Wundern über die Warnung der britischen Finanzaufsicht vor Crowdfunding

by Dirk Elsner on 29. August 2012

Vergangene Woche überschrieb die FAZ einen Beitrag mit “Warnung vor Crowdfunding”.  Bettina Schulz und Christian von Hiller berichteten darin über eine Veröffentlichung der britischen Finanzaufsicht “Financial Services Authority” (FSA), die über diese Finanzierungs- bzw. Geldanlageform informierte. Der Titel der FAZ signalisierte dabei, dass Crowdfunding grundsätzlich gefährlich sei und Anleger besser die Finger davon lassen sollten. Ich werden dieses Thema noch an einer anderen Stelle ausführlicher beleuchten. Tatsächlich waren aber weder der Beitrag der FAZ noch das Original der FAS etwas, was diejenigen überraschen sollte, die sich mit Crowdfunding bzw. Crowdfinvesting befassen.

Der deutsche Crowdfunding-Pionier Seedmatch hat auf seinem Blog eine Stellungnahme zu dem Bericht abgegeben, um Missverständnisse auszuräumen. Dabei stellt Peter Schmiegen klar: “Natürlich handelt es sich bei Crowdfunding für Startups um Risikokapital.” Darauf weist Seedmatch übrigens an verschiedenen Stellen hin. Ähnlich andere Plattformen,

Kein Anleger, der über diese Plattform ein Investment eingeht, kommt an diesen Risikohinweisen vorbei. Ich habe das selbst einmal mit einem eigenen Investment ausprobiert. Da wird schnell deutlich, dass dies kein Ersatz für das Sparbuch ist. Wer sich darüber wundert, wenn irgendwann eine der ersten über Crowdfunding finanzierten Firmen in die Insolvenz geht, der wird sich vielleicht auch darüber wundern, dass am 24.12. wieder Heiligabend ist.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich die Presse auf den ersten Pleitefall in Deutschland stürzen wird. Dann werden “renommierte Experten” aus Beteiligungsgesellschaften und Banken den Journalisten O-Töne diktieren, wie riskant doch das Handling über solche Plattformen ist und wie gut man doch beraten sei, wenn man sich auf die Profis der Old-Economy verlässt. Diejenigen, die sich schon länger mit dem Thema befassen, werden eine oder mehrere Pleiten dagegen kaum verunsichern. Solche Risiken gehören zu dem Geschäftsmodell. Es würde viel eher überraschen, wenn es nach 2 bis drei Jahren keine einzige Pleite gegeben hat. Anleger, die ein Investment in Crowdfunding riskieren, sind keine Muppets, wie die Kunden von Goldman Sachs dort intern bezeichnete werden. Und kaum ein Artikel, der sich mit der Schwarmfinazierung befasst, ignoniert das Risiko für die Anleger. Wohl kaum einer hat die Illusion, hier das nächste Facebook, Google oder Apple frühzeitig zu entdecken. Genau wie klassische Venture-Gesellschaften, die ja ebenfalls viele gefallenen Engel hinter ihren Palmarès verstecken, versucht die Crowd durch eine gute Streuung eine risikoaäquate Rendite zu erzielen.

Warum die FSA gerade jetzt eine Warnung zum Crowd Funding heraus gegeben hat, ist mir noch nicht wirklich klar. So habe ich bei einer Recherche auf der Webseite FSA keine Warnung zu der Emission von Facebook-Aktien oder gar Produkten gefunden, die an den Referenzzins LIBOR gekoppelt sind. Ob hinter der Warnung bereits die Arbeit von Lobbyisten aus der Bank- oder Beteiligungsbranche steckt, die sich zu Recht vor der Etablierung dieses Geschäftsmodells fürchten könnten, ist freilich pure Spekulation.

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