Kunst als Geldanlage: Ein sehr spezieller Markt

by Karl-Heinz Thielmann on 16. Dezember 2014

Gibt es ein schöneres Investment als bildende Kunst? Dies scheinen sich immer mehr Menschen zu fragen. Mit einem Umsatzzuwachs von 12% und einem Gesamtvolumen von 47,4 Mrd. € (nach Schätzungen von „The European Fine Art Foundation“ in Maastricht) erlebte der Kunstmarkt 2013 einen weiteren Aufschwung, wobei allerdings noch nicht ganz das Niveau von 2007 (48 Mrd. €) – dem Jahr vor der Finanzkrise – erreicht wurde. Starke Umsatzsteigerungen bei vielen Auktionshäusern im ersten Halbjahr 2014 deuten aber darauf hin, dass im laufenden Jahr für den gesamten Kunstmarkt neue Rekordzahlen erreicht werden.

Getrieben wird dieser Boom vor allem von vermögenden Privatleuten, die zeitgenössische Kunst kaufen. Allerdings ist gerade diese Kategorie in vielerlei Hinsicht oft nur schwer verständlich. Mit dem „Art Consultant“ hat sich deswegen ein neuer Beruf etabliert, der sich darauf spezialisiert hat, Anleger beim Investment in Kunst zu beraten. Die Private Banking Abteilungen fast aller Banken haben inzwischen eigene Kunst-Experten eingestellt, die Ähnliches leisten sollen.

Ist zeitgenössische Kunst etwas ganz Spezielles, was immer mehr Wertschätzung verdient? Ist sie deswegen auch als eine Kapitalanlage geeignet, die sich jedoch nur besonders schwer bewerten lässt? Laut einer kürzlich veröffentlichten Umfrage für den „Art & Finance Report 2014“ von Deloitte und ArtTactic gaben 76% aller befragten Kunstsammler an, dass sie Kunst aus Investmentüberlegungen erwerben. 88% aller Family Offices sowie 64% der an der Untersuchung beteiligten Private Banking Abteilungen von Finanzinstituten gab an, dass die Beschäftigung mit Kunst-Anlagen für sie in den nächsten 12 Monaten ein strategischer Fokus ist. 50% der teilnehmenden Family Offices sehen zudem Kunstinvestments als Möglichkeit der Risikostreuung im Rahmen einer über verschiedene Anlageklassen verteilten Strategie an.

Kann es aber nicht auch sein, dass sich die Preise am Kunstmarkt längst von der Realität entfernt haben, sodass wir uns in „der großen Blase für zeitgenössische Kunst“ befinden? Dies behauptet zumindest der britische Investigativ-Journalist und Dokumentarfilmer Ben Lewis schon seit einigen Jahren. Ist vielleicht der ganze Markt für zeitgenössische Kunst sogar ein Riesenschwindel, weil nicht etwa, wie die Anhänger behaupten, „moderne Kunst radikal und schwer zu ergründen,“ sondern „leer und zynisch“ ist, wie die Kunstkritikerin Jackie Wullschlager vor ein paar Wochen in der Financial Times formulierte?

Diese Unklarheiten gepaart mit der steigenden Beliebtheit von Kunstinvestments sollte Grund genug sein, sich einmal eingehend mit dem Markt für zeitgenössische Kunstwerke sowie deren Eignung für die langfristige Kapitalanlage auseinanderzusetzen. Dieser Text beschäftigt sich mit dem Kunstmarkt und seinen Besonderheiten. Eine weitere Analyse wird sich mit der Bestimmung des Wertes für Kunst befassen.

Galeristen spielen eine zentrale und außergewöhnliche Rolle am Kunstmarkt

Der Markt für bildende Kunst ist kein Handelsplatz wie jeder andere. Dies liegt einerseits daran, dass sich der Wert von Kunst nicht einfach aus der Knappheit bzw. dem Nutzwert wie bei andern Gütern ableiten lässt. Er ergibt sich auch nicht aus dem Gegenwartswert von prognostizierten zukünftigen Cashflows wie bei normalen Finanzinvestments. Hierfür sind andere Faktoren wichtig wie die „künstlerische Qualität“ oder die „Echtheit“. Hierauf wird im zweiten Teil noch detaillierter eingegangen.

