Corona als Epochenbruch?
Ich hatte heute keine Lust auf TV oder Streamingdienste und beschließe das Angebot des Spiegels zu nutzen und 3 Monate Spiegel digital incl. des Magazins zu testen. Zuerst versinke ich in der ausgesprochen lesenswerten Titelgeschichte von Ullrich Fichtner “Am Anfang war das Virus”. Er fragt sich darin, ob es durch Corona wirklich zu einem Epochenbruch kommt. Er leitet sie damit ein, was wir täglich in den Nachrichten sehen:
“Die Welt, wie wir sie noch im Februar für »normal« gehalten haben, geht unter in einem Krach, wie es in der Geschichte noch keinen gegeben hat. Für die Hälfte der Menschheit gelten dieser Tage mehr oder minder strenge Ausgangssperren. Alle Kontinente sind betroffen, arme wie reiche Regionen, Metropolen wie entlegene Provinzen. Große Teile der Weltwirtschaft stehen still. 180 Länder der Erde, die noch vor wenigen Wochen mit steigendem Wachstum und Wohlstand rechneten, stürzen in tiefe Rezession. … Viele, sehr viele Läden und Lokale, die nun geschlossen sind, werden nicht wieder öffnen. Viele Fabriken überall auf der Welt, in denen die Produktion gestern noch auf Hochtouren lief, haben für immer zugemacht.”
Fichtner stellt die Idee in den Raum, “dass es besser wäre, ganz neu anzufangen, statt den Versuch zu machen, das zerbrochene Alte noch einmal zu reparieren.” Aber ist das wirklich so einfach, wie es aufgeschrieben ist? Die Frage nach dem Epochenbruch wird mich sicher noch oft beschäftigen.
Anfang und Ende der Fußball Bundesliga
Das Digital-Abo des SPIEGELS hat den Vorzug, dass man im Archiv in sämtliche Ausgaben schauen kann. Und so scrollte ich durch die Ausgaben meine Geburtsjahres 1963. Nein, ich blieb nicht hängen bei dem Titel zur Ermordung von John F. Kennedy, sondern bei der Ausgabe 35/1963 zum Start der Fußball Bundesliga “Geld im Schuh”. Es war der Start der neuen Kommerzialisierung im Fußball:
“Mit dem neuen Spielsystem will der DFB nicht nur die Zuschauer beglücken, sondern auch in seinen Elite-Kickern ein völlig neues Ballgefühl wecken: – Spitzenfußballer, die bisher monatlich maximal 400 Mark verdienen durften, können nunmehr von ihren Vereinen monatlich bis zu 1200 Mark, in Ausnahmefällen auch mehr, kassieren. Außerdem winken ihnen zusätzlich pro Jahr Sonderprämien bis zu 2000 und alle zwei Jahre Treueprämien bis zu 10 000 Mark.
Dafür sollen sie strammere Spiele und höhere Einnahmen produzieren, indem sie die ganze Saison hindurch jene verschärfte Gangart einhalten, die nach dem bisherigen Spielsystem nur die eigentliche Endrunde abverlangte. Denn Deutschlands Fußballmeister wird nicht mehr – wie bisher – in einer sechswöchigen Endrunde mit Endspiel, sondern in einer neunmonatigen Punktrunde ohne Endspiel ermittelt.”
Fast 57 Jahre später pausiert der Fußball und die Bundesliga kämpft um ihren Re-Start. Ob das gelingt, ist noch ungewiss. In Deutschland hat die Debatte ob 0,4 Prozent aller in Deutschland verfügbaren Corona-Tests für die erste und zweite Liga zur Verfügung stehen sollen, bereits begonnen.
Obwohl ich sehr viel Fußball konsumiert habe und alle TV und Streamingdienste abonniert habe, die Fußball zeigen, vermisse ich den Fußball überhaupt nicht. Noch schlimmer, angesichts der Probleme, die viele andere Unternehmen haben, bewegt mich nicht einmal das Schicksal der Liga und der Vereine. Ich habe DAZN bereits gekündigt und werde das auch mit Sky zum Ablauf der Abo-Periode tun. Die Geisterspiele, sofern sie überhaupt stattfinden dürfen, werden mir wahrscheinlich komisch vorkommen.
Viele stellen vielleicht fest, dass der Fußball gar nicht unbedingt notwendig für unser Leben ist. Vielleicht wird man rückblickend einmal feststellen, dass der Profifußball im März 2020 seinen Kommerz-Gipfel erreicht hat und kräftig zurück gestutzt wurde.
Diese Notizen habe ich offline aufgeschrieben und erst zu einem späteren Zeitpunkt in den Blog gestellt, dann aber unter dem Tag veröffentlicht, an dem ich die jeweiligen Gedanken hatte.
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