Kunst als Geldanlage: Der Wert der Kunst (Teil 1)

by Karl-Heinz Thielmann on 13. Januar 2015

Fortsetzung des Beitrag aus Blicklog vom 16.12.2014 (Kunst als Geldanlage: Ein sehr spezieller Markt)

Wie ist Kunst zu bewerten? Dies ist eine sehr schwer zu beantwortende Frage, da sich hier ökonomische, ästhetische und psychologische Faktoren vermischen. Nichtsdestotrotz ist sie zentral zur Klärung der Frage, inwieweit Kunst als Investment geeignet ist.

Über die bisherige Wertentwicklung von Kunst gibt es sehr widersprüchliche bzw. fragwürdige Informationen. Dies hängt damit zusammen, dass Kunstwerke nur sehr unregelmäßig gehandelt werden; viele nur einmal, wenn sie beim Ersterwerber verbleiben. Insofern ist man bei Angaben über Preisveränderungen entweder auf Medienberichte (die meinst spektakuläre Einzelfälle behandeln); Expertenschätzungen (die leicht manipulierbar sind) oder auf die Historie von oft gehandelten Kunstwerken angewiesen. Insbesondere die oftmals sehr selektiven Medienberichte haben zu einer starken Verzerrung der öffentlichen Wahrnehmung geführt, da sie sich fast nur auf Sammler konzentriert, die sehr hohe Gewinne mit Kunstwerken gemacht haben.

Zur allgemeinen Darstellung der Preisentwicklung von Kunst gibt es verschiedene Index-Konzepte, die alle auf den Daten von Auktionshäusern beruhen. Die Ansätze der Indexberechner Artnet und Artprice scheinen mir bei näherer Betrachtung aber methodisch relativ fragwürdig, da diese sehr selektiv nur bestimmte populäre Segmente betrachten. Dies führt zu Verzerrungseffekten bei Marktbewegungen, weshalb teilweise extreme Preisschwankungen ausgewiesen werden. So stieg nach Angaben von Forbes der Artnet Contemporary C50 im 1. Halbjahr 2014 um 120%, während der Artnet Modern 25 im gleichen Zeitraum um 54% fiel.

Eine relativ umverzerrte Auswertung der Wertentwicklung des Kunstmarktes stellen hingegen die jährlich ermittelten Mei Moses® Indizes dar. Sie bauen auf einer Datenbasis von 45.000 Transaktionen auf, enthalten nur bestätigte Marktpreise von US-Auktionshäusern und nehmen nur Preisänderungen von tatsächlich mindestens 2-mal gehandelten Kunstwerken auf. Sie zeigen für das Preisniveau des gesamten Kunstmarktes einem Rekord in 2011 an, dem in 2012 einen Rückgang von 3,3% und für 2013 ein Minus von 1,3% folgten. Laut einer Indikation für den Zeitraum Januar bis September setze sich auch 2014 mit einem negativen Ergebnis von 3,1% der Abwärtstrend fort.

Die Entwicklungen bei den Subindizes für einzelne Segmente zeigen, dass den Gewinnern des Marktes wie „zeitgenössischer Kunst“ (2013 +10,6%) oder „klassischer chinesischer Kunst“ (2013 +6,7%) starke Verlierer wie die „alten Meister und Kunst des 19. Jahrhunderts“ (2013 -14,3%) entgegenstehen. Für den Investmenterfolg ist entscheidend, dass man im richtigen Marktsegment anlegt.

Performancevergleiche zwischen Kunstindizes einerseits und Wertpapierindizes andererseits sind sehr problematisch, weil es bei Kunst einen starken „Selection Bias“ gibt. Viele Kunstwerke werden nicht wiederverkauft und tauchen in der Statistik nie auf, weil sie nicht gehandelt werden. Über ihre Wertentwicklung sind keinerlei serösen Aussagen möglich. Weiterhin sind Kunstwerke sehr hetero-gen, was die Vergleichbarkeit zwischen ihnen sehr erschwert. Dennoch haben Mei und Moses ihre Indizes bis 1810 zurückgerechnet, um Langfristvergleiche zu ermöglichen. Selbst wenn die ermittelten Performancezahlen mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten sind, so gibt es doch einige interessante Ergebnisse:

