Transaktionskosten bei Bitcoin durch Bid-Ask-Spread und Markttiefe

by Dirk Elsner on 10. Dezember 2013

In dem Beitrag gestern habe ich skizziert, wie ein Bezahlprozess via Bitcoin (BTC) aus Sicht eines Händlers aussieht. Auf eine tiefe Analyse der einzelnen Abschnitte habe ich verzichtet. Heute schaue ich dafür noch einmal etwas genauer auf den Kasten “Kauf Bitcoin über Marktplatz” und “Verkauf Bitcoin über Marktplatz”. Neben den direkten, also offen ausgewiesenen Transaktionskosten für die Nutzung dieser Marktplätze, sollten kommerzielle Händler nämlich die indirekten Transaktionskosten berücksichtigen. Die entstehen beim Tausch an den Handelsplätzen vor allem durch den so genannten bid-/ask-Spread. 

Bid-Ask Spreads werden im Deutschen auch als „Geld-Brief-Spannen“ bezeichnet. Der Geldkurs (= bid) ist der höchste Preis ist, den ein Käufer für ein Bitcoin zu bezahlen (= bieten, buy-side) bereit ist. Umgekehrt ist der Briefkurs (ask) der niedrigste Preis, zu dem ein Verkäufer bereit ist, sein Papier zu verkaufen (= sell-side).  Geld- und Briefkurse kommen zustande, wenn die Käufer bzw. die Verkäufer ihre Orders mit einem Limit versehen. Die Differenz zwischen dem höchsten gebotenen Kaufpreis und dem niedrigsten möglichen Verkaufspreis ist der Bid-Ask Spread. Dabei ist der beste ask-side-Preis immer höher als der beste bid-side-Preis sein.

Manchmal verwirren die Bezeichnungen, weil der Verkäufer, der einen Auftrag nicht limitiert, bestenfalls den Geldkurs für die angebotene Menge erhält und ein Käufer mit einem unlimitierten Kaufauftrag den Briefkurs für die angebotene Menge zahlen muss.  Zusammengefasst heißt das:

  • Käufer (buy-side) -> limitierter Kaufauftrag mit Menge und Preisobergrenze (Geldkurs, bid) -> erhält ein Verkäufer mit unlimitierten Auftrag
  • Verkäufer (sell-side) -> limitierter Verkaufsauftrag mit Menge und Preisuntergrenze (Briefkurs, ask) -> zahlt ein Käufer mit unlimitierten Auftrag

 

Bid-Ask Spreads im Bitcoin-Handel

Bid-Ask Spreads stellen Transaktionskosten dar. Sie sind auf den Handelsplätzen eindeutig ablesbar. Je höher die die Differenz zwischen buy- und sell-side desto höher die Transaktionskosten.  Auf bitcoinwatch oder bitcoincharts erhält man eine Übersicht der Spreads für verschiedene Währungen und Handelsplätze. Hier für den Handel in Euro vom vergangenen Samstag:

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Wie man daraus sieht, sind die Spannen (= Differenzen zwischen Bid und Ask-Spalte) in Abhängigkeit vom Marktplatz relativ groß. Konkret bedeutet etwa die Spanne bei Mt. Gox, dass zum Zeitpunkt der Anzeige ein Käufer für einen Bitcoin (bzw. Bruchteilen, wie wir gleich sehen werden) 482,78 Euro zahlen müsste und einer Verkäufer 476 Euro erhalten würde.

Markttiefe im Bitcoin-Handel

Für eine kommerzielle Kalkulation ist aber nicht der reine Spread entscheidend, sondern die Markttiefe, also wie viele Bitcoins stehen zu den angezeigten Geboten bereit zum Kauf bzw. Verkauf.  Dies kann kann man sich übrigens auf bitcoincharts.com auch für die einzelnen Marktplätze und Währungen grafisch und tabellarisch anzeigen lassen durch Klick auf einen Handelsplatz und dann auf Market Depth. Aus der Tabelle kann man dann die Details ablesen: 

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Konkret stellt diese Tabelle ein Orderbuch dar, das einige Leser von der Börse her kennen dürften (z.B. hier für DAX-Werte) und in dem die mit einem Limit versehenen Orders ab- bzw. aufsteigend aufgelistet sind. Einer oder mehrere Käufer wären nach der linken Hälfte der Tabelle bereit, 10 BTC für maximal 476 Euro zu kaufen, weitere Käufer* würden 33 BTC bis zu einem Preis von 475 Euro kaufen. Bei einem Preis von 475 Euro würden natürlich auch die Käufer zuschlagen, die für 476 kaufen würden, so dass das Gesamtangebot bei einem Preis von 475 Euro 43 BTC betragen würde (Zahl in der dritten Spalte). Bei der hier betrachteten Marktlage wäre freilich kein Verkäufer bereit BTC abzugeben. Möchte jemand unbedingt kaufen, dann müsste für 1 BTC mindesten 487,50 Euro bieten.

