Effectuation – Unternehmer oder doch (nur) Verwalter?

by Gastbeitrag on 13. Oktober 2015

Gastbeitrag von Benjamin Kursatzky*

Kann es eigentlich jeder zum erfolgreichen Unternehmer schaffen und Großes leisten? Häufig wird dies verneint, da für „wirkliches“ Unternehmertum eine besondere Gabe, Glück, Zufall, finanzielle Mittel etc. vorhanden sein müssten, was natürlich nur wenigen Menschen beschert sei. Außerdem seien Risiken und Aufwand oft viel zu groß und die Chancen zu ungewiss und daher sollte man es doch lieber lassen…

Aber ist das wirklich so? Professorin Saras Sarasvathy von der Darden School of Business der University of Virginia hat sich bereits vor ein paar Jahren umfassend mit dem Thema beschäftigt und ihre Arbeit zur unternehmerischen Denkweise mit „Effectuation“ betitelt. Die Ergebnisse sind jedoch nach wie vor hochaktuell und bislang wenig verbreitet…

So hat sie herausgefunden, dass die Vorurteile aus dem ersten Absatz einerseits falsch sind und sich Unternehmertum andererseits nicht nach den klassischen Lehrbüchern richtet.

Die gelebte Praxis ist somit wohl zu bedauern, und zwar nicht nur hinsichtlich verhinderter Unternehmensgründungen, sondern auch bei etablierten Unternehmen. -Denn leider handeln auch angestellte Manager oft nach den genannten Vorurteilen, was eher zu einem „Verwalten des Bestehenden“ als zu einem „Unternehmerischen Handeln“ führt…

Und nun? Folgendes Video von der Universität St. Gallen fasst einen interessanten Ausweg anhand von 10 Kernpunkten zusammen. Dabei geht es um die „unternehmerische Methode“ von Saras Sarasvathy, die sich als „Quint Essenz des echten Unternehmertums“ verstehen lässt:

  1. Entrepreneurship ist kein Ausnahmephänomen, es schlummert in jedem von uns!
  2. Es geht um nichts Mystisches und auch nicht um das Erreichen fester Ziele. –Zu Beginn geht es vielmehr um die verfügbaren Mittel (wer bin ich, was kann ich, wen kenne ich?)!
  3. Geschäftsideen fallen nicht vom Himmel, sie werden entwickelt!
  4. Statt großer Gewinnerwartungen sollten ertragbare Verluste formuliert werden!
  5. Austausch ist wichtig!
  6. Durch Austausch entsteht CoCreation (d. h. zusätzliche Mittel, Ideen etc.)!
  7. Business Pläne verhindern Unsicherheit kaum, sie können aber blockieren!
  8. Glück ist gut, mit dem richtigen Vorgehen kann die Glückswahrscheinlichkeit aber erhöht werden!
  9. Unternehmertum und der Umgang mit Unsicherheit sind erlernbar!
  10. Unternehmer sind keine Propheten, die die Zukunft voraussagen. Sie gestalten sie stattdessen!

Fazit: Unternehmerisches Denken und unternehmerischer Mut sind unverzichtbar – Können es sich Unternehmen und Banken leisten, darauf zu verzichten?

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Zum Autor:

Benjamin Kursatzky ist Experte für Strategie, Innovation und New Business Development bei der ADG Schloss Montabaur

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