  • Ohne Berücksichtigung von Transaktionskosten liegt die historische Performance von Kunst in etwa zwischen derjenigen von US-Staatsanleihen und US-Aktien.
  • Der Investmenterfolg bei Kunst hängt entscheidend von der Haltedauer ab. Diese war mit durchschnittlich 28 Jahren (für die bei Mei Moses eingehenden Werke) bei Kunstinvestoren grundsätzlich sehr viel länger als bei anderen Anlegern. Eine lange Haltezeit relativiert wiederum die hohen Transaktionskosten etwas. Über die ganze Besitzdauer verteilt sind sie damit auf Jahresbasis durchaus z. B. den laufenden Kosten für Investmentfonds vergleichbar. Bei zeitgenössischer Kunst ist die durchschnittliche Haltedauer mit 11,2 Jahren (für die 2013 auktionierten Werke) vergleichsweise kurz, aber immer noch weit länger als bei vielen anderen Kapitalanlagen üblich.
  • Es gibt bei Kunst einen „Fluch des Siegers“: Hochpreisige, zum jeweiligen Zeitpunkt sehr populäre Kunst, hat langfristig eine weit unterdurchschnittliche Performance gezeigt. Gravierende Wertverluste gab es langfristig vor allem für die Käufer, die in die jeweiligen „Meisterwerke“ ihrer Epoche investiert haben.
  • Kunstindizes sind langfristig kaum mit Wertpapierindizes korreliert. Dies wird oft als Beleg dafür gesehen, dass die Beimischung von Kunst in ein Investmentportfolio das Gesamtrisiko der Anlage senkt. Allerdings basiert diese Meinung auf einer Fehlinterpretation der Daten. (Vgl. hierzu Teil 2 dieses Beitrags)

Wie bestimmt man den Wert von Kunst?

Eine Bewertung von Kunst aufgrund von Kennzahlen, der Knappheit oder dem Ertragswert wie bei anderen Anlageformen ist nicht möglich. In Zusammenhang mit der Bewertung von Kunst wird in der Regel von sieben wertschaffenden Faktoren gesprochen, die sich zum Teil sehr deutlich von denen anderer Märkte unterscheiden:

1)            Der Wert des ästhetischen Genusses, den ein Kunstwerk dem Betrachter bereitet.

2)            Die besondere Bedeutung des Originals.

3)            Der Wert eines besonderen Kauferlebnisses bei Kunst.

4)            Die Bedeutung von Kunst für den Sozialstatus.

5)            Kunst als Mittel der Risikostreuung.

6)            Die Reputation des Kunstwerkes bzw. seines Schöpfers.

7)            Die Marktmacht von Galeristen und Großsammlern.

Diese Faktoren werden im Folgenden sowie in einem weiteren Beitrag genauer betrachtet.

Qualität in der Kunst

Bildende Kunst spricht uns vor allem emotional an, mittels unserer Wahrnehmung; insbesondere durch sinnliches Anschauen. Ihr Wert ergibt sich durch ihre Ästhetik, also die Art, wie sie unsere Sinne bewegt, wenn wir sie betrachten: durch Wahrnehmung von Schönheit und Hässlichkeit, Angenehmen und Unangenehmen.

Doch, was ist „künstlerische Qualität“? Wie will man etwas, was explizit nicht den Verstand anspricht, bewerten? Wie will man diese Bewertung dann auch noch in Geldeinheiten ausdrücken? Diese Fragen versuchen eine ständig wachsende Schar von Kunstexperten zu beantworten.

Dass Experten zur Bewertung von komplexen Dingen herangezogen werden, ist an sich nichts Ungewöhnliches, gerade wenn diese nur selten gehandelt werden. Doch während sich Aktienanalysten, Immobiliensachverständige oder Autoexperten zumeist an relativ objektiven Kriterien orientieren, sind diese bei Kunstexperten immer sehr subjektiv und vor allem vom kulturellen Umfeld abhängig. Vor allem bei der zeitgenössischen Kunst sind die Interpretationsspielräume sehr weit.

„So gesehen lebte ,Qualität´ immer von der Macht derjenigen, die über sie befanden, und von der Verve derer, die eine Kontroverse noch lohnend fanden. Qualitätskriterien zeigten sich historisch als umso wandelbarer, je konkreter sie gefasst werden.“ Dies stellte einmal Georg Imdahl fest, Kunstkritiker und Professor für Kunst und Öffentlichkeit an der Kunstakademie Münster.

