Zynga von der Revolution zum letzten Strohhalm

by Dirk Elsner on 25. November 2012

Nur kurz: die Abstände zwischen Hochjubeln durch wen auch immer und Absturz werden immer kürzer. Im Juni 2011 konnte man auf Handelsblatt Online lesen:

“Die Social-Gaming-Firma Zynga aus San Francisco wird nach Medienberichten wie erwartet am Mittwoch seinen Börsengang anmelden. Nach gleichlautenden Berichten von CNBC und Wall Street Journal wird die Firma, die mit Spielen für das Social Network Facebook („Farmville“) groß geworden ist, eine Gesamtbewertung zwischen 15 und 20 Milliarden Dollar anstreben und rund zwei Milliarden Dollar an der Börse einnehmen”

In einem anderen Beitrag aus August 2011 war von der Revolution aus dem Netz zu lesen

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Noch im Februar diesen Jahres überschlugen sich Analysten, die sich wieder einmal nur mit der Gegenwart befassten, wie hier auf Stock World: Zynga zündet mit Verspätung – aber jetzt richtig!

“Es herrscht eine Art Aufbruchsstimmung. Die Anleger sind nach den Nuller-Jahren, einer verlorenen Dekade für den Durchschnittsbörsianer, wieder heiß auf Gewinne.”

Das Kursfeuerwerk dauerte etwa bis April. Ab da ging es nur noch bergab. Mittlerweile geht es offenbar nur noch um das Überleben des gehypten Startups. Das Wall Street Journal schreibt in Zynga-Chef Mark Pincus greift nach dem letzten Strohhalm u.a.:

“Während die Schwierigkeiten von Zynga in den vergangenen Monaten minutiös von der Presse nachgezeichnet wurden, hatte sich Pincus nach außen hin stets optimistisch und positiv gegeben. Doch hinter den Kulissen sah es für ihn weit weniger rosig aus. In seinem Haus herrschte Unfrieden und Zank, Spitzenkräfte wurden abtrünnig, es kam zu Auseinandersetzungen mit Mitarbeitern. Um die Wogen zu glätten, versuchte Pincus den Mitarbeitern entgegenzukommen, indem er das Aktienvergütungsprogramm ausdehnte. Doch der Schuss ging nach hinten los.”

Die FAZ konstatiert für die Browsergame-Branche mittlerweile “Goldgräber in Katerstimmung” und schreibt:

“Doch in die Goldgräberstimmung der vergangenen Jahre mischt sich inzwischen ein wenig Katerstimmung. Branchenprimus Zynga meldet inzwischen Verluste, entlässt Mitarbeiter und schließt Standorte, das größte europäische Browsergames-Portal Bigpoint mit Sitz in Hamburg streicht 120 seiner gut 800 Stellen. „Die Zeiten, in denen wir jedes Jahr unsere Umsätze verdoppelt haben, sind vorbei“, sagt Heiko Hubertz auf der Konferenz in Offenbach, der Bigpoint 2002 gegründet hat und zum Ende des Jahres den Vorstandsvorsitz abgibt. Er erwartet eine Konsolidierung in der Branche. „Und dafür bin ich nicht der richtige Manager“, sagt Hubertz.”

Hier ist nun keine Häme angebracht, weil hier eine Blase geplatzt ist. Dieses Beispiel mahnt nur erneut dazu, dem Hochjubeln zu misstrauen. Bereits damals wurde intensiv über eine Blase diskutiert. Auch wenn jetzt manch einer schreiben könnte: “Sehr Ihr, habe ich ja gesagt.” hilft das nicht viel. Zu jedem Zeitpunkt finden sich für alle Prognoserichtungen Anhänger und Beispiele. Wir wissen erst hinterher, wer richtig lag. Und ich erinnere daran: Blasen klingeln nicht, bevor sie platzen

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