Zum anderen scheint der Kunstmarkt anderen Regeln als normale Märkte zu folgen, was in diesem Text näher betrachtet wird. Der Soziologe Olav Velthuis hatte diese einmal in seiner Studie „“Symbolic meanings of prices: Constructing the value of contemporary art in Amsterdam and New York galleries” (2003) untersucht und zwei grundlegende Abweichungen zu „normalen“ Märkten festgestellt:

1)  Zum einen versuchen Galeristen, Preissenkungen für ihre Kunstwerke um jeden Preis zu vermeiden. „Aus ökonomischer Perspektive sieht diese Regel abnorm aus, weil Kunsthändler das Konzept der Preiselastizität ignorieren und sich mehr als Preis-Maximierer wie als Gewinn-Maximierer verhalten“, stellte Velthuis fest. (“From an economic perspective, this norm seems anomalous, because dealers ignore the concept of price elasticity and behave more like price maximizers than like profit maximizers”)

2)  Zum anderen ist die Größe eines Kunstwerkes oftmals der wichtigste preisbestimmende Faktor. So vermeiden es Galeristen, ähnlich große Werke eines Künstlers mit verschiedenen Preisen zu versehen. Dies machen sie auch dann, wenn ihre künstlerischen Qualitäten für den Käufer unterschiedlich scheinen.

Dies wiederum hat Konsequenzen für die Marktstruktur des Kunsthandels, dessen Segmente sich in ihren Usancen deutlich unterscheiden:

1)  Einen Primärmarkt, in dem neu geschaffene Kunst verkauft wird. Dieser Primärmarkt wird eindeutig von Galeristen dominiert.

2)  Ein Sekundärmarkt für „gebrauchte Kunst“, in dem Auktionshäuser und spezialisierte Kunsthändler Kunstwerke kaufen bzw. in Kommission nehmen und weiterverkaufen.

Die Beziehungen zwischen dem primären und dem sekundären Markt sind grundlegend anders als in anderen Anlage-Märkten. Dies liegt zum einen am Objekt. Kunstwerke sind Einzelstücke oder stark limitiert. Damit differenzieren sie sich hochgradig und sind für Käufer, die auf etwas ganz Spezielles Wert legen, nicht ohne Weiteres durch andere Kunstwerke substituierbar.

Ein weiterer Unterschied ergibt sich als Konsequenz aus dem Ziel der Galeristen, auf keinen Fall Preissenkungen zuzulassen. Am Primärmarkt werden bei beliebten Künstlern deshalb oft Kunstwerke zurückgehalten, um das Angebot künstlich zu verknappen. Dies kommt aber ebenfalls in anderen Märkten mit monopolistischer Konkurrenz vor. Besonderheit des Kunstmarktes ist deshalb weniger das Bemühen der Galeristen, im Primärmarkt die besten Preise zu erzielen, als die Maßnahmen, um durch Beeinflussung des Sekundärmarktes „Marktpflege“ für ihre Künstler zu betreiben. Dabei sind teilweise auch Methoden üblich, die an anderen Märkten als sehr fragwürdig empfunden würden. So wird bei populären Künstlern das Angebot vorwiegend bei Sammlern platziert, die keine Wiederverkäufer sind. Manchmal müssen sich Käufer vertraglich verpflichtet, die erworbenen Gemälde bzw. Objekte nicht ohne Genehmigung der Galerie weiterzuverkaufen. Kommen dennoch Kunstwerke auf den freien Markt, ist es bei Auktionen nicht ungewöhnlich, dass die Preise durch Stützungskäufe stabilisiert bzw. in die Höhe getrieben werden. Im Gegensatz zu den Wertpapiermärkten ist die Preismanipulation allgemein akzeptierte Praxis.

Drehscheibe des internationalen Kunsthandels sind die USA (insbes. New York) mit einem Umsatzanteil von 38% in 2013, danach kommen China (24%) und Großbritannien (20%). Wichtigste Kundengruppe dürfen inzwischen chinesische Käufer sein, die vor allem in New York sehr aktiv sind. Ca. 1/3 der Umsätze wird auf Kunstmessen erzielt; wichtigste Handelsorte sind Galerien mit einem Anteil von 50%.

Wechselhafter Beliebtheit haben sich bisher sogenannte Kunstfonds erfreut, die Anlegergelder sammeln und bevorzugt in Werke mit hohem Wertsteigerungspotenzial investieren. Nach Schätzungen von Deloitte und ArtTactic sind weltweit derzeit ungefähr 1,3 Mrd. US$ in diesen Fonds investiert. 2/3 der der Anlagegelder stammen von Investoren aus China. Allerdings war das Volumen 2012 mit 2,1 Mrd. US$ schon einmal erheblich höher. Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung des Schattenbankensektors führten aber inzwischen zu einem starken Rückgang sowohl bei der Anzahl der Fonds (-40%) wie auch den Anlagevolumen (-30%).