Der Qualitätsbegriff ist einem permanenten Veränderungsprozess unterworfen. Dies wird deutlich, wenn man die Entwicklung des Kunstmarktes in den vergangenen Jahrzehnten betrachtet. Viele der heute so wertvollen Impressionisten waren unter ihren Zeitgenossen nur eine wenig populäre Randgruppe, einige mussten um das Überleben kämpfen. Van Gogh konnte zu Lebzeiten nur sehr mühsam wenige Werke verkaufen (u. a. an seinen Bruder). Hierin zeigt sich deutlich, dass Beliebtheit in der Gegenwart kein guter Indikator für die langfristige Wertentwicklung ist.

Anfang der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren praktisch nur für Meisterwerke aus der europäischen Kunstgeschichte und der Moderne sehr hohe Preise zu erzielen. Am höchsten wurden Impressionisten wie Van Gogh und Renoir bewertet. Zeitgenössische Werke sowie Kunst aus Schwellenländern spielten so gut wie keine Rolle. Chinesische Kunst, die über Ming-Vasen hinausging, wurde gar nicht wahrgenommen.

Im Verlauf der 80er und Anfang der 90er Jahre kam es zur ersten großen Kunstpreisblase. Vor allem japanische Käufer überschwemmten den Markt mit Geld und trieben die Preise für die Favoriten des alten Kunstmarkts in die Höhe. Es kam, wie es kommen musste, mit dem Platzen der japanischen Wirtschaftsblase und dem ersten Irakkrieg 1991 brach der Kunstmarkt ein.

Seitdem hat sich der Markt wieder stark erholt, aber vor allem dank neuer Käufer. Neureiche Asiaten und die Erben alter Vermögen in Europa und USA bestimmen jetzt die Kunstszene, ihre Ideen sind moderner als der früheren Geschmacksleitbilder. Dementsprechend sind junge Künstler gefragt, insbesondere aus Schwellenländern. Die in der abendländischen Tradition stehende Kunst hingegen verliert sukzessive an Bedeutung.

Originale, Kopien und Fälschungen

Eine besondere Bedeutung bei der Wertbestimmung eines Kunstwerkes hat, dass es sich um ein Original handelt. Dies gibt ihm etwas spezifisches und einmaliges. Der Besitz verspricht Exklusivität. Vielfach wird aber auch davon ausgegangen, dass speziell der Besitz des Originals ein besonderes ästhetisches Erleben ermöglicht.

Die Abgrenzung zwischen wertvollem Original, einer geringwertigen Kopie oder einer auf geistigem Diebstahl beruhenden Fälschung ist jedoch bei genauerer Betrachtung sehr schwierig, was 2012 die Ausstellung „Déjà-vu? Die Kunst der Wiederholung von Dürer bis YouTube“ in der Karlsruher Kunsthalle thematisierte. Dies hängt nicht nur damit zusammen, dass in heutiger Zeit immer mehr Kunstwerke auf Technologien wie Foto oder Video basieren, bei denen Original und Kopie grundsätzlich nicht mehr unterscheidbar sind. Auch für traditionell hergestellte Kunst war dies oft problematisch, wie diese Beispiele zeigen:

