Unternehmen haben wenig Lust auf Banken

by Dirk Elsner on 25. Januar 2013

Die Banken haben unisono den Mittelstand als lukrative Zielgruppe entdeckt. Glaubt man der Strategierhetorik, dann stehen die Kreditinstitute wieder Schlange vor den Unternehmen. Mittlerweile soll ja wieder genug Liquidität da sein, nur diesmal wollen die Pferde nicht so richtig saufen. In einem Gespräch mit dem Handelsblatt hat jüngst Firmeninhaber Thomas Kübler genau das bestätigt, was ich seit einiger Zeit auch bei meinen Kunden beobachte. Den Banken wird die Wende zum Mittelstand nicht abgenommen.

Viele Unternehmen fühlten sich insbesondere in den Krisenjahren 2008/2009 allein gelassen. Ich kenne niemanden im Mittelstand, der dies vergessen hat. Gerade als es auf die Banken ankam, bewahrheitete sich erneut der Spruch von Mark Twain: “Banker sind Menschen, die dir bei guten Wetter einen Regenschirm leihen, ihn aber zurückfordern sobald es zu regnen beginnt.”

In Deutschland herrscht mittlerweile wieder gutes Wetter für die Unternehmen. Viele CFOs spüren aber noch die Nässe der Krisenjahre. Trotz der Kreditklemme haben die meisten Unternehmen sich auch ohne Unterstützung ihrer Banken helfen können. Sie investierten weniger und griffen verstärkt auf die Innenfinanzierung zurück, wie gerade die Bundesbank im jüngsten Monatsbericht festgestellt hat. Daneben haben sie sich untereinander stärker finanziert.

Zu der jetzt umfassend ausgewerteten Finanzierungslage 2011 schreibt die Zentralbank: “Das gebremste Investitions­- und Anlageverhal­ten der Unternehmen war im Verein mit den nach wie vor üppigen Innenfinanzierungsmög­lichkeiten ein wichtiger Grund dafür, dass der Fremdmittelzuwachs erheblich geringer als zu Beginn der Erholung ausfiel. Darüber hinaus nahm im Zuge der Verstetigung des Absatz­wachstums das Volumen an Handelskrediten nicht mehr so kräftig zu, weil es neben der Ein­räumung neuer Zahlungsziele auch in erheb­lichem Umfang zu Tilgungen kam. Da überdies die Kapitalzuführungen rückläufig waren, legte die Außenfinanzierung 2011 insgesamt nur noch halb so stark wie im Jahr davor zu.”

Natürlich nehmen Unternehmen weiter Finanzierungen von Banken in Anspruch. Aber, wie hier schon häufiger betont, suchen sie immer stärker nach Alternativen. Dazu trägt auch bei, dass viele Institute im Vorgriff auf die gerade verschobenen Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften von Basel III ihre Anforderungen an die Finanzierungen erhöhen. Und das schmeckt gerade Mittelständlern nicht. So bemängelte Thomas Kübler, dass die Banken nicht nur 50% Eigenkapital für Finanzierung erwarten, sondern er auch noch das eigene Haus als Sicherheit mit einbringen solle. Solche Forderungen unterstreichen, dass die Mittelstandsoffensive klar an den Bedürfnissen der Zielgruppen vorbei geht.

Ohnehin ist die Zuneigung zum Mittelstand eher deswegen entflammt, weil die Großunternehmen Banken die Liebe entzogen haben. Viele Konzerne können sich nämlich dank erstklassiger Bonität zu Konditionen (im Zweifel über den Anleihemarkt) finanzieren, bei denen vielen Banken nicht mehr mithalten können. Die Risiko-Return-Steuerung der Banken sieht daher kaum noch andere Einsatzmöglichkeiten des Kapitals als für das margenträchtige Mittelstandsgeschäft. Dieser Schwenk entspringt also weniger einer gezielten Analyse mittelständischer Finanzierungsbedürfnisse als purer Notwendigkeit, überhaupt im Kreditgeschäft etwas verdienen zu können. 

Dennoch macht es für Unternehmen wenig Sinn, sich schmollend den Werbeversuchen der Banken zu entziehen. CFOs sollten vielmehr die Flirtangebote für die weitere Verbesserung der eigenen Lage nutzen. So sollten sie etwa die Freigabe von Kreditsicherheiten verlangen und strenge Financial Covenants (Kreditklauseln) lockern. Wichtig ist es auch, die Finanzierungsbeziehungen einem Stresstest zu unterziehen, um zu checken, ob die willigen Banken nicht in schlechten Zeiten einfach wieder verschwinden.


Dieser Beitrag ist eine überarbeitete und aktualisierte Fassung eines Beitrags, den ich für die Webseite der CFOWorld geschrieben.

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