In Deutschland waren Fondsprojekte für die Anlage in Kunst bisher wenig erfolgreich. 2013 wurde nach ca. einem Jahr Existenz der „Berenberg Art Capital Fund“ wieder geschlossen. Im Jahr 2000 scheiterte das bisher ambitionierteste Projekt „Global Art Fund“ der DZ-Bank, das 1997 noch mit großem Medienecho gestartet war. Geplant war ein Anlagevehikel, dass breiteren Anlegerschichten die Möglichkeit geben sollte, an den Wertsteigerungen von zeitgenössischer Kunst zu partizipieren. In beiden Fällen machten beteiligte Banker und Kunstexperten hinterher „Mentalitätsunterschiede“ als Grund für das Scheitern aus. Hinter dieser Formulierung dürften jedoch vor allem unterschiedliche – und unrealistische – Erwartungshaltungen verborgen gewesen sein: Die Kunstexperten erhofften sich eine beständige Versorgung mit Anlagegeldern, die Banker schnelle Wertsteigerungen.

Die dunklen Seiten des Kunstmarktes

Die bekannteste Missbrauchsmöglichkeit des Kunstmarktes ist der Handel mit gefälschten Kunstwerken. Dies ist allerdings weniger ein Problem, welches den Handel mit zeitgenössischer Kunst betrifft, aber umso mehr das Geschäft mit Werken verstorbener Künstler, die nicht mehr die Authentizität selbst bestätigen können. Einer Fälschung ist oft nur sehr schwer und nur mit aufwendigen Untersuchungen auf die Spur zu kommen. Dies ist ein Aufwand, den gerade auf Diskretion bedachte Privatsammler oft scheuen. Insofern dürfte es eine enorme Dunkelziffer geben. Eine Indikation hierfür geben Angaben des 2008 verhafteten Fälschers Wolfgang Beltracchi, der Bilder im Stil deutscher Expressionisten gemalt und als Originale verkauft hat. Nach seinen eigenen Angaben hat er 300 Bilder gefälscht, von denen bisher gerade mal ca. 1/6 in Sammlungen identifiziert worden sind.

Manipulationen von Preisen werden durch die ausgesprochene Intransparenz des Kunstmarktes erleichtert. Handel, Vergleichs-Preise, Marktteilnehmer, hierüber herrscht oft nur ein diskretes Schweigen. Nicht selten agieren Strohmänner für Galeristen oder anonyme Sammler. Viele Geschäfte werden nach wie vor per Handschlag ohne schriftlichen Vertrag abgeschlossen. Darüber hinaus können auch gezielte Falschinformationen über Kunstwerke in Umlauf gebracht werden.

Weiterhin erleichtert die Intransparenz den Abrechnungsbetrug. So hat in diesem Sommer die Verhaftung des bekannten Kunstberaters Helge Achenbach Schlagzeilen gemacht. Ihm wird vorgeworfen, dass er im großen Stile für Sammler Kunstwerke in US$ kaufte, den Betrag plus Kommission dann aber als Euro-Summe beim Käufer abrechnete. Selbst wenn Herr Achenbach noch nicht verurteilt ist und deswegen die Unschuldsvermutung gilt, so scheinen 1) die Beweise relativ erdrückend; und 2) ist anzunehmen, dass er nicht der Einzige ist, dem solche dubiosen Geschäftspraktiken vorgeworfen werden können.

Ein weiterer spektakulärer Fall des Betrugsvorwurfs, der ein Licht auf die intransparenten Praktiken des Kunstmarktes wirft, kommt vom Unternehmer und profilierten Sammler Ronald O. Perelman. Er richtet sich gegen Larry Gagosian, einen der größten Kunsthändler in New York. Gagosian soll 2012, nachdem er das starke Interesse von Perelman an einem Bild von Cy Twombly bemerkte, den Preis durch einen zwischenzeitlichen Scheinverkauf an Strohmänner in die Höhe getrieben haben. Damit konnte der Kunsthändler – sofern der Vorwurf zutrifft – einen deutlich höheren Preis als den Schätzwert und doppelte Kommission erzielen. Perelman hat bisher geschätzt 3 Mio. US$ für Anwälte und Detektive ausgegeben, um den Sachverhalt zu recherchieren, und Schadensersatzklage eingereicht. Das Verfahren dürfte einiges zur Aufhellung von dubiosen Handelspraktiken beitragen.