  • Seit dem Mittelalter ist es üblich, dass erfolgreiche Künstler Werkstätten mit vielen Beschäftigten betreiben. Diese dienten zur Massenproduktion von Originalen. Von nicht wenigen berühmten Bildern gibt es verschiedene sehr ähnliche Varianten, bei denen zudem oft unklar ist, wie viel nun der Künstler selbst oder ein Assistent beigetragen haben. Auf die Spitze getrieben hat dieses Prinzip der umstrittene britische Künstler Damian Hirst mit seiner Art Factory, der inzwischen zur Serienproduktion seiner Werke übergegangen ist und damit angeblich der reichste zeitgenössische Künstler überhaupt geworden ist.
  • Ebenfalls seit dem Mittelalter ist gängige Praxis, dass Künstler selbst Kopien oder vereinfachte Versionen ihrer bekannten Werke anfertigten und diese an Kunstliebhaber verkauften. Dies geschah nicht zuletzt aus wirtschaftlicher Notwendigkeit. Die Erfindung des Buchdrucks ermöglichte die massenweise Verbreitung von durch den Künstler selbst vorgenommene oder durch ihn lizenzierte Reproduktionen. Mit der Einführung der Fotografie wurde der Abzug zu einem Original, das im Prinzip unendlich reproduzierbar ist. „Originalkopien“ wahren gegenüber Fälschungen zwar die Urheberrechte des Künstlers. Sind sie aber künstlerisch gesehen Originale oder Kopien?
  • Im Jahr 2008 wurde in Freiburg Wolfgang Beltracchi verhaftet. Er hatte über Jahrzehnte in einer bisher noch nicht bekannten Perfektion die Bilder deutscher Expressionisten gefälscht. Überführt werden konnte er erst, als eine chemische Analyse bei einem Werke modernes Titanweiß nachwies, das zu der angegebenen Entstehungszeit noch nicht existierte. Beltracchi war als Fälscher u.a. deswegen so erfolgreich, weil er nicht nur die Bilder relativ perfekt nachempfand, sondern es ebenfalls gelang, durch eine erfundene Sammlungshistorie (incl. gefälschter Galerieetiketten und Beweisfotos) renommierte Kunstexperten zu täuschen und so ihre Expertisen zu manipulieren. Von angeblich 300 Fälschungen sind bisher nur wenige identifiziert. Viele sind wahrscheinlich in Privatsammlungen und werden nach wie vor für wertvolle Originale gehalten.
  • Original und Fälschung zu unterscheiden fällt nicht nur Experten sehr schwer, sondern teilweise auch Künstlern selbst. Von Giorgio de Chirico ist beispielsweise bekannt, dass er mehrfach eindeutige Fälschungen als eigene Werke identifiziert hat.
  • Der Kunsttheoretiker Walter Benjamin hat mit in seinem Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts eine theoretische Begründung für die besondere ästhetische Bedeutung des Originals geliefert, indem er es mit dem Begriff der „Aura“ verknüpfte. In seinem Verständnis macht diese das spezifische eines Kunstwerkes aus. Sie wird durch die Kennzeichen Unnahbarkeit, Echtheit und Einmaligkeit geprägt. „Die Einzigkeit des Kunstwerks ist identisch mit seinem Eingebettetsein in den Zusammenhang der Tradition.“ Hieraus folgt für ihn: „Der einzigartige Wert des »echten« Kunstwerks hat seine Fundierung im Ritual, in dem es seinen originären und ersten Gebrauchswert hatte.“ Dies bezeichnet Benjamin als „Kultwert“. Im Gegensatz dazu stellt er den „Ausstellungswert“ der Kunst in unserer modernen Medienwelt, die durch Reproduktion vervielfältigbar ist, teilweise auf Schockeffekte setzt und vor allem Zerstreuung beabsichtigt. Dies stellt laut Benjamin die Aura infrage: Zum einen wird durch die Reproduktion der Kunst das ästhetische Empfinden vermindert. Zum zweiten aber – und dies ist für den gegenwärtigen Kunstmarkt im Grunde wichtiger – hat er in der Kunst die Tendenz identifiziert, vorwiegend der Unterhaltung zu dienen sowie lieber Skandale zu provozieren, um Aufmerksamkeit zu erreichen, als ästhetisch zu wirken. Insofern kann man in Anlehnung an Benjamins Gedanken festhalten, dass die heutige Kunst aus vielen Werken besteht, die nur aus technischen oder urheberrechtlichen Gründen als Original gelten, denen aber eine Aura fehlt, die sie auch aus ästhetischer Sicht interessant (und einzigartig) machen.

Das besondere Erlebnis Kunstkauf

Streng genommen sollte der ästhetische Wert von Kunst nicht davon abhängig sein, ob man sie besitzt oder nicht. Man kann ein schönes Bild ebenfalls im Museum genießen und muss es nicht bei sich zuhause haben. Warum kaufen dann Sammler Kunst?

Motivation für Sammler ist zum einen natürlich die Freude daran, ein Kunstwerk zu besitzen und sich hieran in einem persönlichen Umfeld zu erfreuen. Allerdings sehen sich viele Kunstkäufer ihre Bilder nur noch selten an, wenn diese erst einmal erwoben wurden. Nicht wenige Werke werden heutzutage nach dem Erwerb direkt eingelagert. Insbesondere wenn dies in Zollfreilagern geschieht, ist die Chance gering, dass sie jemals wieder auftauchen und ausgestellt werden.

