Erfahren wir vom Sparkassentag mehr über den Weg der Sparkassen in das digitale Zeitalter?

by Dirk Elsner on 23. April 2013

Morgen und am Donnerstag findet in Dresden der 24. Deutsche Sparkassentag statt. Normalerweise achte ich auf solche Kongresse nur am Rande oder wenn ich dazu eingeladen werde. Diesmal habe ich sogar eine Einladung erhalten, ich hatte aber schon andere berufliche Termine zugesagt. Tatsächlich scheint der DSGV meine Neugierde erahnt zu haben.

Aus gutem Grund: Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, hat nämlich im Januar auf dem Retail-Bankentag den “größten kulturellen, technologischen und organisatorischen Wandel” in der Geschichte der Sparkasse angekündigt. “Die Weiterentwicklung der Sparkasse zur “Sparkasse 2.0″ werde den Sektor jahrelang beschäftigen,” war in der Börsen-Zeitung zu lesen. Inhaltlich blieb Fahrenschon damals sehr unkonkret. Immerhin ließ er noch wissen, dass die Beratung deutlich technikbasierter erfolgen solle. Die technische Infrastruktur des Web 2.0 solle dazu dienen, die Kommunikation zwischen den Menschen zu ermöglichen. Was das konkret bedeutet und wie man das umsetzen will, blieb offen. Auf dem Sparkassentag im April in Dresden solle man mehr dazu erfahren, versprach er damals.

Nun steht dieser Sparkassentag an und will begeistern. In der Ankündigung des DSGV heißt es u.a.

“Der 24. Deutsche Sparkassentag stellt einen wichtigen Meilenstein für die Sparkassen-Finanzgruppe auf dem Weg ins digitale Zeitalter und einer damit verbundenen Neupositionierung dar. Er ist integraler Bestandteil eines einjährigen Dialoges mit Mitarbeitern und Kunden.”

Auch dies klingt vielversprechend und erinnert an die Worte des Vorstandschefs der Sparkasse  Nassau, Stephan Ziegler. Der hat nämlich auf der gleichen Veranstaltung im Januar dringenden Handlungsbedarf hin zum digitalen Zeitalter angemahnt. Die Printausgabe der Börsen-Zeitung zitierte seinen Appell an die Kollegen: “Machen Sie die Digitalstrategie in Ihren Häusern zur Chefsache, wir brauche hier dringend mehr Tempo, mehr Taten, mehr Tun.” Die Digitalisierung sei der Treibstoff der Zukunft für die Finanzbranche, “und wir haben bislang dafür keine Tanks gebaut.”

Weder auf der DSGV-Seite noch im Programm findet man allerdings weitere Hinweise, die darauf hindeuten, dass in Dresden ein besonderer Paukenschlag erfolgen soll. Macht das Sparkassenlager es nun spannend oder zeigt doch nichts? Oder ist etwa mit dem Weg ins digitale Zeitalter nur gemeint, dass Fragen und Meinungen des Publikums und aus dem Internet live in das Bühnenprogramm einfließen? Für eine Veranstaltung der traditionellen Finanzbranche ist das ein echter Fortschritt, außerhalb freilich gehört das zum Tagesgeschäft, der keine Begeisterungsstürme mehr auslöst.  Die Sparkassen-Finanzgruppe will mit “diesem interaktiven Format ihren Weg zu einer kundennahen Bürgersparkasse demonstrieren”.

Die Rednerliste ist zwar prominent besetzt, u.a. mit Hans Dietrich Genscher, Angela Merkel, Peer Steinbrück, Martin Schulz und Jens Weidmann. Es ist aber unwahrscheinlich, dass diese den Sparkassen den Weg ins digitale Zeitalter öffnen oder sonst etwas mitteilen könnten, was nicht schon bekannt ist. Neugierig macht der der US-amerikanischer Soziologe und Ökonom Jeremy Rifkin. Die Autoren der Wikipedia bezeichnen ihn in Anlehnung an einen Artikel des Freitags als Zugangsökonom, was auch immer das sein soll.

Unter www.meine.sparkasse.de soll man die Vorträge und Diskussionen des Kongresses am Veranstaltungstag live verfolgen können. Weil der Blog halt meine Familien nicht ernährt, kann ich den Livestreams nicht folgen, werde mir aber die Aufzeichnung von Rifkin ansehen und vielleicht die eine oder andere Rede, wenn diese ins Netz gestellt wird.

Previous post:

Next post: