Alte Ideen gegen die Finanzierungsklemme des Mittelstands wieder aufgefrischt

Die “KfW kämpft gegen Kreditklemme” titelte das Handelsblatt. “Steinbrück und EZB erhöhen Druck auf Banken” war außerdem zu lesen, damit die Banken ausreichend Kredit an Firmen vergeben. Leser dieses Blogs wissen, dass sich die aktuellen Finanzierungsprobleme von Unternehmen nicht allein auf eine Kreditklemme reduzieren lassen. Vielmehr lässt sich die bei vielen Unternehmen diagnostizierte Finanzierungsklemme häufig nur mit zusätzlichem Eigenkapital beheben. Wie schwierig die Kapitalbeschaffung ist, hatte bereits vor einigen Jahren eine Arbeitsgruppe unter Federführung der Kreditanstalt für Wiederaufbau diagnostiziert und entsprechende Maßnahmen vorgeschlagen.

Vergangene Woche hatte der Blick Log bereits auf den Abschlussbericht der Arbeitsgruppe “Eigenkapital für den breiten Mittelstand” hingewiesen. Die dort zusammengestellten Erkenntnisse gelten weiterhin. Die damaligen Vorschläge sind leider bisher nicht den Weg einer breiten Umsetzung gegangen. Dabei ist es gerade jetzt wichtig, weitere Instrumente für die Eigenkapitalfinanzierung von Unternehmen zu fördern.

Eine Diskussion und die Weiterentwicklung der damaligen Vorschläge ist auf jeden Fall  sinnvoller als die nutzlose Debatte über die Kreditklemme. Ich stelle daher als weiteren Diskussionsbeitrag des Blick Logs die wichtige Passagen dieses Berichts heraus mit einigen ergänzende Anmerkungen dazu (ein Überblick über Beiträge des Blick Logs zur Finanzierungsklemme gibt es hier).

Chronische Eigenmittelknappheit des Mittelstands

Zur chronischen Eigenkapitalknappheit weist die Untersuchung zunächst auf einige Besonderheiten hin, die die Eigenkapitallücke etwas relativiert:

“Die Eigenkapitalausstattung ist in Deutschland zweifelsohne gering, aber vermutlich nicht so gering, wie es der Vergleich des ausgewiesenen Eigenkapitals allein  nahe legt. Beispielsweise ist der Anteil von Einzelunternehmen und Personengesellschaften, die ihr Vermögen zum Teil aus steuerlichen Gründen auf das Privatvermögen übertragen (können), in Deutschland relativ hoch. Häufig dient aber dieses Privatvermögen auch der Besicherung von Unternehmenskrediten und gehört insofern zum Haftkapital.

Außerdem werden in deutschen – auch kleineren – Unternehmen wie kaum anderswo langfristige Rückstellungen in hohem Maße gebildet. Dabei weisen langfristige Rückstellungen ökonomisch betrachtet einen eigenkapitalähnlichen Charakter auf. Vermutlich ist auch die Bildung stiller Reserven in Deutschland – infolge steuerlicher Regelungen und Bilanzierungsvorschriften – stärker ausgeprägt als in vielen anderen Ländern.”

Lücke im Beteiligungsmarkt

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Next Banking in Berlin: “Ablehnen, kritisieren, nachmachen”

Das war ein spannender Tag am Dienstag in einer kreativen Location (The Hub) in Berlin. Die “Next Banking Konferenz” hatte eingeladen, einen Blick in das Banking der Zukunft zu wagen. Die große Revolution wurde erwartungsgemäß nicht ausgerufen. Es sind jedoch viele zarte Blüten erkennbar, von denen durchaus einige das Zeug haben, dem Old Banking mehr als nur ein paar Geschäfte wegzunehmen. Noch ist es freilich nicht so weit.

Schade, dass traditionelle Institute mit einer Ausnahme die Veranstaltung gemieden haben. Es hätte einen noch fruchtbareren Dialog geben können. Erforderlich ist dieser Dialog angesichts der Entwicklungen im Bankensektor für beide Seiten. Die traditionellen Banken müssen sich aktiv mit neuen Entwicklungen befassen. Die Avantgarde des New Banking sollte aber die Probleme der klassischen Banken kennen, um frühzeitig alte Fehler zu vermeiden. Nur leider fehlten diese Teilnehmer der Veranstaltung.

So bleibt die Vermutung, dass sich viele Banken ähnlich verhalten, wie zu Zeiten als die Direktbanken aufkamen: “Ablehnen, kritisieren, nachmachen.” Das Copyright auf dieses Zitat gehört übrigens Matthias Kröner, der auf unterhaltsame Art mit den “Klassikern” abrechnete.

Die Ausnahme unter den traditionellen Institute machte übrigens die GLS Bank aus dem Genossenschaftssektor. Sie präsentierte sich sehr transparent und webfreundlich. Hier soll man sogar demnächst aus dem Netz erfahren, in welche Einzelanlagen das Institut ihr eigenes Geld investiert. Bisher gibt es das nur offline. Diese Form der Transparenz hat die Bank übrigens schon vor der Finanzkrise betrieben. Nun gilt sie als Vorzeigebank, die mittlerweile vor der Herausforderung steht, das starke Wachstum organisatorisch zu bewältigen.

Transparenz bleibt aber vorerst für klassische Banken ein Fremdwort, ähnlich wie kundenfreundliches Verhalten. Die entsprechenden Empfehlungen des Bundesverband Deutscher Banken für neue Leitlinien zur Stärkung des Anlegervertrauens im Retail-Geschäft hat das Auditorium übrigens mit einem süffisanten Lächeln quittiert.

Allerdings scheinen viele Institute angesichts der umfangreichen Regulierung und komplexer interner Abläufe und IT gefangen in ihren Geschäftsmodellen. Schnelle Reaktion auf neue Marktentwicklungen sind so kaum möglich. Für die Umsetzung  neuer Ideen könnte es daher deutlich einfacher sein, ein neues Institut zu gründen, als schwerfällige Organisationsstrukturen und komplexe IT-Prozesse eines etablierten Instituts anzupassen. Aber auch für neue Institute gilt die Gravitationstheorie der Finanzmärkte und dazu gehören besondere Sicherheitsstandards. Continue reading Next Banking in Berlin: “Ablehnen, kritisieren, nachmachen”

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