Eines der Themen, über welche die Kunstwelt äußerst ungerne spricht, ist die Rolle des Marktes bei der Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Dabei ist gerade die Bedeutung des Kunsthandels für illegale Aktivitäten in den vergangenen Jahren immer größer geworden. Denn die Bemühungen von Gesetzeshütern auf der ganzen Welt, durch Tracking von elektronischen Kontenbewegungen gegen illegale Geldtransfers vorzugehen, haben den nach wie vor sehr intransparenten Kunstmarkt bei Kriminellen immer populärer werden lassen. Kunstwerke werden oft anonym und gegen Bargeld gehandelt, ideal für kriminelle Aktivitäten.

Darüber hinaus lässt sich der Wert gut verschleiern. Hunderte Gemälde überqueren täglich Grenzen; ob die deklarierten Werte stimmen, lässt sich für einfache Zollbeamte nicht erkennen. So stellte beispielsweise die New Yorker Polizei vor einigen Monaten in einem Lagerhaus das Gemälde „Hannibal“ des amerikanischen Malers Jean-Michel Basquiat mit einem Schätzwert von 8 Millionen US$ sicher. Es befand sich im Besitz des brasilianischen Finanzbetrügers Edemar Cid Ferreira und war 2007 mit einem deklarierten Wert von 100 US$ offiziell und ohne besondere Überprüfung in die USA eingeführt worden. Insgesamt wird Ferreira verdächtigt, noch vor seiner Verurteilung 2006 zu 21 Jahren Haft Kunstwerke im Wert von mindestens 30 Mio. US$ aus Brasilien herausgeschafft zu haben.

Ein Boomgeschäft sind derzeit Zollfreilager für wertvolle Anlagegüter („Freeports“). Sie sind in Ländern wie der Schweiz, Singapur oder Monaco bereits fest etabliert. Im September 2014 gab es eine große Neueröffnung in Luxemburg. Weitere sind geplant in China. Diese Zollfreilager sind an sich nichts Neues; es gibt sie beispielsweise in der Schweiz schon seit 1880. Allerdings hat ihre Bedeutung gerade in den letzten Jahren sehr stark zugenommen, die Superreichen dieser Welt nutzen sie als Lager nicht nur für Kunst, sondern auch für Juwelen, Gold, edle Weine oder Oldtimer.

Laut der bereits zitierten Untersuchung von Deloitte und ArtTactic haben 28% der befragten Kunstsammler bereits eine Geschäftsbeziehung mit einem Zollfreilager. Weitere 42% haben angegeben, dass sie wahrscheinlich in der Zukunft eines benutzen wollen.

Attraktionen dieser Lager sind nicht nur die extrem strengen Sicherheitsvorkehrungen, sondern vor allem, dass sie außerhalb des Zugriffsbereichs von Finanzbehörden sind. Fiskalische Belastungen fallen nur nur an, wenn Güter aus dem Lager wieder herauskommen, wie z. B. Importsteuern im Ankunftsland. Transaktionen innerhalb des Zollfreilagers sind völlig intransparent und nicht von außen nachvollziehbar. Verkäufe innerhalb des Lagers sind für Steuerpflichtige vieler Länder völlig legal steuerfrei, sofern sie ebenfalls innerhalb des Lagers reinvestiert werden. Deshalb verlassen auch die meisten eingelagerten Anlagegüter die Freeports nicht wieder, sondern werden intern gehandelt.

Verschiedene Banken bieten inzwischen sogar an, in Zollfreilagern befindliche Kunstwerke als Kreditsicherheiten zu akzeptieren. So können Kunstwerke von ihren Besitzern quasi „zu Geld gemacht“ werden, ohne dass sie verkauft und Gewinne versteuert werden müssen. Ob diese Vorgehensweise den Aufbau einer versteckten Kreditblase begünstigt, ist noch abzuwarten. Im Moment sind die Volumina noch zu niedrig, um für das Finanzsystem gefährlich zu werden. Allerdings verbirgt sich hinter dieser Art der Sicherheitenstellung wieder eine gefährliche Verwässerung der Qualitätsstandards bei der Kreditvergabe, die man durchaus als Indiz für eine wieder zunehmende Sorglosigkeit um Umgang mit Finanzrisiken werten kann.