Eine weitere Motivation liegt in der Auffassung begründet, dass die Gesellschaft durch das Schaffen von und die Auseinandersetzung mit Kunst vorangebracht wird. Sowohl Kunsthändler, Käufer, Fachjournalisten und sonstige Kunst-Experten sind normalerweise davon überzeugt, dass sie mit ihrem Engagement für Kunst etwas sozial ungemein Nützliches tun. Käufer sehen ihre Rolle hierbei in zwei Funktionen: zum einen in der Förderung talentierter junger Künstler; zum Zweiten damit, dass sie Kunst durch die Zurschaustellung ihrer Sammlungen im Rahmen von Ausstellungen oder eigenen Museen einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich machen. Speziell Letzteres ist auch gut für den Sozialstatus, wovon in der Fortsetzung in 2 Tagen die Rede sein wird.

Ein nicht zu vernachlässigender Faktor ist aber das Erlebnis des Kunstkaufes an sich. 2012 formulierte dies der leider anonym gebliebene Kolumnist S.T. im Economist so: “Der Kunstkauf macht jemanden nicht nur zu dem Bestandteil einer Gemeinschaft, er vereint auch Gefühle des Sieges, der kulturellen Überlegenheit und der sozialen Abgrenzung. Manche sagen, dass er sogar eine spirituelle Leere füllen kann. Der Begriff, den Sammler meistens benutzen, ist, dass der Kunstkauf ihnen ein „Hoch“ verschafft“. (“Buying art doesn’t just offer a sense of community, it engenders feelings of victory, cultural superiority and social distinction. Some say that it even fills a spiritual void. The term most commonly used by collectors, however, is that buying art gives them a `high’.”)

Kunstkauf gibt einen Lustgewinn. Sei es der Wettbewerb bei der Auktion, bei dem das Kunstwerk nach Abschluss wie eine Siegestrophäe winkt. Oder sei es der Kauf in der Galerie oder auf einer Messe, bei dem der Sammler das Gefühl vermittelt wird, er würde jetzt etwas ganz besonderes erwerben. Denn der Lustgewinn bei der Jagd nach einem Kunstwerk hat sehr viel mit einem Faktor zu tun: seiner Einmaligkeit.

Aufgabe des Auktionators bzw. des Galeristen ist daher nicht nur, Kunst zu verkaufen, sondern den Kauf als besonderes Erlebnis für den Kunden möglichst lustvoll zu inszenieren. Bei der Auktion kommt es darauf an, den Verkaufsprozess als einen spannenden Wettkampf zu gestalten. Die Teilnehmer bei einer Auktion sind wie Sportler bei einem nach dem KO-Prinzip gestalteten Wettbewerb. Sie treten gegeneinander an, einer nach dem anderen scheidet aus, weil es an Leistungsfähigkeit oder Willen fehlt. Der Sieger triumphiert am Ende und bekommt das Kunstwerk als Preis. Auktionen haben deshalb ebenfalls für unbeteiligte Zuschauer eine eigentümliche Faszinationskraft, weshalb sie auch oft den Hintergrund für Filme bilden.

Beim Galeristen hingegen ist wichtig, den Sammler an ein Bild heranzuführen, sei es durch ausführliche Gespräche mit der Galerie, sei es durch arrangierte Begegnungen mit dem Künstler selbst. Damit ähnelt der Prozess des Kaufens mehr einer Pirsch, wenn sich der Jäger an sein Opfer heranschleicht, sich mit ihm vertraut macht, und dann im entscheidenden Moment zuschlägt.

Schlüsselfaktor bei allem ist, dass es die Kunstverkäufer den Käufern nicht zu einfach machen, wenn diese etwas erwerben. Denn mit dem schwierigen Erwerb wird das Besondere des Kunstwerkes unterstrichen. Damit steht der Kunstmarkt im Gegensatz zu anderen Märkten, wo die Verkäufer i.d.R. besonders darum bemüht sind, es ihren Kunden möglichst einfach zu machen. Dies könnte auch erklären, warum das Internet als Medium des gehobenen Kunsthandels bisher praktisch unbedeutend geblieben ist: Es bringt den Käufer um sein Einkaufserlebnis.

 

Der Beitrag wird in 2 Tagen fortgesetzt.

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