Robert Shiller im Gespräch zu Finance And The Good Society

by Dirk Elsner on 30. September 2012

Das neue Buch von Robert Shiller hatte ich hier schon vorgestellt. Mittlerweile gibt es die deutsche Fassung endlich auch in der E-Book-Version bei Amazon. Ich haben es mir an diesem Wochenende bestellt und schon die ersten Seiten verschlungen. Es ist herausragend und eine unbedingte Leseempfehlung für diejenigen, die sich dafür interessieren, wie sich das Finanzwesen weiter entwickeln kann. Shiller setzt sich ja für so eine Art dritten Weg ein und sieht das Finanzsystem als notwendig für eine moderne Gesellschaft.

Shiller gehört zu den wenigen Ökonomen, die vor den Marktübertreibungen um die Jahrtausendwende und der Immobilienpreisblase gewarnt haben. Und was mir gut gefällt, er folgert aus der Kritik am Finanzsystem nicht auf strengere Regulierung, sondern schaut auch inhaltlich, wie man das Finanzsystem weiter entwickeln kann. Warum erzählt er hier im Interview mit Steve Forbes:

Shiller gehört zu den wenigen prominenten Stimmen, die sich trauen, gegen den Strom der öffentlichen Meinung zum Finanzwesen zu schwimmen ohne dass man den Eindruck hat, er schwinge sich zum Anwalt der bisherigen Finanzwelt auf. In seinem Buch wagt er die Balance zwischen Kritik und Fortenwicklung.

Shiller sieht die Probleme, die der Finanzsektor geschaffen hat und kritisiert die Einkommensschere zwischen den Finanzmarktaktivitäten und den eigentlichen produktiven Sektoren. Er will die Finanzwirtschaft aber nicht elitär betrachtet werden oder als Motor für wirtschaftliche Ungerechtigkeit. Er hält den Finanzsektor trotz seiner Makel und Exzesse für eine Kraft, die helfen kann, eine bessere, wohlhabendere und gleichere Gesellschaft zu schaffen. Shiller glaubt die Finanzwirtschaft war ein zentraler Faktor für den Aufstieg reicher Marktwirtschaften in der Moderne.

Die Finanzkrise, so Shiller in seinem neuen Buch, habe uns vor Augen geführt, dass Innovation so erfolgen muss, dass einer verantwortungsbewussten Verwaltung des Vermögens einer Gesellschaft Vorschub geleistet wird. Er schreibt: “Das lässt sich am besten durch die Verankerung moralisch einwandfreien Verhaltens in der Kultur der Finanzmärkte erreichen – durch Einführung und Einhaltung bewährter Praktiken in ihren verschiedenen Berufsgruppen, bei CEOs, Händlern, Wirtschaftsprüfern, Investmentbankern, Anwälten und Philanthropen.”

Shiller fasst außerdem in der Einleitung seines Buches eine Position zusammen, die gut meine Sichtweise spiegelt:

“Die kritische Haltung der breiten Öffentlichkeit infolge der Krise kann den unglücklichen Effekt haben, die Weiterentwicklung des Finanzsystems zu bremsen. Die Ironie dabei: Wir brauchen bessere Finanzinstrumente und nicht weniger finanzwirtschaftliche Aktivität, um die Wahrscheinlichkeit künftiger Finanzkrisen zu verringern. … Ich stelle in diesem Buch die These auf, dass die Finanzkrise nicht einfach die Folge der Gier oder der mangelnden Ehrlichkeit der Akteure in der Finanzwelt war. Vielmehr war sie letztlich die Konsequenz der fundamentalen strukturellen Mängel unserer Finanzinstitute. Doch diese Mängel – wie das Scheitern bei der Steuerung von Immobilienrisiken oder bei der Regulierung des Fremdkapitalanteils – sind noch immer nicht durchgängig beseitigt. Auf die Krise wurde nicht mit beherzten Änderungen in Bereichen reagiert, in denen unsere Finanzinstitute versagt haben. Stattdessen liegt der Schwerpunkt auf der Vermeidung von Rettungsaktionen und auf der Verringerung der Verschuldung von Ländern durch Einschnitte bei den Staatsausgaben. Von Politikern auf den öffentlichen Zorn hin entwickelte Initiativen orientieren sich an dem, was die Öffentlichkeit als Problem wahrnimmt, und nicht an den Beiträgen von Visionären.”

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