große Banken sollten angesichts der Dauerkrise ein sehr hohes Interesse an einer Wiederherstellung des Vertrauens haben. Wenn z.B. die Marktwerte börsennotierter Banken so deutlich unter den Buchwerten der Unternehmen liegen, wie das derzeit der Fall ist, dann ist der Handlungsbedarf offensichtlich. Geringe Marktwerte und hohe Risikoprämien am Markt sorgen für hohe Kapitalbeschaffungskosten der Banken und machen den Instituten das Geschäft unglaublich schwer. Gelingt es ihnen nicht, die Vertrauenskrise zu beenden, setzt sich die seit 2007 andauernden und nur kurz unterbrochenen Abwärtsspirale fort.

Darüber hinaus bemängelte gestern Yasmin Osman im Handelsblatt (print) die Einigelungsstrategie der Banken am Beispiel der Commerzbank:

„Der Igel futtert sich, wenn die Blätter fallen, noch letzte Fettreserven an, dann schläft er durch, bis es wärmer wird. Die Commerzbank setzt, um Kapitalpolster anzusparen, immer neue Geschäftsfelder auf ihre Streichliste – Staatskredite, Schiffskredite, Immobilienkredite – und hofft, dass die Euro-Krise vorbeizieht. Für einen Igel ist das ein guter Plan. Für eine Bank eher nicht.“

Übertragen lässt sich dies auch auf andere Häuser. Nun warten die Eigentümer er Commerzbank und der Deutschen Bank auf die neue Strategien, die im Herbst vorgestellt werden sollen. Die Erwartungen sind zwar hoch, die Chance aber auch, erneut enttäuscht zu werden. Vielleicht passt das Bild von den Igeln ganz gut. Es sind putzige Tiere, die man mag.  Nur anfassen will sie keiner.

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