Gut so für Professionalisierung im Crowdfunding: Kickstarter verschärft die Informationsanforderungen

by Dirk Elsner on 25. September 2012

imageSo langsam scheint Crowdfunding erwachsen zu werden. Die ziemlich populäre und vielleicht etwas hoch gejazzte US-Plattform Kickstarter hat sich die ersten Beulen geholt und nun die Anforderungen an die Projektinformationen erhöht. Man hat in New York festgestellt, dass bei den Projektbeschreibungen offenbar die Risiken gern verdrängt wurden. Nun werden die Projektpräsentationen erweitert. Erwartet werden jetzt auch Informationen zu den Risiken und besonderen Herausforderungen der zu finanzierenden Projekte und wie die nach Geld suchenden Personen damit umgehen wollen:  “Creators must talk about “Risks and Challenges” hieß es dazu vergangenen Woche im Blog der Plattform.

Dazu gibt es eine neue Kategorie "Risiken und Herausforderungen" für die Initiatoren von Projekten. Darüber soll die Unterstützer der Crowd die Fähigkeiten der Projektinitiatoren einschätzen, ihr Projekt wie versprochen abzuschließen und ob sie die Risiken und Herausforderungen bewältigen können.

Ich halte das für einen richtigen Schritt. Ich hatte vor drei Wochen geschrieben, dass es ohnehin beim Crowdfunding nicht ohne Risiken für die geht. Das liegt in der Natur der Sache und ist eine Binsenweisheit. Die Anleger/Unterstützer achten auf ihren Return, egal ob diese in Sachleistungen, einem guten Gewissen und finanzieller Gegenleistung besteht. Die Qualität von Projekten oder zu finanzierenden Unternehmen bemisst sich aber nicht allein daran, dass die Investments ohne Risiko sein müssen. Qualität heißt, dass die Risiken möglichst klar benannt werden.

Wenn Crowdfunding erwachsen werden und eine breitere Masse ansprechen will, dann reicht der ursprüngliche Idealismus (siehe dazu sehr treffend Paul Spinrad , A Crowdfunding Pioneer Psychoanalyzes Crowdfunding’s True Believers), mit denen die Plattformen gestartet sind, nicht mehr aus (siehe dazu auch Jan Tißler Die Grenzen des Crowdfunding-Hypes).

Der Trend weg von der klassischen Kreditfinanzierung über Banken hin zu alternativen Finanzierungsformen (von denen Crowdfunding nur eine ist) wird sich angesichts verschärfter regulatorischer Rahmenbedingungen (Basel III) verstärken. Ob sich Crowdfunding vor diesem Hintergrund zu einer ernst zu nehmenden Alternative für die Unternehmensfinanzierung entwickeln kann, lässt sich freilich noch nicht einschätzen. Das Konzept des Crowdfundings bietet aber ein riesiges Potenzial für bestimmte Problemlösungen der Finanzierung (dazu später an anderer Stelle mehr) und eine spannende Anlageklasse für engagierte Anleger. Es ist aber wichtig, anzuerkennen, dass adverse selektion, die Risiken des moral hazards und opportunistisches Verhalten nicht auf die etablierte Finanz- und Unternehmenswelt beschränkt sind und Idealismus allein nicht vor den Risiken des Scheiterns schützt.

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