Größere Spreads bei höheren Volumen

Die Tabelle ist auch deswegen hilfreich, weil sie Anhaltspunkte dafür gibt, was man erhält bzw. zahlt für größere Mengen. Wer also sofort (d.h. ohne Limit) 100 BTC verkaufen wollte, würde zu diesem Zeitpunkt maximal 46.882 Euro erhalten. Das berechnet sich aus 23.600+50*465,64. Jemand der 100 BTC sofort haben wollte, müsste dafür 48.924 Euro  bezahlen. Das errechnet sich so: 35.111+28*493,33. Man muss das aber nicht umständlich zu Fuß ausrechnen, sondern kann den Kalkulator nutzen, der auf Basis der aktuellen Marktlage und Gebote rechnet (BTW ich bin wirklich beeindruckt, welche Datenvielfalt und Services hier einzelne Webseite zu Bitcoin anbieten; das ist Profiniveau). 

Dieses Beispiel macht deutlich, dass die Bid-Ask Spreads um so höher sind, je größer das gewünschte Handelsvolumen ist. Der Spread von 476 zu 482,79 gilt nur für einen Bruchteil*. Für 100 BTC beträgt er 468,82 zu 489,24 oder 20,42 Euro. Diese Transaktionskosten zahlen Käufer und Verkäufer zusammen, wenn sie im Moment der Transaktion ihre jeweiligen Positionen sofort glattstellen wollen. Dass dies faktisch aber nicht möglich ist, werden wir in dem Beitrag morgen sehen. Hier einmal die Spreads für verschiedene Volumina anhand der Calculators auf bitcoincharts.

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Das kann man z.B. über Excel auch wie in der folgenden Tabelle darstellen, wenn man dies auf 1 BTC normiert.

Volumen         Bid in € Ask in € Spread je BTC
0,01 566,00 576,00 10,00
0,1 565,60 576,20 10,60
1 565,59 576,24 10,65
10 565,06 576,24 11,18
100 553,46 576,80 23,34
1000 536,05 592,61 56,55

Die Daten der beiden letzten Tabellen weichen zu den obigen Daten deutlich ab, da der Preis während des Schreibens am Samstag Mittag stark gestiegen war:

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Preisentwicklung am 7.12. 10:00 bis 13:00 Uhr

Kreditrisiko von Handelsplätzen

Wichtig ist noch zu wissen, dass im Vergleich zu den Börsen und Handelsplätzen der klassischen Finanzwelt die Bitcoin-Börsen keiner Regulierung unterliegen. Daniel Kerscher weist aber darauf hin, dass es Maßnahmen zur Einschränkung der Geldwäsche, wie Auszahlungslimits, oder besondere Formen der Identifizierung, wie das Einreichen einer Ausweiskopie gibt. Die Handelsplätze sind nicht reguliert und unterliegen keiner Einlagensicherung. Daher haben diejenigen, die über die Marktplätze handeln und dort ihre Guthaben hinterlegen (und damit faktisch Mt. Gox entweder Bitcoin oder ihre eigene Währung leihen) immer auch ein Kreditrisiko für ihre Bitcoins bzw. ihre eigene Währung. Das Geld wird nämlich auf eine Bitcoin-Adresse des Marktplatzes überwiesen. Mir ist hier leider nicht bekannt, ob es hier bereits Treuhänderlösungen gibt, die die Kundenguthaben schützen durch Trennung von eigenen Guthaben. Im Klartext bedeutet dies, geht der Betreiber eines Handelsplatzes in die Insolvenz, dann ist der Zugriff auf die Guthaben nicht möglich.


* Bei den Mengen mit einem Volumen von Null dürfte es sich um hier nicht dargestellte Bruchteile handeln. Die kleinste Einheit von Bitcoins ist ein STC. Ein STC entspricht 0,00000001 BTC


Quellen

Support Mt Gox: Withdrawals and Deposits, General Questions

Wikipedia: Bitcoin, Mt. Gox

How do you buy bitcoins: Mt Gox

Bitcoin.de: FAQ, Der Bitcoin Client

Martin Mayer: Bid-Ask Spreads

About.com:  The Bid, Ask, and Last

DeiFin: „bid-/ask“-Spreads und Transaktionskosten

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