Kunst ist nicht nur wegen hoher Preise ein teurer Spaß

Nicht zu vernachlässigen sind die enormen Transaktionskosten beim Kunstkauf. Sie setzen sich aus Gebühren bzw. Kommissionen für Galeristen bzw. Auktionatoren sowie Zölle und andere Abgaben wie die Mehrwertsteuer zusammen. Darüber hinaus muss ein Kunstkäufer noch mit erheblichen Folgekosten rechnen, so z. B. durch Aufwendungen für eine sichere Lagerung oder Versicherungen, auf die im Folgenden jedoch nicht eingegangen wird, da sie individuell sehr unterschiedlich sein können.

Bei Galeristen ist zumeist unklar, wie viel sie an einem Kunstwerk verdienen, allerdings dürften die Gewinnspannen sehr hoch sein. Auktionshäuser verlangen Gebühren in Abhängigkeit vom Transaktionswert. Die Gebühren für Verkäufer können hierbei bis zu 25% des Zuschlagswertes zzgl. Mehrwertsteuer für kleinere Objekte betragen, sinken dann aber mit steigender Größenordnung deutlich. Falls der Auktionator dem Verkäufer einen Mindestpreis garantiert, können die Gebühren auch bei großen Objekten deutlich höher sein. Ihre Gestaltung ist im Wesentlichen Verhandlungssache, gelegentlich wird für Objekte im höheren Millionenbereich sogar ganz darauf verzichtet. Haupteinahmequelle der Auktionatoren ist ein Käuferaufgeld („Buyers Premium“), das zwischen 10% (für sehr hochpreisige Kunst) und 20-25% (für Kunst um 100.000€) des Auktionspreises beträgt. Dieses Aufgeld ist normalerweise nicht verhandelbar und wird von allen Auktionshäusern ähnlich gestaltet. Auch auf diese Gebühren wird die Mehrwertsteuer aufgeschlagen, was die Kosten weiter erhöht.

Grundsätzlich fällt bei gewerblichen Verkäufern wie Galeristen zusätzlich zum Preis eines Werkes noch die Mehrwertsteuer an, die vom Käufer auf den vollen Verkaufswert des Bildes zu entrichten ist. In Deutschland und Frankreich wurden vor Kurzem auf Druck der EU frühere Regelungen mit ermäßigten Steuersätzen rückgängig gemacht, sodass z. B. in Deutschland seit 1. Januar 2014 beim Erwerb im Normalfall volle 19% zu entrichten sind. Dies ist aus Anlegersicht ein klarer Nachteil von Kunst, da bei reinen Finanzanlagen diese Steuern nicht fällig sind. Bei Immobilien wären nur die deutlich geringeren Grunderwerbsteuern zu zahlen. In der Schweiz allerdings werden nur 8% Mehrwertsteuer erhoben. Zudem können Kunstwerke von hier aus ausfuhrsteuerfrei exportiert bzw. in ein Zollfreilager transferiert werden. Dies gibt dem Standort Schweiz im europäischen Kunsthandel einen nicht zu unterschätzenden Vorteil. In den USA unterliegt der Kunsthandel grundsätzlich den lokalen Verkaufssteuern („Sales Taxes“) zwischen 2,9% und 7%, zu denen noch lokale Zuschläge kommen können. Hiervon können aber Künstler oder Galerien bzw. bestimmte Arten von Transaktionen befreit werden, was in der Praxis immer wieder für Verwirrung bzgl. potenzieller Steuerschlupflöcher sorgt. Insofern ist der Kunsthandel in den USA auch immer wieder Gegenstand von Ermittlungen der dortigen Steuerbehörden, die regelmäßig zur Aufdeckung von Steuerhinterziehungsfällen führen.

In Deutschland muss man daher bei der Auktion eines Kunstwerkes im Wert von € 20.000,- inklusive Steuern realistischerweise mit Transaktionskosten von insgesamt 50%-70% des Zuschlagspreises rechnen; bei einem Wert von € 5.000.000,- hingegen eher mit 30%-40%. In der Schweiz oder den USA sind die Transaktionskosten aufgrund der niedrigeren Steuerbelastung i.d.R. geringer.

Dieser Artikel erschien in leicht abgewandelter Form ebenfalls in „Mit ruhiger Hand“ Nummer 32 vom 1. Dezember 2014.

 

 

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