Survivorship Bias: Nur 0,1 Promille aller Apps verdient mehr als 1 Mio. Dollar.

by Dirk Elsner on 15. März 2013

Schöner Artikel im Wall Street Journal über die Chancen der App-Entwickler reich zu werden. Ben Fox Rubin schreibt in “Das schmutzige Geschäft  der App-Industrie” wie selten der Erfolg als App-Anbieter ist. Wir lernen daraus: Nur 0,1 Promille aller Apps erlösen mehr als 1 Mio. Dollar Umsatz im Quartal.

Die Berichterstattung in den Wirtschaftsmedien wird sonst ja eher dominiert von erfolgreichen Unternehmen, die es in welcher Form auch immer geschafft haben. Da weckt oft Begehrlichkeiten und ruft Nachahmer auf den Plan. Das galt lange Zeit auch für die Minianwendungen (Apps) für Smartphones. Rubin porträtiert nun App-Entwickler, die ihre Aktivitäten wieder eingestellt haben. Und davon dürfte es eigentlich noch viele tausend mehr geben.

Oft stellen Erfolgsberichte die Geschichten so dar, als stecke hinter dem Erfolg ein zwingende Logik. Klar, meist gehören Ideen, Fleiß, professionelle Vermarktung zu den Bestandteilen, aber das ist oft nicht ausreichend. Viel häufiger kommt eine Komponente hinzu, die wir in unserer Welt nicht so gern hören: Zufall oder wir können auch Glück sagen, das klingt zugänglicher. 

Die Wahrscheinlichkeit, im App-Geschäft einen echten Hit zu landen, ist denkbar gering. Mehr als 800.000 Apps sollen im Apple App-Store verfügbar sein. Nur 80 von ihnen verbuchten im vierten Quartal mehr als eine Million Dollar Umsatz, schätzen Marktforscher.

Dennoch blüht weiter der Traum vom großen Geld durch das Entwickeln einer App. Gut möglich, dass einiger dieser Personen unter dem Survivorship Bias leiden. Gerade in Bezug auf Startups schreibt Rolf Dobelli in seinem Buch “Die Kunst des klaren Denkens” (
Ausschnitt hier
) dazu:

“Ein Freund gründet ein Start­up. Zum Kreis der potenziellen Investoren gehören auch Sie. Sie wittern die Chance: Das könnte die nächste Microsoft werden. Vielleicht haben Sie Glück. Wie sieht die Realität aus? Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass die Firma gar nicht erst aus den Startlöchern kommt. Das Nächstwahrscheinliche ist der Bankrott nach drei Jahren. Von den Firmen, die die ersten drei Jahre überleben, schrumpfen die meisten zu einem KMU mit weniger als zehn Angestellten. Fazit: Sie haben sich von der Medienpräsenz der erfolgreichen Firmen blenden lassen. Also keine Risiken eingehen? Nein. Aber tun Sie es mit dem Bewusstsein, dass der kleine Teufel Survivorship Bias die Wahrscheinlichkeiten wie ein geschliffenes Glas verzerrt.”


Dobelli weist, wie auch andere Autoren, darauf hin, dass der “Survivorship Bias” dadurch verstärkt wird, dass wir mehr über die “überlebenden” Menge  und selten etwas vom Friedhofs der Gescheiterten (Personen, Firmen etc.) hören. Dobelli schreibt: “Selbst wenn Ihr Erfolg auf purem Zufall basiert, werden Sie Gemeinsamkeiten mit anderen Erfolgreichen entdecken und die se zu »Erfolgsfaktoren« erklären. Beim Besuch des Friedhofs der Gescheiterten (Personen, Firmen etc.) würden Sie allerdings feststellen, dass die vermeintlichen »Erfolgsfaktoren« oft auch von diesen angewendet wurden.”

Auch Nassim Taleb vertritt die Auffassung, dass nicht jeder, der außergewöhnliche Fähigkeiten mitbringt, deswegen automatisch Erfolg hat, sondern es gehört meist eine große Portion Glück bzw. Zufall dazu. Andererseits plädiert der Risikoforscher und Buchautor Taleb dafür, sich aber ganz bewusst solchen Risiko auszusetzen und lobt in seinem neuen Buch “Antifragilität” ausdrücklich diejenigen, die bereit sind solche Risiken einzugehen. Hätten wir nicht diese mutigen Personen, dann wäre unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft deutlich ärmer.

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