Banken kämpfen mit Zinsrisiken und Fristentransformation

by Dirk Elsner on 6. Mai 2015

ZEIT Online hatte am 1. Mai einen wunderbaren und anschaulichen Artikel von Heinz-Roger Dohms zum Gesundheitszustand seiner Spar- und Darlehenskasse. Unter dem Titel „Meine Bank ist krank“ gibt. er einen plastischen Einblick in eine Branche, deren Geschäftsmodell zu erodieren droht.

In verschiedenen Beiträgen hatte ich bereits auf die besonderen Risiken aus der aktuellen Niedrigzinsphase hingewiesen.

Ich will das Thema noch ein wenig auswalzen, weil ich es für sehr relevant halte für die Stabilität des Finanzsystems. Insbesondere den als solide geltenden Sparkassen und Volksbanken dürfte die aktuelle Situation nicht schmecken. Bereits 2010 wies das Handelsblatt in einem Beitrag auf ihre besondere Situation hin:

“Einen großen Teil ihrer Erträge verdanken die regional verwurzelten Institute der aktuellen Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Das Prinzip: Die Banken leihen sich von ihren Kunden per Tages- oder Festgeld kurzfristig Geld, das sie langfristig zu höheren Zinssätzen an Häuslebauer oder Mittelständler verleihen. Diese Strategie wird Fristentransformation genannt. Sie ist der Haupttreiber für die derzeitigen Gewinne der kleinen Institute – und sie funktioniert nur, solange die kurzfristigen Zinsen so viel niedriger wie die langfristigen Zinsen bleiben (siehe "Zinskluft").

Andreas Dombret, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank redete Ende Februar den Sparkassen und Landesbanken ins Gewissen. In dem Vortrag ging es vor allem um die Herausforderungen, wenn das Niedrigzinsumfeld so bleibt.

“Insgesamt müssen Sparkassen und Banken sich in der aktuellen Situation also fragen, wie sie die Herausforderung niedriger Zinsen meistern können und wollen. Ich dränge Sie, realistisch die Zinssituation einzuschätzen – ohne Angst, aber eben realistisch.

Es ist offensichtlich, dass der Zinsüberschuss generell weiter sinken wird – das zeigen die Analysen und Prognosen der Bundesbank recht deutlich, und das wissen Sie selbst mindestens genauso gut wie ich. Die Kapitalausstattung der allermeisten Sparkassen ist zwar komfortabel und ihre Risikotragfähigkeit gut. Einige von ihnen haben ihre Geschäftsstrategie allerdings darauf ausgerichtet, dass die Zinsen relativ schnell wieder steigen. An dieser Stelle mein Appell: Bitte bedenken Sie nicht nur Ihre aktuelle Situation, die vielen von Ihnen noch auskömmlich vorkommen mag. Es kann keine Strategie sein, auf Dauer aus der Substanz zu leben – auch wenn die Substanz die Sparkassen durch eine Phase niedriger Zinsen tragen kann. Und so rate ich noch einmal eindringlich zu einer realistischen und damit zu einer dynamischen Betrachtung der Ertragssituation.

Denn mit einem Anstieg der Zinsen ist mittelfristig kaum zu rechnen. Die Frage lautet daher: Wie können Banken und Sparkassen auch unter den gegebenen Bedingungen nachhaltig stabile Erträge erwirtschaften?”

Bei der Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts adressierte Dombret ähnlich Warnungen an die gesamte Kreditwirtschaft (Unterstreichungen durch mich):

“Die Geschäftsmodelle deutscher Banken hängen relativ stark vom Zinseinkommen ab. In einer Phase niedriger Zinsen belastet das natürlich die Erträge. …

Bleiben die Zinsen jedoch auf absehbare Zeit auf dem derzeitigen Niveau, wird sich der Druck auf die Erträge weiter verstärken. Höher verzinste Kredite laufen aus und müssten durch niedriger verzinste Kredite ersetzt werden. Da eine Senkung der Einlagenzinsen in vielen Fällen kaum noch möglich ist, könnte eine Ausweitung des Kreditgeschäfts in Betracht gezogen werden, um einem sinkenden Zinsüberschuss entgegenzuwirken. Dauert das Niedrigzinsniveau noch eine Weile an, könnte das besonders bei ertragsschwachen Instituten zu einer erhöhten Risikoneigung führen.

Zudem weisen die deutschen Institute in der Querschnittsbetrachtung einen hohen Gleichlauf beim Zinsänderungsrisiko auf. …

Ein abrupter Zinsanstieg sowie eine Verflachung der Zinsstrukturkurve sind diejenigen Szenarien, die das Zinsergebnis der Banken am stärksten belasten. Diese Belastungen sind der Fristentransformation geschuldet.”

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