Geräuschpegel zu Uli Hoeneß erreicht jetzt schon 2 Wulff

by Dirk Elsner on 23. April 2013

Ich weiß, Deutschland kennt in diesen Tagen nur ein Thema: die Selbstanzeige des Bayern Präsidenten Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung. Der Geräuschpegel erreichte gestern bereits gefühlte 2 Wulff. Ich war am Wochenende auf einer schönen Nordseeinsel und habe lieber dem Meeresrauschen gelauscht als dem Rauschen im Medien- und Social Media-Wald. Mir ist die Schuss- und Empörungsfrequenz in Form von Mutmaßungen und Schnelleinordnungen noch zu hoch für eine sinnvolle Bewertung. Ich muss auch an den Slate-Artikel “Breaking News Is Broken” denken. Darin geht es um die vielen Spekulationen und Schnellerklärungen bei heißen Nachrichten, die viele Menschen interessieren.

Dabei passt der Fall Hoeneß aus zwei Gründen ziemlich gut in diesen Blog. Einmal eignet er sich nahtlos als Beispiel für die Reihe “Ist Fairness nur für Muppets?” und außerdem liefert er unfreiwillig ein weiteres Beispiel dafür, dass wir zu viele Menschen in einen Heldenstatus befördern, ohne ihre ganze Geschichte zu kennen. “Das Problem mit den Idolen” hat gerade Daniel Rettig für die Wiwo gut dargestellt. Für die Fairness-Reihe werde ich im nächsten Teil dann sicher auch Ulli Hoeneß als Beispiel berücksichtigen. Bis dahin warte ich auf ein Abklingen der Geräuschkulisse. Allerdings sieht es derzeit so aus, als entfalte die Berichterstattung über Hoeneß erneute eine große Eigendynamik. Hans Leyendecker und Klaus Ott legten gestern in der Süddeutschen schon einmal nach mit einer weiteren Geschichte. Unterdessen hat Hoeneß sein Schweigegelübde gebrochen und doch geredet.

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