Wir bauen uns eine Bank …

by RalfKeuper on 22. Mai 2014

Big Island Von Kona nach Pahoa 004Die Zeiten zur Gründung einer Bank waren selten so günstig wie heute. Gebäude, Bürotürme gar, werden eigentlich nicht mehr benötigt; auch die Filialen scheinen ihren Zenith endgültig überschritten zu haben.

Prinzipiell lässt sich das Bankgeschäft nahezu komplett über das Internet betreiben. Schon jetzt stehen mit den zahlreichen FinTech-Startups die Bausteine zur Verfügung, um daraus eine Bank zu bauen. Von der Geldanlage über die Finanzierung bis hin zur Zahlungsabwicklung und Compliance – für die Kernfunktionen hat mindestens ein FinTech-Startup eine Lösung parat. Selbst Kernbankensysteme, das  "Allerheiligste" einer jeden Bank, können über die Cloud bezogen werden.

So gesehen ist es nur ein logischer Schritt, wenn die Überlegungen, wie man sich eine Bank bauen kann, konkreter und realitätsnäher werden, wie bei Jack Gavigan in seinem lesenswerten Beitrag What would a disruptive bank look like?.

Zentraler Baustein ist darin die Core Banking Engine. Sie umfasst neben CRM-Funktionen auch einen API-Service-Layer, der die Anbindung von Lösungen Dritter ermöglicht, wie z.B. Tools für das Personal Finance Management. Da sie das Rückgrat der Bank-IT bildet, sollte die Core Banking Engine in Eigenregie erstellt werden. Auch die ATMs und die Ausgabe von Kundenkarten bleiben unter der Hoheit der Bank. Alle weiteren Bausteine können mittels Open-API integriert werden. Gavigan ist nicht der Ansicht, dass sich eine Bank nur noch auf das Front End konzentrieren sollte, wie Moven.

Neu ist der Gedanke eines Marktplatzes für Produkte und Dienstleistungen, auf dem sich die Kunden die für sie passenden Produkte und Dienstleistungen aussuchen können. Das Angebot stammt dabei nicht nur von der Bank, sondern auch von Dritten.

Das alles kommt dem Modell der Bank als digitaler Plattform schon sehr nahe.

An Grenzen stösst das Modell derzeit noch, wenn es um Fragen der Koordination wie auch der Abdeckung der nicht-funktionalen Anforderungen geht.

Die Digitalisierung des Bankgeschäfts hat die Annahmen der Transaktionskostentheorie nach Coase und Williamson noch nicht obsolet machen können. Demnach stehen für die Koordination bzw. Abwicklung der Transaktionen eines Unternehmens die Alternativen Hierarchie oder Markt zur Verfügung. Die Forschung zur Koordination mittels Netzwerken ist dagegen noch in den Anfängen. Bis heute erfolgt die Koordination der Aktivitäten in den Banken vorwiegend mittels Hierarchie, d.h. die Leistungen werden intern erstellt und koordiniert. Sicherlich hat das Outsourcing zu einer Verlagerung hin zum Markt geführt; in ihrem Kern werden die Banken indes nach wie vor über die Hierarchie, d.h als geschlossenes System gesteuert.

Den Schwerpunkt der Koordination auf den Markt zu verlegen, erfordert einen nicht zu unterschätzenden Aufwand. Verträge müssen neu ausgehandelt, die Leistungserfüllung überwacht werden. Anbieter scheiden aus, neue kommen hinzu. Die Preis- und Erlösmodelle müssen fortlaufend angepasst und ausgehandelt werden. Der Aufwand wird auch dann nicht geringer, wenn, wie in dem Modell von Gavigan, eine Mischform gewählt wird. Zwei verschiedene Koordinationsmechanismen unter einen Hut zu bringen, erfordert selbst wiederum einen hohen Koordinationsaufwand. Das dürfte ein langer und schwieriger Lernprozess werden. Fast schon eine Quadratur des Kreises.

Hinzu kommt das Thema der nicht-funktionalen Anforderungen wie der Sicherheit und der Hochverfügbarkeit. Wer kümmert sich darum? Können sie überhaupt von einem Akteur alleine garantiert werden?

Auch wenn es heute – im Prinzip – einfacher ist eine Bank zu gründen, als vielleicht noch vor zehn oder zwanzig Jahren, wir lassen jetzt mal die Beschaffung der fünf Millionen Grundkapital beiseite, ist der technologische Vorsprung schnell dahin, wenn die Vollbanklizenz angestrebt und erteilt wird. Allein die Regulierung sorgt dafür, dass der Kostenblock mit einem Schlag ganz neue Dimensionen annimmt. Die Handlungsfreiheit wird dadurch eingeschränkt.

Eine Bank nur über das Internet profitabel zu betreiben, wird auch künftig schwer sein. Ob eine Mischform, wie von Gavigan vorgeschlagen, die Lösung ist, bleibt aus den genannten Gründen abzuwarten.

Einen weiteren, vielleicht sogar den entscheidenden, Schub könnte das Thema dann bekommen, wenn sich die digitalen Währungen in der einen oder anderen Form durchsetzen. Vor allem aus dem Bereich Payments und Security könnten einige Innovationen zu einer Umwälzung des Bankgeschäfts führen. Genannt seien die Trusted Platform Modules oder Bitcoin Wallets. Dann stellt sich das Thema der Sicherheit wie auch der Hochverfügbarkeit neu. Ebenso könnte der dezentrale Ansatz die heute noch bestehenden Grenzen bei der Transaktionsabwicklung und Koordinierung aufheben, zumindest aber die Entstehung neuer Organisationsformen im Banking, wie Netzwerkorganisationen und/oder die Bank als Plattform, begünstigen.

Dann könnte es tatsächlich heißen: Wir bauen uns eine Bank

Weitere Informationen:

Die Evolution der digitalen Währungen #1

New Banking – Ein Blick zurück in die Zeit um die Jahrtausendwende

Bankgründung als Mittel der Wahl?
Auf der Suche nach der Organisationsform der Zukunft


Dieser Beitrag ist ein erlaubter Crosspost von Ralf Keupers Blog Bankstil.

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